Trumpelstilzchen entfleucht aus Teufels Hölle


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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Was haben Politik und Märchen gemeinsam? Sicherlich einen unterhaltsamen Wert, eine gewisse Spannung, viel Unwahrscheinliches dazugedichtet, also ziemlich übertrieben, während die einen mit, „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“, enden können, schaut’s bei der Politik ein wenig anders aus, sie glänzt vor Unvermögen, hintergeht fortlaufend das Volk, obwohl von jenem selbst gewählt.

Welch Paradoxum, dennoch ein geduldet, gewöhnlicher Vorgang, dem sich die Menschen einfach beugen. Insofern keineswegs verwunderlich, daß ein Trumpelstilzchen aus Teufels Hölle entfleucht, um direkt genügend Anhänger zu finden, die es obendrein als ersten Mann im Staate wählen, zum Präsidenten der Nation, die meint, sie könne die Weltherrschaft an sich reißen.

Dabei nützt all den hintersinnigen Figuren, die sich ungern nach außen zu erkennen geben, das plumpe, kriminell narzißtische Verhalten jenes Trumpelstilzchen, um dieses nach Gutdünken schalten und walten zu lassen. Wie neulich, als zwei europäische Staatenführer es in dessen Regierungsresidenz aufsuchten, um es an eine gute Zusammenarbeit mit poor old Europe zu erinnern. Doch die Neue Welt hat kein Interesse mehr an jene alten Seilschaften, selbst wenn manche noch fest dran glauben.

Längst sind andere Prioritäten gesetzt, auf lange Sicht geplant. Nur wehe dem, der sich dabei nicht an Brechts Zeilen erinnert, die besagen, daß Pläne ohnehin nicht wirklich helfen, am Ende es anders kommt, als man denkt. Mit dem Verstand hat’s aber Trumpelstilzchen sowieso nicht gerade, dann lieber vor laufenden Kameras tönen, die Medien verunglimpfen und twittern, was das Zeug hält. Das befriedigt offensichtlich, während die Öffentlichkeit erstaunt oder es gar bewundert. Erstere seine Kritiker, zweitere dessen rechtsradikalen Anhänger. Das entspricht dem Wesen des Fanatismus, bloß nichts hinterfragen, stets treudoof nicken.

Was bedeuten jene zunächst schaurigen Aussichten? Ganz einfach, Trumpelstilzchen ist das ideale Opfer, um die Neue Welt zu isolieren, ob nun mit einem gigantischen Feuerwerk per weltweiten Atomkrieg oder der Zerschlagung des eigenen Landes, wenn die Wirtschaft zusammenbricht, weil andere Supermächte cleverer agieren. Die einen dünken sich in Walhalla, andere bei Allah selbst, viele befürchten eine Apokalypse oder sehen Jesus zurückkehren. Faktisch erschafft Mensch sich seine eigene Hölle.

Ob’s verstandesmäßig ausreicht, daß jenes Trumpelstilzchen nicht vom Regen in die Traufe gelangt, darf bezweifelt werden. Derartige Wesen kehren niemals in sich, sondern verhalten sich stets ihrer Rolle entsprechend, aus der sie nicht mehr schlüpfen können. Bestes Rezept, sie noch für eine Weile auszuhalten: Die Vergangenheit ruhen lassen, erst recht die Zukunft. Nur im Hier und Jetzt mögen wir den Unterschied zwischen Märchen oder Politik nicht nur begreifen, sondern deutlich letztere lenken, wenn wir dies auch beherzt umsetzen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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