Dresden: Stadtrat setzt Bettelverbot durch


Nach unten treten – Sachsens Hauptstadt zeigt ihr wahres Gesicht

Schlimm genug, daß gerade in Sachsen der rechte Mob sich besonders ausbreiten darf, die Justiz als auch die Polizei oftmals einfach wegschaut. Kein Wunder, daß in Dresden eine Pegida sich dermaßen hartnäckig etablieren konnte. Somit darf man ebenso nicht in Erstaunen geraten, wenn „Saubermänner“ dafür sorgen, daß eine zunehmende Armut weniger sichtbar werden soll. Dresdens Stadtrat setzte kürzlich das Bettelverbot durch, hat das Betteln mit und von Kindern unter Strafe gestellt.

Was hierbei mit den Stimmen der beteiligten Parteien, der CDU, FDP, AfD und auch der SPD verordnet wurde, widerspricht jedweder sozialer Gerechtigkeit, verhöhnt die am Rand der Gesellschaft, denen oftmals das Betteln als letzte Überlebenschance dient. Diese Mehrheit des Stadtrats von Sachsens Hauptstadt zeigt somit ihr wahres Gesicht.

Bettellobby- und Change.org-Proteste blieben wirkungslos

Natürlich entstand im Vorfeld zu diesem Verbot genügend Widerstand, gleichwohl mit diesem Dresdner Stadtrat, der ein Kooperationsabkommen beschlossen hatte zwischen Linke, SPD, Grüne und den Piraten. Daß ausgerechnet die SPD bei jenem Bettelverbot ausscherte, spricht Bände, zeigt einmal mehr, welch „sozialen Verrat“ die älteste Partei Deutschlands ausübt.

Die Bettellobby verhinderte zwar das „Bettelverbot mit Hund“, Kinder finden ganz offensichtlich bei den betreffenden Parteien zum Verbotsbeschluß kein Gehör, konnte dennoch nicht genügend per Protest bewirken, genauso wie eine Change.org-Petition, die nicht einmal die 1.000 Stimmen erreichte. Auch ein Indiz dafür, daß in der Bevölkerung selbst viele sich lieber abwenden, anstatt beherzt die Not der Lage zu erkennen.

Eine derartige Politik begünstigt Ausgrenzung und Zunahme der Gewalt

Ob sich die beteiligten Parteien zu diesem Bettelverbot darüber auch im Klaren sind? Man muß es ihnen unterstellen, daß dem nicht so ist, bei der AfD ohnehin am ehesten, betrachtet man die bösartige, menschenverachtende Wortwahl bei etlichen Anlässen, die diese rechtsextreme Partei zum Besten gibt. Aber die anderen Parteien sind deshalb längst nicht entschuldigt.

Wer dermaßen verächtliche Gesetze ins Leben ruft, offenbart nicht nur Unmenschlichkeit selbst, sondern verkennt die Ursachen solcher Mißstände, an denen die Politik oftmals aktiv mitbeteiligt ist mit Blick auf den Arbeitsmarkt, Sozialabbau, Wohnungsnot und einer ohnehin zunehmenden Armut, eine friedliche Koexistenz ist somit mehr denn je gefährdet.

Heute Dresden, morgen andere Großstädte im Lande? Welche Maßnahmen per Gesetze und Verbote mögen einer solchen Politik noch einfallen, um Menschen auszugrenzen? Erinnerungen und Assoziationen an Silent Green glimmen auf. Wollen wir das wirklich zulassen? Ein weiter so in diese Richtung wäre äußerst fatal!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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4 Antworten zu Dresden: Stadtrat setzt Bettelverbot durch

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Sicher keine glückliche Entscheidung in diesen Zeiten, auch weil Dresden eine reiche Stadt ist oder gerade deswegen?

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  2. hraban57 schreibt:

    Wir wissen doch, wie Reichtum entsteht. Mittels Ausbeutung, dann dürfen die Verlierer nicht sichtbar sein, das stört wohl in den Augen der Verursacher. Schon schließt sich der Kreis und Deine Frage mit entsprechender Antwort, die Du gleich mitgeliefert hast, bestätigt sich.

