Wenn Witzbolde Blödsinn verzapfen


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Zappenduster oder Chancen rechtzeitiger Erkennt-nisse?

Wer kennt ihn nicht, den Menschenschlag, der ständig reden muß. Für manche ist es schlicht gesagt ein übermäßiges Mitteilungsbedürfnis, das sich darin äußert, der Redeschwall formiert sich vom hundertstel in millionstel von Teilaspekten eines Themas. Andere hingegen steigern sich so in ein Thema hinein, daß sie sozusagen aus einer Mücke einen Elefanten machen, bedeutet, ein an und für sich harmloses Thema wird aufgebauscht zur Katastrophe.

Unter diese Liste der Vielredner sind auch jene zu nennen, die nur deshalb reden, um im Mittelpunkt zu stehen, da wären zu nennen die sogenannten Witzbolde, die entweder sarkastisch oder mit dummen Bemerkungen ständig meinen, ein jedes Gespräch so umzuleiten, daß es schlußendlich sich nur noch um ihr Ego und ihre Witze dreht. Ein ähnliches Verhaltensmuster treibt auch diejenigen an, die mittels Blödsinn verzapfen, bewußt Stories erfinden, teilweise völlig abstruse Geschichten zum Besten geben, um damit ebenfalls ins Gesprächsrampenlicht zu fallen.

Bei den beiden ersten Mitteilungsbedürfnismenschen findet man über kurz oder lang eine Möglichkeit, entweder den Redeschwall zu bremsen, ihn abzukürzen oder entwickelt die Fähigkeit, seine Ohren zu verschließen, man hört einfach nicht mehr zu. Das ist zwar unhöflich, und sicherlich kann man dadurch auch wichtige Inhalte des Gespräches nicht mehr herausfiltern, trotzdem ist es nicht unbedingt ein Zeichen von Mißachtung des Gegenübers, eher ein Zeichen von das persönliche Maß ist voll, also ein Schutzfaktor der eigenen Befindlichkeit.

Natürlich ist auch bei den Witzbolden und Storytellern irgendwann das Maß voll, und man versucht auch hier, die oben genannten Methoden, um sich zu verschließen von so viel Witz, Blödsinn und Egoismus, aber dieser Versuch ist eher zum Scheitern verurteilt, weil diese Inhalte nicht dazu beitragen, selbst wenn man die Ohren verschlossen hält, das eigene Gemüt zu besänftigen. Kurzum, hier ist kein Halt bei „das Maß ist voll“, sondern hier ist „das Faß am Überlaufen“. Und aus der Unhöflichkeit wird ein Konfrontationskurs, denn irgendwie muß das „Wasser“ aus dem überlaufenden Faß „gebändigt“ werden, bevor es sich weiter verbreitet und alles überschwemmt.

Die Symbolik des „Blödsinn verzapfen“ ist übrigens, meiner Meinung nach eine sehr gute Metapher, die dazu dienlich ist, sich diesen Sachverhalt bildlich vorzustellen.

Zapfen, mittelhochdeutsch zapfe, althochdeutsch zapho, eigentlich, spitzer Holzpflock, der ein Loch verschließt und herausgezogen werden kann (Duden) Andere Begriffe sind Pfropfen, Stöpsel, Verschluß, Stopfen.

Verzapfen, (landschaftlich) direkt vom Fass ausschenken, (Fachsprache) durch Zapfen verbinden, umgangssprachlich abwertend) etwas Dummes, Unsinniges reden, tun (Duden) Andere Wörter sind ausschenken, eingießen.

Wir können demnach auch sagen Blödsinn ausschenken, oder? Hier bleibt es sich sprachlich gleich, ob wir von „verzapfen“ oder „“zapfen“ (abfüllen, entnehmen, ablassen) sprechen.

Kann man bei denjenigen, die vom Hundertstel ins Tausendstel sich hineinreden oder bei denjenigen, die aus einer Mücke einen Elefant machen, noch einigermaßen ruhig bleiben, so ist es bei den Witzbolden und Blödsinnverzapfern nicht so einfach, seine Contenance zu bewahren. Das mag darin begründet sein, daß hier ein vordergründiger Egoismus eine Rolle spielt, der es dem Gegenüber fast unmöglich macht, noch irgendwelche sachbezogenen Argumente oder Ergänzungen zu den Thematiken ins Gespräch einzufügen. So wird die Abwehr meistens nur noch darauf fixiert, sich gegen den Egomanen zu positionieren, was dann denn Effekt des Faß Überlaufens haben kann.

In diesem Zusammenhang sind die Begriffe „Zapfenstreich“ und „zappenduster“ ebenso adäquate Sinnbilder.

Zapfenstreich, eigentlich, Streich (Schlag) auf den Zapfen des Fasses als Zeichen dafür, dass der Ausschank beendet ist, dann: Begleitmusik dazu. (Duden) Anderer Begriff, Ende der Ausgehzeit.

Zappenduster, wohl eigentlich, so dunkel wie nach dem Zapfenstreich (Duden) Synonyme sind dunkel, finster, schwarz.

Vergleichbar bedeutet der Zapfenstreich „ausgerufen“, also der Ausschank als beendet erklärt ist, der Zapfen verschließt das Faß (Ohren verschließen), sodaß ein weiteres Ergießen gestoppt wird (dem Witz, dem Blödsinn nicht mehr zugehört wird), sinnbildlich gesehen.

Wenn man diesem Sinnbild folgend von „zappenduster“ (dunkel, schwarz), also Licht aus, Ruhe, weitersinniert, dann kann man, sollte keine Ruhe eintreten, zappelig werden, fahrig, hektisch, aufgeregt.

Und hier genau ist die Methode zu erkennen, die Menschen dazu veranlassen, trotz des Wissens um den Zapfenstreich, (der Punkt, der verdeutlicht, jetzt ist genug) weiter Blödsinn zu verbreiten, in dem Wissen anderen in der ersehnten Ruhe, Dunkelheit, (Licht aus) dazu zu verleiten, hektisch und nervös zu werden. Denn mittels einer fieberhaften Unruhe kann man fast jeden Menschen auf die Palme bringen, (Menschen gebärden sich wild, wenn sie aufgeregt sind).

Wer sich die Meinungsfreiheit unter diesen Gesichtspunkten, (Blödsinn verzapfen, egoistische Motive, Zapfenstreich nicht berücksichtigen) auf die Fahne schreibt, um Mitmenschen auf die Palme zu bringen, der ist weder an einer sachlichen Diskussion noch einem Smalltalk interessiert, der will seine egoistischen Ansichten loswerden, (Faß überlaufen), mit dem Ziel, Unruhe zu stiften. Diese Unruhe oder der Versuch das Wasser zu stoppen, wird als Einmischung in die Meinungsfreiheit deklariert, oder was besonders lachhaft zurzeit oft geäußert wird, als Angstzustand vor der überkommenden Macht des nationalen Gedankens.

Zu schön der Vergleich, auf die Palme bringen, oder etwa nicht? Hier oben hat man einen exzellenten Überblick über die Machenschaften derer, die sich um das Faß scharen, (Nationalismus) und unentwegt bemüht sind, aus diesem Faß eine nie endenwollende „Wahrheit“ herauszuschöpfen. Dumm nur, daß in jedem Faß nur ein gewiße Menge vorhanden sein kann. Witzbolde verzapfen gerne Blödsinn.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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