Per se perfide


https://pixabay.com/de/freunde-ziele-der-weg-ist-das-ziel-1676098/

pixabay.com

Mittels Treue, Unfähigkeit sich seines Verstandes zu bedienen

Man kommt nicht umhin, dies Wort zu mögen, perfide. War es ansonsten eher ein Wort, das nicht oft im täglichen Sprachgebrauch Anwendung fand, so ist es inzwischen ein Begriff, der mehrmals täglich das beschreibt, was man empfindet, denkt, wenn rechtes, faschistoides Gedankengut versucht, sich politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich einen Weg zu bahnen, um Menschen auf seine Fährte zu locken.

Perfide, französisch perfide, lateinisch perfidus, wortbrüchig, treulos, eigentlich, über die Treue hinaus, jenseits der Treue, zu: per, durch und fides, Treue (Duden) Synonyme sind bösartig, gemein, heimtückisch, hinterhältig, schändlich, arglistig, schmählich, diabolisch, fies, infam, nichtswürdig.

Die Treue wird gerade in Gruppierungen, die sich ähnlich wie Kameradschaften zusammenfinden, als oberster Wert neben Ehre gestellt. Treue bedeutet ebenso Ergebenheit, Zuverläßigkeit, Hingabe, Loyalität. Sie wird oft in Verbindung mit Schwüren oder Eidabgabe erwähnt. Am Beispiel der Ehe soll sie einen unzerbrechlichen Bund darstellen, einen nicht mehr auflösbaren Zusammenhalt, bis der Tod euch scheidet. Treue soll zudem einen nicht verhandelbaren Bruch des Gelöbnisses voraussetzen, fast vergleichbar mit einem gordischen Knoten, einmal geknüpft, nie mehr entwirrbar.

Auch dann nicht, wenn Gewissensbisse und Reue plagen, weil man feststellt, daß seine Vorstellungen nicht mehr konform mit dem einmal geschlossenen Bund bestehen. Wer dies dennoch unternimmt, wird als wortbrüchig betitelt, noch die harmlose Ausdrucksweise, diese Menschen gelten bösartig, gemein, nichtswürdig und haben in kriminellen Kreisen möglichweise damit ihr Todesurteil selbst ausgesprochen.

Durch Treue verbunden, eine Sicherheitsvariante für das allgemeine Leben und darüber hinaus, denn dies soll treu sein, ausdrücken oder wird zumindest so „verkauft“, wie es im idealisierten Fall im Roman von Alexandre Dumas Die drei Musketiere geschrieben steht: „Und jetzt, Freunde“, sagte d’Artagnan, ohne sich die Mühe zu machen, Porthos sein Verhalten zu erklären, „einer für alle, alle für einen! Das soll unser Wahlspruch sein, einverstanden?“

Durch Treue verbunden, per gleich durch, fides gleich Treue, perfide gleich treulos. Ein Widerspruch an sich, oder etwa doch nicht?

Per se, nein.

Per se, von selbst, aus sich heraus, lateinisch. (Duden) andere Begriffe sind automatisch, an sich, durch sich, für sich, von selbst, von allein.

Treue an und für sich ist solange mit positivem Aspekt zu sehen, solange ein freiwilliger, jederzeit abänderbarer Entschluß vorliegt. Sobald aber dieser Entschluß, nicht mehr umkehrbar ist, ist die Treue perfide. Sie unterdrückt die freie Entfaltung mit Drohungen, Ängsten und wird zur Zwangsgefolgschaft, in deren Verlauf Personen wider ihres Gewissens, Gedanken genötigt werden, Handlungen auszuführen, beizuwohnen, zu initiieren, die nicht mehr ihren Vorstellungen entsprechen.

Durch Anträge, Gesetze auf politischen Weisungen, auf wirtschaftliche Gebote und Verbote auf sozialer Ebene, die mittels einer Treue, zu was auch immer, aufgesetzt, festgesetzt werden, kann keine wirkliche Einheit geschlossen werden. Treue hat nur dann Bestand, wenn sie ständig hinterfragt und aus freier Entscheidung, ohne Vorteilsgenuß, Drohung, Ängste erneuert wird. Ansonsten ist die Treue perfide, per se, aus sich heraus.

Die perfiden, schändlichen, boshaften Schriften, Aussagen, die dem Zwecke dienen, Unfrieden, Ängste zu schüren, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, sind per se ein Zeichen von Heimtücke und Hinterhältigkeit und ein Beweis der Unfähigkeit, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Per se perfide

  1. ilhan schreibt:

    Querdenkende? Eher „schräg“! und nach 503 Worten frage ich mich: was will mir diese Kolumne sagen.

    Gefällt mir

    • hraban57 schreibt:

      Voll ins Schwarze getroffen, prima seitens der Kolumnistin. Oder sollte ich eher ins „Braune“ schreiben? Einerlei. Manche begreifen bereits, ohne ein Programm zu bemühen, wieviele Worte Texte beinhalten. Es kommt nämlich auf den wunderbar formulierten Sinn an, mitnichten auf „Geblubber“, ob etwas „schräg“ sei oder eben anders.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.