Nationalstolz alles andere als nur Identität


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Laßt den Menschen doch ihre Zugehörigkeit!

Identität ist ein Wortgebilde aus dem Lateinischen idem, derselbe. Der Begriff geistert zunehmend durch sämtliche Facetten des täglichen Zusammenseins. Sei es in Gesprächen, den Medien oder Diskussionsrunden. Das Wort wird zerpflückt, zerkaut, zerstückelt, kurzum, es wird mißbraucht.

Es wird für nationale, religiöse, kulturelle, sprachliche und sonst wie mögliche Rechtfertigungen für Übereinstimmung einer Sache oder Wesen benützt. Derselbe, genauso eins sein, geht das überhaupt? Warum wird es angestrebt, warum abgelehnt?

Nach der Geburt eines Kindes hören sie von den Eltern selbst, aber auch durch Verwandte und Bekannte: Er oder sie sieht aber dem oder der gleich. Das ist mehr oder weniger die erste Klassifizierung einer Identität. Dem Kind wird eine Zugehörigkeit zur Familie bescheinigt. Zeigt das Kind im Heranwachsen bestimmte Charaktere oder Verhaltungsmuster, so wird mit Sicherheit wiederum ein Bezug zu einem Verwandten gezogen.

Selbst im Kindergarten und in der Schule erfährt der Heranwachsende, daß er von Erziehern und Lehrern in Identitätsrollen gesteckt wird. Beim fließenden Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden fängt das Kind an, andere Identitäten zu suchen, es braucht eine Menge neuer Identitätsformen, um sein eigenes Ich zu festigen.

Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Heranwachsende durch seine Umwelt vielen Vergleichen unterzogen, um ihn im Spektrum des jeweiligen Aufenthaltsortes als gleich oder anders einzuordnen. Anhand der Erfahrungsmuster, das ihn bis jetzt für Übereinstimmungen oder Gegensätze geprägt hat, wird er selbst differenzieren, mit wem oder was er fähig und bereit ist, sich zu identifizieren.

Um Derselbe zu sein, seine Identität zu finden, bedarf es vieler Spektren, denn Identität besagt nicht hell und dunkel, sondern die Einheit von hell und dunkel und deren Schnittmengen. Dazu gehören alle Formen einer Identität, auch die sogenannte nationale Identität. Heimat, Herkunft komplett zu verleugnen oder herabzuwürdigen, führt zu einem Übereinstimmungsverlust. Um diesen Verlust zu kompensieren, werden sehr oft radikale Mittel angewandt, vergleichbar mit dem Entzug von Süchten. Der Süchtige wird je nach Grad seiner Abhängigkeit alles versuchen, weiterhin an seinen ihm verwehrten „Stoff“ zu kommen.

In diesem Artikel der Süddeutschen wird leider ein völlig falscher Schluß aus dem ansonsten sachlichen, geschichtlichen Hintergrund der Erklärung des Begriffes Nation gezogen. Natürlich ist der Auszug aus den universellen Menschenrechten: Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten und Würde geboren, ein dringend zu beachtender Aspekt im Zusammenleben. Aber diese Aussage ist solange Fiktion, bis sie selbst in Staaten, die sich demokratisch nennen, nicht zur Anwendung kommt. Dafür müßten sich nämlich die Verhältnisse im Miteinander ändern, und es dürfte keine Identifikation zur irgendeiner Zugehörigkeit eine Rolle spielen.

Identifikationen gänzlich abschaffen, käme einer maschinengesteuerten Gesellschaft gleich. Deshalb müßte das Fazit lauten, eine nationale Identität spiegelt die Herkunft des Einzelnen. Ist Deutschland eine Gesellschaft, die sich nur darüber spiegelt und keine Bereitschaft zum Austausch der kulturellen, sprachlichen, menschlichen Aspekte eines als Nation zusammengefaßten Staates zuläßt?

Dem kann man nicht zustimmen. Aber die Ablehnung des Zusammengehörigkeitsgefühls wird den „Nationalstolz“ fördern, nicht nur in Deutschland. Die in der Überschrift des Artikels der Süddeutschen erwähnte Affen-Oma wird bereitwillig erklären, daß alle ihre Nachfahren, wenn sie denn mehrere Kinder geboren hat, unterschiedliche Identitäten hatten.

Welche Beweggründe John F. Kennedy auch gehabt haben mag, als er am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg den jetzt als Zitat titulierten Satz aussprach: “Ich bin ein Berliner“, hat er jedenfalls eine Übereinstimmung, eine Identität vermittelt, die eine Verbundenheit ausdrückte. Und niemand hat ihm das verübelt! Identität, idem, derselbe, in Freundschaft verbunden, solange kein Volk, keine Wirtschaftsimperien, keine Privatleute, diese Identität ausschließlich für ihre Zwecke mißbrauchen. Was ist daran schlecht?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Diese Kolumne erschien bereits am 28. Dezember 2015  hier bei Querdenkende.
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