Jemandem etwas angenehm machen


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Dienlich sein eine Art Unterwürfigkeit

„Schatz, warum liebst du mich?“ Nicht wenigen ist diese Frage bekannt und oftmals äußerst schwierig in der Beantwortung. Sagen sie, weil ich dir etwas angenehm mache, so wird wahrscheinlich der Fragende enttäuscht sein, aber genau dies bedeutet „lieben“.

lieben, mittelhochdeutsch lieben, althochdeutsch liuben, -ōn, -ēn, jemandem etwas angenehm machen. (Duden)Synonyme sind, anbeten, gernhaben, vergöttern, zugetan sein, anhimmeln, mögen.

Wahrscheinlich ist mit „lieben“, jemandem etwas angenehm machen, in seiner Ursprungsaussage nicht unbedingt die Liebe zwischen Partnern gemeint, vermutlich bezog sich „lieben“ auf die Liebe zu einem Kind. Das ist allerdings die Meinung der Schreiberin und nicht allgemeingültig, noch wissenschaftlich, sprachwissenschaftlich belegt.

Ohne weiteres kann, „jemanden etwas angenehm machen“, auch bedeuten, jemanden dienlich zu sein, das wiederum den Beigeschmack von niedrigem Dienst jemanden gegenüber trägt und eher wenig mit Liebe zu tun hat, sondern mit einer Art Unterwürfigkeit. Das „angenehm machen“ für ein Baby ist eine Tätigkeit ohne Gegenleistungsforderung, ein Entbehren ohne Verzicht auf eigene Belange.

Oft dürfen und durften gerade Frauen die Erfahrung machen, sie seien verpflichtet ihrem Partner, Mann gegenüber, alles zu seiner Zufriedenheit zu leisten, damit es ihm gut geht. Im Gegenzug dürfen und durften Frauen seinen Schutz genießen. Eine einseitige Sicht für lieben, angenehm machen, oder?

Egal in wie viele Kategorien Liebe aufgenommen wird, ob man sie Selbstliebe, Nächstenliebe, Partnerliebe, Gottesliebe und noch etliche mehr nennt, sie ist überall ein „angenehm machen“, das man gern macht.

gern, mittelhochdeutsch gerne, althochdeutsch gerno, Adverb zu gern, eifrig, ursprünglich, begehrend, verlangend; vgl. Gier (Duden) andere Begriffe sind, bereitwillig, freudig, anstandslos, widerspruchslos.

Die Stärke der Liebe kann man am besten mit dem Adverb gern beschreiben, wenn man weiß, daß gern und Gier miteinander sprachverwandt sind. Begierde, Unersättlichkeit, Verlangen, Begehrlichkeit, Wollust, sind Umschreibungen von Gier. Aber auch Habsucht, Raffgier.

Habsucht und Raffgier sind übersteigerte „angenehm Macher“. Sie sind verlangende Liebe, die man eifrig begehrt. Auch hier macht man es jemanden bequem, weil man es gern macht, mit dem Unterschied, daß es nicht aus Entbehren ohne Verzicht geschieht, sondern aus Begehren, des Begehrens (jemanden etwas angenehm machen) willen.

Jemanden lieben, ihm etwas angenehm machen bedeutet nicht, ständig vor jemanden auf die Füße fallen und für ihn jedes Stück Holz aus dem Feuer holen, jeden Krümmel zu beseitigen, ständig nur sein Glück vor Augen zu haben. Wäre dies so, würde „lieben“ Aufopferung, völlige Selbstaufgabe bedeuten. Das kann ein wirklich Liebender nicht als Antwort auf seine Frage; „Warum liebst du mich?“ hören wollen. Schon eher hört er oder sie gern, du kannst so wunderschon lachen, du besitzt Charakterstärke, du gibst mir das Gefühl, nicht alleine zu sein, mit dir kann man Pferde stehlen oder was auch immer, es darf ruhig auch romantischer, herzlicher, ironischer klingen. Jemanden etwas bequem machen, kann so einfach sein, finden sie nicht auch?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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