Gewalt in der Erziehung latent vorhanden


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Eltern überfordert – gibt es überhaupt Alter-nativen?

Früher war alles anders, da habe ein Klaps, eine Ohrfeige, eine Tracht Prügel schließlich auch nichts geschadet, wenn sie denn gerechtfertigt war. Solche Sätze kann man des öfteren in Gesprächen mit Eltern der etwas älteren Generationen hören.

Doch wer entscheidet eigentlich, inwieweit dieses veraltete Erziehungsmodell gehen darf? Wie oft, wie hart und wie lange dürfen solche Erziehungsmaßnahmen stattfinden? Ganz einfach: Sie sind mit der Einführung des Gesetzes zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung seit dem Jahr 2000 in Deutschland schlichtweg verboten. Aber zwischen der gesetzlichen Vorschrift und der Praxis im Alltag gibt es nach wie vor genug Gesetzesbrüche in der Erziehung, sodaß weiterhin diese Fragen unbeantwortet bleiben.

Was lange währte, soll auf einmal einfach unterbunden sein?

Noch bis zu Beginn der 1970iger Jahre war es durchaus üblich, daß Schüler von Lehrern noch gezüchtigt wurden mit dem Rohrstock, Schlägen auf den Allerwertesten, bis hin sogar mit dem Gummi eines Scheibenwischers auf dem Hinterkopf. Seit 1973 wurde das Züchtigungsrecht für Lehrkräfte an Schulen untersagt, Bayern brauchte für dieses Verbot immerhin noch weitere zehn Jahre.

In diesem Zusammenhang sei auch angemerkt, daß die Unionsparteien dem Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung im übrigen nicht zugestimmt hatten. Dürfen wir davon ausgehen, daß die C-Parteien sich auf die Bibel berufen, auf Stellen sowohl im Alten als auch im Neuen Testament, bei denen die Züchtigung von Kindern sogar empfohlen wird? Aus dieser jahrhundertealten Tradition heraus hat sich folglich die Bestrafung per Gewalt in der Kindererziehung festigen können, die allerdings ebenso in anderen religiösen Kulturen Anwendung fand.

Der christliche Prediger Wilfried Pflock zeigt sich völlig unbeeindruckt und nicht im geringsten einsichtig, „Kinder schlagen im Namen Gottes“ predigt er sogar, hält Vorträge. Daher dürfte es nicht weiter verwunderlich sein, daß immer noch viele Eltern auch heute noch zuschlagen angesichts einer in der Gesellschaft noch verwurzelten Überzeugung, es könne als erzieherische Maßnahme wohl nicht schaden. Wann beginnt der Schaden tatsächlich? Wer hat das Recht, diesen einzuschätzen? Doch was sind die eigentlichen Ursachen dieser Hilflosigkeit der Eltern?

Gründe der erzieherischen Gewalt – Wege aus solchen Krisen

Wer seine Kinder schlägt, stellt im selben Moment seine Unfähigkeit unter Beweis, Konflikte nicht anders lösen zu können. Aber wer nach einer langen Zeit mühsamen Redens mit Engelszungen schließlich die Nerven verliert und per Ohrfeige, Schläge auf dem Po, seinen Kindern überdeutlich die Überschreitung der Geduldsgrenzen auf diese Weise verdeutlicht, hat die Ebene der physischen Gewalt erreicht. In der Regel scheint der Konflikt beendet zu sein. Doch genau das ist trügerisch.

Findet diese Form der Eskalation beim nächsten Mal unter selben oder ähnlichen Vorraussetzungen wieder statt, um schließlich sich als Muster einer erzieherischen Maßnahme zu festigen? Oftmals muß man dies leider bejahen, es geschieht genauso. Wenn Menschen, also Familien zusammenleben, sind immer Konflikte vorprogrammiert. Leben die Eltern selbst innerhalb ihrer Beziehung Gewalt als Mittel vor, brauchen wir uns nicht zu wundern, daß deren Kinder dasselbe Aggressionspotential aufnehmen und bei ihnen dann entsprechend erzieherisch stattfindet. Aber auch zu hohe Anforderungen, Unsicherheiten in der Erziehung selbst, was sich durch inkonsequentes Verhalten seitens der Eltern zeigt, keine klaren Absprachen, führen schnell zu Hilflosigkeit mit entsprechendem Ende zur Hemmschwelle der Gewaltausübung der Schutzbefohlenen.

Ein ganz entscheidender Punkt, der genannt werden muß: die Arbeitslosigkeit, die Zunahme der Armut. Es gibt durchaus belegte Zahlen, daß Gewalt in Familien im Zusammenhang des sozialen Standes viel eher stattfindet. Wer sorgenfrei seinen Alltag gestalten darf, hat es eben leichter, selbst wenn in den sogenannten Oberschichten keineswegs eine pazifistische Grundhaltung eingekehrt ist. Auch sie sind Menschen, die bei Überforderung reagieren.

Jedes Kind braucht von Beginn an sehr viel Zuwendung bei gleichzeitig aufgezeigten Grenzen und eine gewiße Kontrolle. Emotionale Kälte und eine inkonsequente Kontrolle in der Erziehung fördern viel eher das Aggressionsverhalten bei den Kindern selbst. Sehr mitentscheidend muß allerdings auch das Hineintragen von Gewalt in die Familien von außerhalb berücksichtigt werden, wenn man sich den Schulalltag genauer anschaut. Dort hat Gewalt generell erheblich zugenommen. Und nicht nur das. Ebenso müssen wir eine Bereitschaft der Gewaltzunahme in der Gesellschaft selbst feststellen, und das nicht nur wegen der Berichterstattung über sich häufende U- und S-Bahn-Vorfälle.

Letztlich nutzen gutgemeinte und durchaus berechtigte Gesetze, wie das der Ächtung von Gewalt in der Erziehung nur dann wirklich etwas, wenn die Gesellschaft selbst sich ändert, mit daran wirkt, politische Weichen der Entspannung in unserem gemeinsamen Zusammenleben zu fordern, sie somit humaner wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Gewalt in der Erziehung latent vorhanden

  1. Eurotanic schreibt:

    Die häufigste Todesursache von gesund geborenen Kleinkindern ist durch die Hand der Mutter. Heute noch.

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