Islam-Debatte: Bassam Tibi rügt Seehofer und Merkel


Bloß den Populisten keinen Teppich ausrollen

Doch exakt in jene Falle tappen immer mehr Menschen, die nicht genauer hinschauen, sondern sich eher in längst überwunden geglaubte Debatten verstricken lassen, ganz ähnlich wie die uralte Frage, was denn zuerst da gewesen sei, das Huhn oder das Ei.

Man könnte vereinfacht jenen Vergleich anführen, ob jedoch dieser hilfreich sein wird, muß sich noch zeigen. Wenn der Islamforscher Bassam Tibi Merkel und Seehofer eine „bemerkenswerte Ignoranz“ attestiert, dann mag das seine Meinung widerspiegeln, allerdings keineswegs hilfreich sein, sondern den Populismus viel eher bestärken, obendrein der Neuen Rechten eine willkommene Gelegenheit bieten, erst recht ihren Haß unters Volk zu streuen.

Die Mär von Parallelgesellschaften führt uns nicht weiter

Ganz im Gegenteil, sie sorgt für gezielte Provokation, die die Gesellschaft spalten will. Seit 9/11 wird auch hierzulande der Islamismus instrumentalisiert, die Integration von muslimisch Gläubigen erneut in Frage gestellt, was natürlich Unsinn ist. Inwiefern tatsächlich ein friedlicher Islam benutzt wird, um abzulenken, beschreibt Yavuz Özoguz im Interview, welches Querdenkende mit ihm vor gut zwei Jahren führte. Der angelsächsische räuberische Finanzkapitalismus demnach mit ein Grundübel für all die Kriege bis hinein in Stimmungsmache auch hierzulande, statt endlich den Überreichtum zu beenden?

Aber ein Politikwissenschaftler wie Bassam Tibi zieht es vor, Parallelgesellschaften ins Spiel zu bringen, prägt eine „europäische Leitkultur“, stellt die Integration von Migranten in Frage. Sicherlich, wenn Staat und Religion nicht konsequent getrennt, entsteht zwangsläufig Konfliktpotential, wie wir ihn ohne weiteres in Staaten, wo das nicht geschieht, erleben, beispielsweise darunter die Türkei, Saudi-Arabien oder der Iran.

Toleranz ab adsurdum führen?

Mit solch unsinnigen Behauptungen, wie eine multikulturelle Gesellschaft sei gescheitert, zementiert man natürlich die Toleranz ein, sind Abschottung und Nationalismus vorprogrammiert, bedeuten Wasser auf die Mühlen Rechtsradikaler. Religionen dienen immer noch als moderates Mittel zum Zweck der Unterdrückung, was ein Horst Seehofer selbst ausnutzt mit seiner Islam-Debatte.

Dessen Hineintragen des bayrischen Wahlkampfes, um dadurch AfD-Wähler im Freistaat zu vergraulen, führt mitnichten zum Ziel. Diese Klientel weiß dies geschickt für sich selbst auszunutzen, völlig berechtigt rügt der Grünen-Chef Robert Habeck, Seehofer möge aufhören, „Wahlkampf aus den Ministerien zu führen“, damit werde er seinem Amt als Innenminister keineswegs gerecht.

Diskussionen und die Auseinandersetzung mit Religionen sind durchaus wichtig, aber eine vorschnelle Diffamierung auf diese Weise keineswegs hilfreich, da sollten sich alle mal besser zurücknehmen, schließlich gibt es im Wesentlichen genügend Beispiele einer friedlichen Koexistenz untereinander. Populismus hat dabei gar nichts verloren, trägt explizit zu Haß und Unfrieden bei!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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