    Gefällt 2 Personen

  3. Auberge Keur Diame schreibt:

    Du sagst es: Reichtum entsteht durch Ausbeutung. Bis vor kurzem waren die Auswirkungen dieser maßlosen Ausbeutung in Europa nicht sichtbar, es gab kein Internet, auch waren die „Armen“ weit weg, in Afrika, Asien oder sonstwo. Nun kriecht die Armut sichtbar auch nach Europa. Ich bin sicher, dass dies nur der Anfang ist.
    Außerdem, Betteln war schon immer verpönt. In welcher Epoche auch immer wurde das „Pack“ ausgegrenzt. Wer auf der Strasse war, war am Ende. In neuester Zeit, nur seit ein paar Jahrzehnten, gibt oder gab es in Europa ein sogenanntes Sozialsystem. So dass ein Mindesteinkommen gesichert war. Bei uns in der Schweiz war Betteln lange Zeit verboten. Das wurde erst seit ein paar wenigen Jahren aufgehoben.
    Ich lebe heute in einem Land, in dem es sehr viele Arme gibt. Bettler sind hier in Dakar an der Tagesordnung. Auch sehr viele Kinder sind als Bettler auf der Strasse. Meine Erfahrungen hier in Afrika lassen mich klar sagen, dass Kinder als Bettler auf der Strasse nichts zu suchen haben! Auch nicht in Begleitung Erwachsener. Ich sehe hier, wohin dies führen kann. Kinder bringen am meisten Geld ein. Sie werden daher missbraucht, ausgenutzt, oft auch verstümmelt um mehr Ertrag zu bringen. Es gibt junge Bettlerinnen, die leihen sich ein Baby, um mit ihm den ganzen Tag im Verkehr und in den Abgasen zu stehen. Usw. usw. Wie willst Du bei zunehmender Armut dies kontrollieren? Wir hier kämpfen darum, dass die Kinder endlich von der Strasse weg kommen, Ihr wollt sie auf die Strasse lassen? Ich verstehe zwar die Beweggründe, doch sollte es doch möglich sein diese Kinder in die Schule zu schicken? Wenn hier nichts gemacht wird, hat Europa bald Zustände wie wir hier in Afrika.
    Es ist alles so traurig! Trotzdem sollte sich Europa auf frühere Zeiten besinnen, davon lernen und nicht immer wieder dieselben Fehler machen.
    Soviel aus einer anderen Perspektive. 😀
    LG Mme Ruth

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    • hraban57 schreibt:

      Sicherlich, eine andere Perspektive ist Willkommen. Nur, da beißt sich die Katze in den Schwanz, was Du ja selbst am Schluß bestätigst: Europa sollte sich auf frühere Zeiten besinnen. Welche sollten dies denn sein? Die Zeiten, wo der Adel und Königshäuser erst recht Armut hervorriefen? Oder davor, als Familienclans durch die Lande zogen, es keinen Staat, kein Gesetz gab, aber ebenso Armut und Bettler? Solange die Menschheit diese Ausbeutung nicht wirklich beendet, ändert sich nichts. Auch nicht durch Verbote, gleichwohl in Afrika selbst nicht. Sind sie weg von der Straße, werden andere Wege ersonnen, sich das zu nehmen, was einem vorenthalten. Daß dadurch auch krimineller Energie Vorschub geleistet wird, liegt auf der Hand. Nicht zufällig schrieb ich im Artikel, daß die Politik aktiv an solchen Mißständen beteiligt ist. Folglich hat sie auch die Verantwortung zu übernehmen, mitnichten durch jenes Bettelverbot. Stimmt, es gibt leider diese Zustände, die Du beschreibst, daß Kinder be- und ausgenutzt werden, per organisierter Banden zu betteln. Nicht nur in Afrika, auch hierzulande, denkt man an rumänische Banden etc. Ausgrenzung begünstigt solches Verhalten. Insofern kann man duch ein Bettelverbot keine Armut kontrollieren, sie ist dann auf Straßen nicht mehr in dieser Form sichtbar, aber latent vorhanden verbleibt sie dennoch. Und nun?

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