Christentum: Missionieren im Namen des Herrn


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Bekehren als Deckmäntelchen, die eigene Macht zu festigen

Früher gab es hierzulande keine Gotteshäuser wie Kapellen und Kirchen, da zogen die Germanen und Kelten umher, um in ihrer Götterwelt zurechtzukommen, wobei sie es nicht nötig hatten, ihren Glauben anderen aufzuzwingen.

Das änderte sich ziemlich schnell und äußerst gründlich mit dem Missionieren, zumal zusammen mit der Möglichkeit zunehmender Mobilität eine weltweite Expansion per Seereisen entstand, im Namen des Herrn mit dem Christentum, auf Teufel komm raus die Ungläubigen zu bekehren.

Christentum weitverbreiteste Weltreligion

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Diktat des Glaubens und Friedenszeiten? Die Geschichtsbücher füllen ganze Bibliotheken des sich kontinuierlich ausbreitenden Christentums, welches explizit erbarmungslos die Herrschaft des Glaubens allen kriegerisch eroberten Völkern anordnete, eine blutige Schneise der Verwüstung sich hinter ihm zog, denken wir an die Kreuzzüge.

Über 2,2 Milliarden Menschen bekennen sich zum Christentum, dicht gefolgt vom Islam. Doch während die Christen sämtliche Nischen in der Erde aufsuchten, um missionarisch ihren Glauben zu verbreiten, hatten die Muslime weder die Mittel noch die Möglichkeit, es ihnen gleichzutun, zumal über sechshundert Jahre später erst deren Gründung erfolgte. Der zeitliche Vorsprung des Christentums in Kooperation eines mächtigen Europas, welches bereits weltweit mit seinen Seemächten die Welt kolonisierte, war ein entscheidendes Bollwerk, das eine stärkere Expansion des Islams mit verhinderte.

Jesus Missionsbefehl ein denkwürdiges, folgenreiches Erbe

Unabhängig davon, daß die Bibel ohnehin sehr lange nach Jesus Christus Tod geschrieben wurde, daher so manch Überliefertes nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen muß, so darf man sich dennoch wundern über den Missionsbefehl im Matthäus-Evangelium 28,19, in dem es u.a. lautet:

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Eine allzu deutliche Aufforderung, die sich daher Missionare zu eigen machten, um den christlichen Glauben in die Welt zu tragen, denken wir an Francisco Pizarro, der in Südamerika wütete, die Inka abschlachten ließ, an die Vertreibung der Indianer in Nordamerika, an weite Teile Afrikas, – in Nordafrika setzte sich komplett der Islam durch – an Australien und Neuseeland. Nur in Asien gelang es ihnen nicht, außer daß die Russisch-Orthoxe Kirche sich etablierte, ansonsten 230 bis 500 Millionen Buddhisten und rund eine Milliarde Hinduisten zusammen mit anderen Religionen den größten Teil ausmachen.

Leid oder Segen im Zuge der Missionen?

Man stelle sich einfach mal vor, es hätte keinen missionarischen Eifer der Christen gegeben. Dann wäre der Welt im Laufe der Jahrhunderte viel Leid erspart geblieben. Es macht nur wenig Sinn, das Rad der Zeit gedanklich zurückzudrehen, so werden auch segensreiche Einflüsse nicht die negativen Folgen mildern können. Die Nachwelt hat genug mit den immer noch vorhanden verkrusteten Dogmen des Christentums und somit dessen geistige Haltung zu kämpfen, aus denen so manche Vorurteile sich manifestieren konnten, wenn wir auch an weltweite Schwulenhetze denken.

So stimmten die USA gemeinsam mit 12 anderen Ländern gegen eine UN-Resolution, in der die Todesstrafe gegen Homosexuelle verurteilt wurde, unter Trump nicht wirklich verwunderlich. Ausgerechnet aus dem Land des Puritanismus, den USA, wo er am sorgfältigsten gepflegt wurde, setzte sich eine strikte Moralvorstellung durch, der sich alles unterzuordnen hat. Die Nation, die einerseits mit grenzenloser Freiheit wirbt, dessen erster Präsident das Wesen der Demokratie mit erschuf, trägt dazu bei, daß tunlichst christliche Moralvorstellungen gefälligst global angewandt werden.

