Münchner Sicherheitskonferenz: Europa soll aufrüsten


Von der Leyen gibt sich transatlantisch distanziert

Wer den Reden zur Eröffnung der 54. Münchner Sicherheitskonferenz gelauscht hat, wird ziemlich schnell feststellen, daß Europa in naher Zukunft einer Angriffswelle ausgesetzt sein wird. Hauptsächlich aus Russland, welches mal wieder herhalten muß, um einen neuen kalten Krieg zu rechtfertigen. Zwar betont Nato-Generalsektretär Jens Stoltenberg, dieser sei zu befürchten, aber in Wirklichkeit haben besonders die USA massivst dafür gesorgt, diesen wieder ins Leben zu rufen.

Man könnte es zwar simpelst als Antiamerikanismus abtun, dennoch stellt gerade ein Donald Trump anschaulich unter Beweis, wie unberechenbar gewiße Strategien des Hegemon im Verborgenen ausharren, um in entscheidenden Momenten in Krisen- und Kriegsgebieten sich einzumischen. Dies wiederum gleichwohl vor der Trump’schen Präsidentschaft. Seit der Münchner Sicherheitskonferenz des letzten Jahres hat sich bis heute die Lage nicht geändert: von Frieden keine Spur.

Seit wann hat militärisches mit Kultur etwas zu tun?

Möchte uns dabei jemand auf ihren Kurs einstimmen, wenn sie derartige Formulierungen in den Mund nimmt? Klar doch, kann man Strategie als Kultur werten, nur der Zweck heiligt längst nicht die Mittel, die mit höheren Rüstungsausgaben verbunden sein werden. Ursula von der Leyen geht in ihrer Rolle als Bundesverteidigungsministerin voll auf genauso wie ihre französische Kollegin Florence Parly. Beide unterstreichen den Willen, Europa unabhängiger machen zu wollen von den USA. Prinzipiell kein verkehrter Gedankengang, wenn er denn auch konsequent auf mehrere Bereiche Anwendung finden würde.

Zumal ein Donald Trump ohnehin sein Credo eines America first ständig betont. Der böse Russe im Osten bedroht das wehrlose Europa, man ist schnell dabei, Putins Annexion der Krim zu zitieren, obwohl der Maidan-Putsch dem vorausging. Eine tragische Pattsituation, zunächst vom Westen initiiert. So what? Hatte der russische Präsident eine gänzlich andere Wahl, als seelenruhig zuzuschauen, wie über die Krim ein strategischer Punkt der Nato sein Land erst recht bedrohen würde? Wohl kaum. Alles Gründe, die Nato erneut aufzurüsten als Abschreckung gegen Russland. Wie fadenscheinig und so simpelst durchschaubar!

Am Ende doch ein dritter Weltkrieg im Herzen Europas?

Folgt man der Argumentationskette jener Nato und ihren Verbündeten, schleicht sich schnell der Verdacht ein, daß am Ende eine militärische Auseinandersetzung mit dem „verhaßten Russland“ billigend in Kauf genommen wird. Obwohl ständig, ebenso wie bei einem Herrn Stoltenberg von Gesprächsbereitschaft mit dem europäischen Nachbar Russland die Rede ist. Welch Widerspruch, den „ausgemachten Feind“ im Visier, den man verlogen anlächelt.

Es mögen sich durchaus bestimmte Gestalten in den USA jetzt schon frohlockend die Hände reiben, wie vorschnell man die Europäer im Sack wähnt, sich auf jenes weitere Wettrüsten einzulassen, alles Indizien dafür, daß ein möglicher dritter Weltkrieg im Herzen Europas seinen Beginn haben kann. Nur im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg bliebe es nicht dabei: Am Ende wäre eine weltweite Zerstörungseskalation die Folge, Mensch selbst weitestgehend vernichtet. Mit einer Sicherheitskonferenz haben wir es augenscheinlich somit nicht zu tun. Die aufrichtigere Formulierung wäre: Strategische Militärkonferenz!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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