Rente: Reformen zur Erhöhung der Altersgrenze


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Hauptsache malochen und rechtzeitig abtreten?

Der Weg ins soziale Abseits wird für all diejenigen eintreten, die heute schon im höheren Alter jenseits der Mitte 40 keinen Job mehr erhalten, weil die Wirtschaft hauptsächlich immer noch auf junge, dynamische Mitarbeiter setzt, die gleichzeitig viele Jahre Berufspraxis vorzuweisen haben.

Daß dies natürlich Nonsens ist, spielt keine Rolle, es wird dieses Vorurteil alten Menschen gegenüber bedient, wer jung ist, hat somit mehr Energie. Ein Riesenpotential an Berufserfahrung wird einfach ignoriert bei gleichzeitig höchst fragwürdiger Entscheidung mit dem neuen Renteneintrittsalter von 67, welches im Jahre 2029 dann greifen soll. So mancher alte Mensch erreicht dieses Alter nicht, was wiederum eine Entlastung für die Rentenkasse darstellt, solche Rechenmodelle können zynischer kaum noch sein.

Blick zurück in die historische Entwicklung

Im Jahre 1889 führten der Reichskanzler Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. die gesetzliche Rentenversicherung, das Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversorgung, zusammen mit anderen Sozialversicherungen ein. Allerdings war damals die Lebenserwartung noch nicht so hoch, sodaß bei der festgelegten Altersgrenze von 70 Jahren nur wenig Angestellte und Arbeiter in den Genuß dieser Versorgung kamen.

1916 wurde das Renteneintrittsalter auf 64 Jahre gesenkt. Plötzlich fand eine Verdoppelung der Rentenempfänger dadurch statt, wobei aufgrund des Ersten Weltkrieges die finanzielle Lage der Rentenversicherung verschärft wurde.

Mit der großen Rentenreform 1957 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde die Rente dynamisch der jeweiligen Lohnentwicklung angepaßt, damit im Alter ein gleichbleibender Lebensstandard gewährleistet war. Das Umlagemodell wurde beschlossen, welches kein Kapital mehr für die Renten aufbauen sollte. Das bis heute bestehende Umlageverfahren wurde 1968 eingeführt; dabei erhielten die Rentner direkt die Beiträge der arbeitenden Bevölkerung, ohne daß Rücklagen angespart wurden.

Schon vier Jahre später erfolgten diverse Zusätze, in dem Selbstständigen und Hausfrauen die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung angeboten wurde. Das Renteneintrittsalter für langjährig Versicherte wurde auf 63 Jahre abgesenkt. Während der Beitragssatz 1957 noch bei 14% lag, stieg er bis zum Jahre 1977 auf 18% an. Neun Jahre später rückte die Hinterbliebenenrente nach, sie stand Frauen und Männern in gleicher Höhe zu, der Beitragssatz erreichte 19%.

Mit einer tiefgreifenden Rentenreform im Jahre 1992 wurde das Renteneintrittsalter mal wieder auf 65 Jahre angehoben, da somit die Finanzierbarkeit des Rentensystems gewährleistet sein sollte. Gleichzeitig wurden die Renten entsprechend den Nettolöhnen angehoben, im Gegensatz zur früherer Regelung, der Beitragssatz wurde auf 2%-Punkte gesenkt.

2001 kam eine neue Variante der privaten Vorsorge ins Spiel: die „Riester-Rente“ mit staatlicher Förderung. Aufgrund der Verschärfung der finanziellen Lage der gesetzlichen Rentenversicherung wurde das Rentenniveau einfach gesenkt und der Beitragssatz auf 20% angehoben. Fünf Jahre später folgte eine erneute Reform, bei der das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben wurde.

Altersarmut nimmt ihren Lauf

So mancher CDU- und FDP-Politiker konnte sich nicht verkneifen, auch mal laut nachzudenken, um dabei die Rente mit 70 wieder ins Gespräch zu bringen.

Sicherlich, unsere Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, die Menschen werden tatsächlich älter. Aber die Frage, die sich hierbei stellt, werden sie auch in vollem Saft stehend, also sehr gesund strotzend älter? Dies darf und sollte völlig zurecht angezweifelt werden. Gleichzeitig gibt es bei dieser ganzen Renten-Misere noch eine zusätzliche nicht zu unterschätzende Belastung: der zunehmende Pflegnotstand.

Erneut kommt so auch die Altersarmut in den Fokus, wenn wir bedenken, daß die realen Arbeitslosenzahlen noch mit den Niedriglohnempfängern zu betrachten sind, weil all jene keinen wirklichen Beitrag in die Rentenversicherung einbezahlen, um dann im Alter weiterhin auf den Sozialstaat angewiesen zu sein, wenn die Renten weniger als das untere Existenzminimum beinhalten.

Es bleibt zu hoffen, daß ein Ruck durch die Gesellschaft geht, weil Politik allein diese Problematik nicht lösen kann und wird. Hierbei ist ein grundlegendes Umdenken vonnöten, wobei allen voran die Wirtschaftspolitik eine gänzlich neue Sichtweise erhalten muß, damit soziale Ungerechtigkeit sich nicht noch weiter verschärfen kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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Eine Antwort zu Rente: Reformen zur Erhöhung der Altersgrenze

  1. Hans-Peter Fischer schreibt:

    Am 19. März 2018 – Montag letzte Woche wurde ich 67 Jahre alt. Ich konnte es mir nicht verkneifen, Franz Müntefering anzuschreiben. Er hat ja die Rente mit 67 Jahren kreiert -und dies als SPD-Mann. Deshalb bin ich aus der SPD ausgetreten, nach über 30 Jahren. Ich hatte ein blaues Parteibuch. Eine Antwort ist nicht gekommen. Ihr Artikel hat den Nagel auf den Kopf getroffen -so ist es in der Realität,jung dynamisch erfolglos. Mit 63 am 1. September 2014 ging ich in Rente – ein Erfolg der SPD, sie hat den Kardinal-Fehler Rente mit 67 wieder eingesammelt. Meinen Copyshop betreibe ich auf selbständiger Basis, da die Rente aus fast 48 Jahren zum Leben nicht reicht. In einer Gold- und Silberscheideanstalt arbeitete ich von 1. Dezember 1966 bis zum 1. September 2014.

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