Analphabetismus auch hierzulande vorhanden


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Kaum Chancen für Lernbehinderte – Bildungs-system in der Kritik

Wenn Statistiken weltweit 862 Millionen Analphabeten aufführen, mögen viele hier-zulande mit der Schulter zucken, wissend, wie dramatisch da draußen in fernen Ländern beim Existenzkampf kaum sich Gedanken um eine Grundbildung gemacht werden kann, weil in erster Linie ein Überleben zunächst ansteht.

Daß Armut und kriegerische Auseinandersetzung zusammen mit ausbeuterischen Struk-turen entscheidend dazu beitragen, einen bestimmten Bildungsstand zu verhindern, sollte jedem dennoch einleuchten. Zwölf Prozent der Berufstätigen können nicht richtig lesen. Woran dies wohl liegen mag? Gibt es etwa in europäischen Gesellschaften kaum Chancen für Lernbehinderte, wobei zugleich das Bildungssystem selbst in der Kritik steht?

Elternliebe ein Grundstein – oberflächliche Betrachtung nicht hilfreich

Schnellschüsse helfen nicht wirklich, sondern viel eher eine klare Differenzierung. Und gerade deshalb sollten wir mit statistischen Zahlen äußerst vorsichtig sein, wenn die Rede von 7,5 Millionen Menschen ist, die kaum lesen und schreiben können. Zumindest muß darauf hingewiesen werden, daß in dieser großen Zahl der primäre, sekundäre und funk-tionale Analphabetismus enthalten ist. Kurzfristig angelegte Programme seitens der Bundesregierung taugen nicht viel, man darf gespannt sein, wie die neue Bundesregierung Johanna Wankas Beteuerung zum verstärkten Kampf gegen Analpha-betismus tatsächlich umsetzen wird.

Ganzheitliches Denken kann nur die Antwort sein, dabei schwingen auch ganz persönliche Erfahrungen mit, gerade was die ersten Jahre der Entwicklung vom Baby zum Kleinkind anbelangt. Die Geborgenheit zur Mutter oder den Eltern läßt das Kind intensiver und vor allem in vertrauter Umgebung unbefangener die Welt entdecken, so haben solche Kinder eine höhere Chance, Sprache zu erlernen als in Fremdbetreuung, die in einem Klima geteilter Liebe bei gleichzeitiger Distanz stattfindet. Elternliebe ein Grundstein, um späteren Analphabetismus zu verhindern? Das wäre zu simpel, aber sie gibt den Kindern schon einen großen Halt.

Wird Analphabetismus dennoch bagatellisiert? – Schulsystem auf dem Prüfstand

Obwohl nach aktuellen Untersuchungen der Nachweis erbracht wurde, daß Analpha-betismus zu einer erheblichen Behinderung der persönlichen und sozialen Integration des einzelnen Menschen führt, stimmt die deutsche Rechtsprechung dem nicht zu: Für sie gilt, Analphabetismus ist keine Form der Behinderung.

Angesichts der nach wie vor hohen Anzahl an Analphabeten muß sich auch unser Bildungssystem die Frage stellen lassen, was da wohl verkehrt läuft? Das Schulsystem, die zweite Instanz bei heranwachsenden Menschen, hat eine sehr hohe Verantwortung, allen gerecht zu werden. Da sich aber alles nach den Vorgaben einer leistungsorientierten Wirtschaft richtet, in der der Schwächere kaum bis gar keine Chance hat, Förderunterricht nicht flächendeckend stattfindet, brauchen wir uns über die Mißstände nicht zu wundern. Es bedarf daher eines ausführlichen Überdenkens, weil ansonsten das Problem weiterbesteht und die betroffenen Menschen sich selbst überlassen chancenlos bleiben.

„Non scholae sed vitae discimus.“ (Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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