Unsere Leistungsgesellschaft zwischen Verlierern und Gewinnern


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Trügerisches Geben und Schenken auf dem Prüf-stand

In der Nächstenliebe offenbart sich letztlich all unser eigentliches Sein in Bezug auf das reale Handeln untereinander. Wer ohne jedwede Hintergedanken oder Vorteils-erwägungen voller Herzensgüte geben kann, scheint nicht gänzlich dem ewigen Run nach Macht und Gewinn verfallen zu sein.

Doch solche Eindrücke gestalten sich äußerst trügerisch, bedenken wir dabei, daß der richtig Reiche dem Armen genommen und vorenthält, was diesem eigentlich zusteht, wenn da nicht die Gesetze des Stärkeren angewandt würden. Es reduziert sich auf offensichtlich zwischenmenschliches Handeln, wobei die interessante Frage auftaucht, wieso der eine reich beschenkt wird, während der andere verarmt stirbt.

Firmenpleiten, Handelskriege und Arbeitslosigkeit vorpro-grammiert

Wer mit genügend Selbstbewußtsein sowie mentaler Kraft sein eigenes Leben gestaltet und meistert, darf sich glücklich schätzen, auf der Siegerseite in unserer Leistungs-gesellschaft gut voranzukommen. Aber was geschieht mit all jenen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen versagen, dem Run nach Erfolg und Prestige nicht gewachsen?

Jeder Mensch reagiert halt auf seine eigene Weise, versucht sich selbst zurechtzufinden, wobei gnadenloser Konkurrenzkampf sehr entscheidend mit dazu beiträgt, „Verlierer“ zu erschaffen, die wiederum an den Rand dieser Gesellschaft gedrängt werden. Wer nicht dem Bild vom ewig strotzend Aktiven entspricht, somit aus der selbsterschaffenen Norm fällt, bleibt außen vor und hat es ziemlich schwer, zurück zu gelangen in den Kreis der Siegertypen.

Insofern muß natürlich unsere Leistungsgesellschaft sich der Frage stellen, warum im Ergebnis Verlierer erschaffen werden. Unabhängig davon, daß auf diese Weise ein ständig schwelender Unfrieden vorprogrammiert die vermeintlich Betuchteren dazu veranlaßt, ihren Reichtum zu schützen, zu bewahren und darüber hinaus sich neue Strategien zur Vermehrung einfallen lassen zu müssen. Die Folgen sollten hinlänglich bekannt sein, denken wir an Firmenpleiten, Handelskriege und Arbeitslosigkeit bis hin zur Verarmung weiter Teile der Bevölkerung.

Schenken im Widerspruch zur Absicht

„Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überfließend Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.“ So lautet es bei Lukas 6, Vers 38. Und schon schnappt die Falle zu, weil eine Bedingung geknüpft wurde: „…, so wird euch gegeben“. Da steckt eine eindeutige Erwartungshaltung dahinter. Muß das denn sein, darf man ruhig anmahnend formulieren!

Sicherlich diente das Schenken, ebenso bestimmte Gegner umzustimmen vor Kriegs-handlungen, auch wenn sie fast nie fruchteten, der Aggressor sich ohnehin per Gewalt nahm, was er für sich beanspruchte. Doch dieses gebende Schenken bietet ebenso Trost, wer kennt es nicht aus Kindertagen, als Willkommensgruß und somit Ausdruck der Freude, wenn wir Gäste erwarten bei Festen und Feierlichkeiten.

Was dennoch dabei mitschwingt, bleibt der Gedanke des Vorteils, der erhofft wird. Das Schenken somit doch in eine Schenkökonomie mündet wie Marcel Mauss sie formulierte, das Prinzip des Gebens als moralisch psycho-ökonomisch bewertet, welches den Zwangscharakter und dessen Schuldverursachung hervorruft?

Deutsche Gründlichkeit macht selbst bei Hartz-IV-Empfängern nicht Halt

Die soeben benannte Schuldverursachung beim Schenken selbst findet „hervorragende“ Anwendung bei der Umsetzung deutscher Gründlichkeit. Warum sollte man den Menschen, die ganz unten angekommen in der Gesellschaft, obendrein Geschenktes gönnen, wo kommen wir denn dahin? (Ironie aus)

Nein, Hartz-IV-Empfänger dürfen Geschenke von vornherein erst mal überhaupt nicht annehmen und wenn doch, dann haben sie das dem Amt gefälligst zu melden. Geldgeschenke unter 50 € gelten aber als Bagatellfall. Na, wie schön, daß hierbei noch nicht findige Pfennigfuchser, heute sollten sie eher als Cent-Fuchser bezeichnet werden, sich eingefunden haben, um den betrügenden Bedürftigen zu ertappen und zu sanktioneren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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