Viel Feind, viel Ehr


Keine Option für ein friedliches Miteinander

Großmäuler lieben diesen Spruch sehr. Und wie könnte es anders sein. Diese Redensart kommt aus dem Kriegswesen. Ritter Georg von Frundsberg (24.9.1473-20.8.1528), als Infanterietaktiker, Kriegsunternehmer und als Wahlspruchgeber von „Viel Feind, viel Ehr“ in den Geschichtsbüchern aufgeführt, hat unter Karl V. um die Vorherrschaft in Oberitalien gekämpft. Seit der Schlacht bei Creazzo (1513) wird er als Urheber dieser Redensart genannt.

Im heutigen Gebrauch wird dieser Spruch dafür verwendet, anzudeuten, wer es zu etwas gebracht hat, hat viele Neider. In der Kaiserzeit und den beiden Weltkriegen wurde dieser Spruch dafür verwendet, um Menschen gegeneinander auszuspielen.

Egal ob dieser Spruch geäußert wird im Zusammenhang, jemanden den Erfolg nicht zu gönnen, oder ob man es als vorteilhaft ansieht, möglichst viele Feindschaften für sich in Anspruch zu nehmen, um damit sein Ego aufzupolieren, sich dadurch Orden und Ehren zu verdienen, er ist auf fatale Weise unangebracht für ein friedliches Miteinander. Denn ist es wirklich begehrenswert, um sich herum Feinde und Neider zu sammeln, damit man sich von anderen abgrenzen kann, sich womöglich dann erst wohlfühlt?

„Nur Leute, die Größenwahn mit Selbstbewusstsein und Starrsinn mit Standhaftigkeit verwechseln, sehen die Nachteile durch die „Ehre“ ausgeglichen. Vernünftige Menschen dagegen pflegen gute Beziehungen zum Vorteil aller. Überhaupt wurde und wird das Ehrgefühl oft als Unterdrückungsinstrument missbraucht – von der früheren „Soldatenehre“ bis zum heutigen „Ehrenmord“. (Redensarten-index)

Dem vorigen Abschnitt ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Man sollte meinen, jeder vernünftige Mensch sehe das genauso und hat dies verinnerlicht. Dennoch wird gerade durch eine Minderheit, die auch noch vorgibt, Verantwortung für eine Gesellschaft übernehmen zu wollen, dieser Spruch sei das Hauptmerkmal ihrer Agitation, um sich Gehör zu verschaffen, um durch Brandreden im Brennpunkt zu stehen.

Wer früher unter vorgehaltener Hand, in Hinterzimmern, in den neuen Medien, durch Pseudonyme Gehässigkeiten gegenüber Mitmenschen, Gruppierungen verbreitet hat, der posaunt seit jüngerer Zeit gerne stolz mit seinem Klarnamen rassistische, faschistische Einstellungen von Podien, in Talkshows, durchs Netz und lauthals auf der Straße. Sie alle finden sich unheimlich großartig und bewundernswert, je mehr sie „Feinde“ und „Neider“ einsammeln. Dies garantiert ihnen zudem, von den „Oberen-Feindsammlern“ gesehen und gehört zu werden, schließlich erhofft man sich, wenn diese „Art des Umgangs“ hoffähig geworden ist, von der Kuchenverteilung (gesellschaftliche, wirtschaftliche Positionen) ein großes Stück abzubekommen.

Interessant ist, dabei zu beobachten, wenn diese „viel Feind, viel Ehr“- Sammlungen mal nicht den gewünschten Effekt erzielen, dann wird sofort eine Opferrolle „parodiert“, die das Verhalten entschuldigen, relativieren soll.

Übrigens wird bis heute Ritter Georg von Frundsberg Ehrungen zuteil. Man muß diese Erinnerungsfeste, Straßennamen, Büste in der Helden-Allee, Kasernennamen, Studentenverbindung, Tafelrunde in Schwaz, ja richtig gelesen Tafelrunde, nicht nur unter dem Blickwinkel einer Geschichtsepoche sehen, sondern auch in Hinblick auf ein fragwürdiges Heldentum.

„Drei Dinge“, so sein Resümee, „sollten jedermann vom Krieg abschrecken: Die Verderbung und Unterdrückung der armen, unschuldigen Leute, das unordentliche und sträfliche Leben der Kriegsknechte und die Undankbarkeit der Fürsten.“ (Wikipedia)

Kann man in diesem Resümee von Georg von Frundsberg die Einsicht erkennen, daß „Viel Feind, viel Ehr“ nicht dazu beiträgt, in einem friedlichen Konsens miteinander zu leben?

Schade, daß er und viele andere ihre Position im Leben nur dann mit Glück und Frieden gesegnet sahen oder sehen, wenn sie dafür andere erniedrigen, demütigen.

Gerne greife ich an dieser Stelle nochmal aufs „Redensarten-Index“ zurück, denn besser kann man den Unsinn der Aussage in diesem Ausspruch nicht kommentieren.

„Wer viele Freunde hat, bekommt viel Unterstützung. Wer dagegen viele Feinde hat, hat viele Probleme. So einfach ist das!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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