Eltern auf eine schwierige Probe gestellt


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Zwischen den Fronten einer familienfeindlichen Arbeitswelt

Immer einhundertprozentig präsent sein, in sämtlichen Lebenslagen, so erst recht beim Familienleben, die eigentliche Stütze und wichtigste Säule in Gesellschaften, ohne die sie überhaupt nicht funktionieren würden. Sind sich all jene dessen bewußt, die manchesmal verächtlich belächelnd auf sich sorgende Eltern herabblicken, während sie selbst eine scheinbar gewiße Freiheit genießen?

Dann gilt doch im günstigtsen Fall die Verantwortung für den Lebenspartner, somit kein Platz für Kinder vorhanden sein kann. Existieren da etwa falsch verstandene Ideale, die auf kontraproduktiven Kurs sich zwischen den Fronten einer familienfeindlichen Arbeitswelt bewegen?

Emanzipationskämpfe waren gestern – heute zählt nur noch der Erfolg

Alles richtet sich nach dem Habitus in einer materialistisch geprägten Welt. Kein Wunder, daß in dieser kaum Platz für Kinder, die, wenn vorhanden, am besten für eine Weile versorgt, abgeschoben und ruhig gestellt werden. Klingt ein wenig übertrieben, meinen Sie? Keineswegs, wenn wir uns offenen Auges Familien betrachten und vor allem die dahinter sich verbergenden Probleme und Ängste.

Längst müßte sich herumgesprochen haben, daß wir uns von manchen Erziehungsmodellen verabschieden sollten, sie taugen reichlich wenig in unserer schnellebigen Lebensweise, in der ohnehin kaum noch Platz fürs Entspannen vorhanden, sich alles nach den Vorgaben einer menschenfeindlichen Leistungsgesellschaft richtet.

Keine Sorge, hier soll nicht das umstrittene „Eva-Prinzip“ hochgehalten werden, welches Eva Hermann in ihrem gleichnamigen Buch zum Besten gab, obwohl man durchaus einer selbstgefälligen Klientel von „Vorzeige-Müttern“, wie z. B. einer Ursula von der Leyen, vorhalten muß, wie verlogen deren Weltbild vom Managen einer kinderreichen Familie und Beruf sich vereinbaren läßt. Ohne Moos nichts los, muß die direkte Antwort sein, mithilfe von Nanny, Putzfrau, Koch und Gärtner läßt sich vortrefflich alles organisieren, außer Frage.

Gerade in heutiger Arbeitswelt, in der derjenige sich durchsetzt, der am wenigsten durch Fehlzeiten aneckt, sich ellenbogenartig in höhere Positionen mobbt, wird infolgedessen kein Platz vorhanden sein für Familiensorgen. Bleibt somit die errungene Gleichberechtigung spätestens beim Kinderkriegen auf der Strecke, wenn Frau sich beugt und für Familie entscheidet, was einem Fernbleiben vom Job bedeutet? Das gilt übrigens dennoch für Hausmänner, wenn auch noch sehr selten.

Die völlig unterschätzte Arbeit des Haushalts und der Kindererziehung

Weiterhin gilt, daß Hausarbeit und Kindererziehung keine richtige Arbeit seien, manche meinen sogar, dies könne man nebenbei erledigen. Sicherlich gibt es technische Errungenschaften wie Spül- und Waschmaschine, aber einkaufen, putzen, kochen, Kinder betreuen, Kinderarzt aufsuchen, Hausaufgaben beaufsichtigen, erledigen sich nicht von allein. Mütter und Väter sind Seelentröster, Psychologen in sämtlichen Lebenslagen, während das andere Elternteil mit eigenem Beruf beschäftigt. Zwei völlig unterschiedliche Welten treffen in gemeinsamer Freizeit aufeinander. Wenn dann kein gegenseitiges Verständnis vorhanden, sind Spannungen und Streitereien vorprogrammiert.

Jedoch hängt alles mit allem zusammen. Wie können Familien harmonieren, wenn schon die Arbeitswelt von vornherein auf puren Leistungsdruck ausgerichtet, die Reallöhne nicht etwa angemessen steigen, sondern stagnieren und meist sinken? Am Ende soziale Verwahrlosung droht, obwohl manchesmal beide Elternteile arbeiten, Kinder sich selbst überlassen sind? Je höher der eigentliche Verdienst, desto eher kann wenigstens ein Elternteil zuhause sich den Kindern widmen, den Alltag managen. Das alte Rollenbild vergangener Jahrhunderte doch nicht so verkehrt, nur daß wir die Chance nutzen könnten, die Mutter arbeitet und der Vater sich um die Kinder und den Haushalt kümmert?

In der Praxis schwingt nach wie vor das Vorurteil vom „Weichei“, der versagt habe, wenn er auf dem Spielplatz auftaucht. Großväter genießen hingegen eine wesentlich größere Toleranz. Warum so verbohrt? Einerseits schreit Gesellschaft nach Gleichberechtigung, duldet sie aber nicht in den „alten Rollen“, um gleichzeitig Familien zu unterdrücken per Arbeitsmarktpolitik schlecht bezahlter Jobs.

Dieser Widerspruch verträgt sich eben keinesfalls, um Familien zu entlasten. In sofern muß nicht nur Familienpolitik selbst, sondern genauso wir alle daran wirken, um wegzukommen vom Moloch einer überbewerteten Leistungsgesellschaft, daher hin zu einem rücksichtsvollen, harmonischen Familienleben, in dem alle gleichwertig sein dürfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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