Daher nicht verwunderlich, daß der US-Amerikaner George Verwer nach der Verteilung des Johannes-Evangeliums in Mexiko 1957 die Operation Mobilisation (OM) gründete, eine NGO, dessen Zielsetzung bedeutet, junge Menschen vom christlichen Glauben zu überzeugen. Dabei benutzte die OM inzwischen drei ausrangierte Ozean-Riesen als schwimmende Mission mit Büchermarkt, Konferenz-, Kultur- und Hilfszentrum, die Logos (1978-1988), die Doulos (1977-2010) und die Logos II (1988-2008), ab 2009 übernahm die Logos Hope. Was vordergründig als weltweit größte schwimmende deutsche Bücherei angepriesen wird, dient in Wirklichkeit, den Menschen das Christentum näherzubringen, folglich ein deutlicher Missionsauftrag.

„Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.“ (Kurt Tucholsky)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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2 Antworten zu Christentum: Missionieren im Namen des Herrn

  1. Sofie Lehmann schreibt:

    Danke für diesen qualifizierten und differenzierten Artikel.
    Vor allen Dingen, dass die Bibel erst sehr spät geschrieben wurde von Menschen, die nur Legenden und Märchen widergeben konnten, ist, so meine ich, wenig bekannt.
    Als mein Exmann Anfang der 90er Jahre vergleichende Religionswissenschaft studierte, hieß es dort, es gebe keinen einzigen Beweis dafür, dass Jesus gelebt habe.

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  2. Tom. E. schreibt:

    Was hat der liebe Gott und sein Sohn Jesus Christus mit Religion zu schaffen? Nix. Religionen sind von Menschen erfundene, rituelle Kulte. Das Christentum wurde auch nicht durch Christus gegründet, sondern durch Simon Magus, den Zauberer, und seiner Hure, die er im Schlepptau hatte. Siehe Apostelgeschichte. Und in Religionswissenschaften wird man das Wesen, den Charakter und den Heilsplan Gottes nie verstehen lernen. Wer glaubt, oder annimmt, dass er mit seinem bescheidenen menschlichen Verstand, egal wie hoch gebildet, Gott oder den Gottessohn erklären oder gar als existent oder nicht, beweisen kann, wird die Wahrheit niemals erkennen können. Und ich weiss wovon ich rede. Es ist absurd, die Quelle allen Lebens als nicht existent zu bezeichnen. Was weiss das Töpfergeschirr vom Töpfer? Was weiss die blinde Menschheit von einer geistigen Dimension, die so gewaltig ist, das es einem den Atem rauben kann. Wer hat die Natur des Menschen geschaffen? Weshalb sind wir so wie wir sind und handeln stets in grosser Unvernunft? War es ein Fehler in der Schöpfung? Keineswegs. Es ist auch kein Wunder, dass wir bis heute dumm geblieben sind. Denn die grösste Weltkirche der Namenschristen hat seit tausenden Jahren die Geschichte geschrieben, das Wissen und die Wissenschaften kontrolliert und monopolisiert und eine katastrophale Irrlehre als Christentum gelehrt. Ausserdem ist sie für 50 Millionen und mehr Morde verantwortlich, an Gläubigen, die ihren Scheissdreck nicht annehmen wollten. Doch es kommt noch die Zeit, wo viele Menschen die Wahrheit erkennen werden. Leider wird der Grossteil wie immer nach kurzer Zeit wieder einschlafen. Aber das spielt keine Rolle. Wir sind dann nichts weiter als sterbliche Existenzen. Und da hilft auch keine Reinkarnationslehre mehr. Die Wahrheit ist ein kostbares Gut. Und man findet sie nur durch grosse Anstrengungen. Und wenn man sie einmal gefunden hat, dann muss man sie behüten und pflegen, sonst wird sie ganz schnell verwässert und mit Kompromissen verseucht. Ich erwarte auf diesen Kommentar keinen Zuspruch. Aber wenn nur Einer beginnt, genauer nachzudenken, dann hat sich die Zeit fürs Schreiben gelohnt.

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