Aktiver Naturschutz: Carl Wengleins Erbe hinterläßt Spuren


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Wikimedia Commons CC BY 3.0

Vom Nadelfabrikanten zur Naturschutzgebung

Die Dörfer sind wie ausgestorben, kaum noch sieht man Kinder auf den Straßen, in den Wiesen, auf den Bäumen, selbst angelegte Spielplätze zeigen sich verwaist. All das nur noch als Zeichen einer Gesellschaft hinter Spielkonsolen oder PCs? Es liegt immer an uns selbst, was wir für nötig und richtig halten oder nicht. Der Mensch sollte begreifen, daß er weiterhin Bestandteil der Natur ist, auch wenn er sie sich gnadenlos zu eigen macht.

Der im Jahre 1882 in Nürnberg geborene Carl Wenglein als Sohn des Nadelfabrikanten Heinrich Josef Wenglein übernahm nach dem Tod des Vaters als 27-Jähriger die Firma. Durch den Erwerb des Herold-Werkes noch zu Heinrich Josef Wengleins Lebzeiten, vereinigte Carl beide Fabriken zu den H. J. Wengleins Norica- und Heroldwerken, Nürnberg-Schwabacher Nadelfabriken GmbH. Die Herstellung belief sich auf Strick-, Häkel-, Steck-, Näh- und Rouladennadeln bis hin zu Grammophonnadeln ab den 1920iger Jahren.

Mit der Idee eines Herolds, die Carl Wenglein werbewirksam verbreitete, setzte sein Siegeszug zur weltweit bekannten Grammophon-Nadel Maßstäbe, wobei natürlich der Erfolg nicht ausblieb. Neben dem finanziellen Vermögen, welches er anhäufen konnte, erhielt er 1928 als Anerkennung vom bayrischen Staat den Titel eines Kommerzienrats.

Mit seinem Erfolg setzte er seine Liebe zur Natur unerschrocken um

Doch Carl Wenglein gab sich mit seinem Erfolg keineswegs zufrieden, sondern erschuf wohl eines der bedeutendsten und ersten Naturschutzparks Deutschlands unmittelbar bei Eschenbach, 8 km östlich von Hersbruck im fränkischen Bayern. Aber nicht nur der nach ihm benannte Wengleinpark entstand noch in den 1920iger Jahren, sondern auch 1931 der Weltbund für Natur- und Vogelschutz. Sein Bestreben lag darin, eine einheitliche Natur-schutzgesetzgebung für alle europäischen Länder zu erreichen.

Das Netz flächendeckender, geschützter Rückzugsräume nach dem heutigen Trittstein-Konzept war ebenso eine herausragende Idee im Sinne des Naturschutzes, die Carl Weng-lein der Welt hinterließ. Sein familiär persönliches Schicksal war vom frühen Tod der Tochter getrübt, sie verstarb viel zu jung im Alter von 21 Jahren. Carl Wenglein selbst starb 1935, seine Frau überlebte ihn noch 37 Jahre lang, hatte aber als Witwe infolge des Niedergangs der Firma kein schönes Ende, verstarb daher völlig verarmt.

Zum aktiven Naturschutz gehört sehr viel Engagement und Öffentlichkeits-arbeit

Was können die nachfolgenden Generationen mitnehmen von solch couragierten Pio-nieren im Naturschutz wie Carl Wenglein? Zunächst sehr naheliegend können sie den Wengleinpark selbst aufsuchen, ihn bewundern, die Magie einer gewachsenen Oase für Tiere und Pflanzen bestaunen. Und wer sich im Naturschutz engagieren will, kann dies auch ohne großen Aufwand leisten. Was spricht dagegen, den Kontakt zu Schulen, insbesondere zu Grundschulen zu suchen?

Wir alle wissen, wenn wir uns die Unterrichtsvorgaben genauer betrachten, wie langweilig oftmals Biologie-Unterricht gestaltet wird – das muß so nicht sein, viel eindrucksvoller als jedes Buch ist doch Anschauungsunterricht vor Ort, also in der Natur selbst. Wir müssen schon den Kindern die Natur direkt vermitteln, und was kann da näher liegen, als wenn diese sie im wahrsten Sinne begreifen lernen, einen Frosch mal streicheln, Tiere und Pflanzen mit allen Sinnen live erleben? Natürlich kann das nur mit viel persönlicher, ehrenamtlicher Eigeninitiative funktionieren, weil Staat ohnehin begrenzte Mittel zur Verfügung stellt.

Doch wenn sich Eltern zusammentun, es können durchaus auch Nichteltern sich finden lassen, die beherzt beispielsweise Vogelstimmenexkursionen, Kräuterwanderungen, das Zeigen eines richtigen Baumschnittes oder Gärtnern mit der Natur organisieren, den Schülern mit den Lehrern als Bestandteil zum Biologie- oder Sachkundeunterricht, dann ist auch das ein herrlicher Gewinn im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit. Denn die Kinder von heute können und dürfen durchaus die Naturschützer von morgen sein. Wenn nicht sie es sind, wer dann? Das Wissen zu den genannten Themen läßt sich oftmals mithilfe von Experten und Büchern aber auch guten Dokumentarfilmen aneignen.

Wichtig dabei und im Vordergrund aller Überlegungen sollte stets der Gedanke des Naturschutzes sein, denn ihm gilt die volle Aufmerksamkeit. Und weil wir Menschen unsere Verantwortung ihm gegenüber zu tragen haben, diese nicht allein anderen über-lassen sollten, kann jeder von uns ein Stückweit dazu beitragen, daß er auch Anwendung findet.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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