Balance lancieren


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Wer die Lanze schleudert, beendet das Thema

Hört sich einfach an, wenn man sagt, das Gleichgewicht fördern, aufbauen, favorisieren, oder? Menschen, die Krisen durchlebten, können sicher am besten darüber urteilen, wie leicht es über jedermanns Lippen kommt und wie schwer es ist, es zu erlangen. Das Gleichgewicht, die Balance. Oder auch die Ausgeglichenheit.

Nicht minder schwer ist die körperliche Balance, die bewundert wird, wenn man im Zirkus in der Manege sitzt und die Seiltänzer fasziniert beobachtet, bei Sportveranstaltungen die körperliche Leichtigkeit wahrnimmt bei den Geräteturnern, am Reck, auf dem Schwebebalken, am Barren, an den Ringen, oder den Freund beglückwünscht, als er es schaffte, einen Löffel oder einen Bleistift auf einer Fingerkuppe zu balancieren. Apropos Bleistift, dieses längliche Stück Holz, in dem eine Bleimine steckt, hat er nicht Ähnlichkeit mit einer Lanze?

Währenddessen Sie noch Vergleiche anstellen zwischen Bleistift und Lanze und was dies mit Balance und lancieren zu tun haben könnte, hier schon mal die Erklärung für

lancieren, französisch lancer, eigentlich schleudern (spät)lateinisch lanceare, die Lanze schwingen. In unserer Sprache kann lancieren mit folgenden Begriffen ersetzt werden, begünstigen, fördern, helfen, protegieren, aufbauen, verbreiten, rausbringen, powern, sponsern, unterstützen, favorisieren, managen. (Duden)

Lanze, mittelhochdeutsch lanze, (alt)französisch lance, lateinisch lancea. Aus einem langen Schaft und einer Spitze (aus Metall oder einem anderen harten Material) bestehende, für Stoß und Wurf bestimmte Waffe (Duden)

Sind Sie auch zu dem Ergebnis gekommen, daß ein Bleistift mehr oder weniger eine Lanze in Miniformat darstellen kann?

Die Wortherkunft von Balance ist im Gegensatz zu Lanze ein wenig spannender.

Balance, französisch balance, lateinisch bilanx (Genitiv: bilancis), zwei Waagschalen habend. Andere Begriffe sind, Gleichgewicht, Äquilibrium. (Duden)

balancieren, französisch balancer. Bedeutet so viel wie im Gleichgewicht halten, in der Balance halten. (Duden)

Unschwer herauszulesen ist unser Wort für Resultat oder Fazit, nämlich Bilanz, oder?

Bilanz, italienisch bilancio, Gleichgewicht (der Waage), bilanciare, abwägen; im Gleichgewicht halten, bilancia, Waage, über das Vulgärlateinische zu lateinisch bilanx, Balance. (Duden) Synonyme sind Kontoabschluß, Fazit, Resultat, Ergebnis.

Ein Kampf mit der Lanze und das Abwägen von Waren mittels einer Waage, um ein Gleichgewicht der Kräfte zu erkennen, ist demnach ein ähnliches Verfahren. Bei beiden Handlungen ist das Ziel, ein Ausgleich zu schaffen. Wobei der Kampf mit der Lanze nicht wirklich dazu geeignet ist, ein stabiles Gleichgewicht zu schaffen, sondern vielmehr als Bilanz, Ergebnis den Unterschied zwischen stark und schwach, Verlierer und Gewinner verdeutlichen soll. Zwar geht man beim Kauf von abgewogener Ware davon aus, daß die abgewogene Menge dem gegenwärtigen Kaufpreis entspricht, aber, sie wissen schon, auch hier ist Manipulation möglich, sei es, daß die Waage nicht richtig justiert ist, sei es, daß der Preis durch welche Argumente auch immer zu hoch angesetzt wurde. Also auch hier gibt es Verlierer und Gewinner.

Beim Lancieren ist es übrigens nicht anders als beim Balancieren mit Lanze und Waage. Denn lancieren bedeutet auch (bildungssprachlich) gezielt in die Öffentlichkeit gelangen lassen, (bildungssprachlich) durch geschickte Manipulation, durch Ausnutzen seiner Beziehungen o.Ä. fördern, in eine vorteilhafte Position bringen o Ä. (besonders Werbung, Wirtschaft, Politik) einer Sache durch gezielte Maßnahmen zu Anerkennung, Ansehen, Verbreitung verhelfen.(Jägersprache) einen Hirsch mit dem Schweißhund verfolgen, um ihn einem Schützen zuzutreiben (Militär veraltet) torpedieren. (Duden)

Ein Gleichgewicht zu erlangen, ist demnach nicht immer mittels eines fairen Kontextes zu bewerkstelligen, ob nun gewollt begünstigt oder unabsichtlich. Das ist in fast allen Lebensbereichen zu ersehen. Und weil dies, die Balance halten, das Gleichgewicht wiederherstellen, sich schwierig gestalten, zu viele „Störfaktoren“ mitschwingen können, auch unseren Altvorderen bekannt war, ist die Auseinandersetzung mit dem Äquilibrismus, scholastische Lehre vom Einfluss des Gleichgewichts der Motive auf die freie Willensentscheidung. (Duden) eine Grundvoraussetzung, um wenigstens in etwa eine gerechte Balance der Kräfte zu erhalten.

Motivieren die derzeitigen politischen Verantwortlichen eher zum Lancieren „(besonders Werbung, Wirtschaft, Politik) einer Sache durch gezielte Maßnahmen zu Anerkennung, Ansehen, Verbreitung verhelfen“ ihrer Positionen oder neigen sie zum Balancieren „im Gleichgewicht halten, in der Balance halten“? Die Bilanz, das Fazit ihrer Handlungen ist entweder Lanze oder Bleistift. Wer die Lanze schleudert, beendet das Thema nach dem Motto, das Recht gehört dem Stärkeren.

Wer mit dem Bleistift notiert, kann eine Differenz erkennen, und somit ist die Chance auf eine neue Abwägung des Themas gegeben. Die freie Willensentscheidung wird jedem zugestanden, demnach auch seine Motive, Beweggründe, wo er seine „Waren“, seine „geistige Einstellung“ balancieren läßt. Vielleicht sollte man gerade deshalb länger darüber nachdenken, für wen man eine Lanze bricht. (sich für jemanden einsetzen)

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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