Syrien-Krieg: Keine Friedensaussichten – das Gegenteil trifft zu


Die Supermächte beißen sich fest

Bald sieben Jahre währt dieser Krieg in Syrien, oftmals fälschlicherweise als Bürgerkrieg bezeichnet, obwohl zu viele Gruppierungen mit freundlicher Unterstützung etlicher interessierter Staaten sich austoben, sodaß ein regelrechter Run auf Assad als Befürworter oder Gegner die jeweilige Seite veranlaßt, sich einzumischen. Der IS ist weitestgehend im Lande besiegt, aber dieser Krieg wird einfach fortgeführt.

Hatte noch Wladimir Putin in Sotschi mit einer Syrien-Friedenskonferenz Innenpolitik mit Syrien gemacht, wurde sein Vorhaben herbe durchkreuzt. Sowohl die Türkei als auch die USA lehrten ihn eines Besseren: Keine Friedensaussichten – das Gegenteil trifft zu, wobei sich die beiden beteiligten Supermächte festbeißen in diesem Stellvertreterkrieg.

Wer das Öl kontrolliert, ist völlig offen

Natürlich läuft es auf die Ressource Öl hinaus, war doch von Beginn an klar, wieso die USA diesen Krieg gegen Assad mit anzettelten. Umso wichtiger für sie, sich nunmehr im Gebiet östlich des Euphrat in der Region Deir ez-Zor verstärkt zu beteiligen mit ihren jüngsten Luftangriffen, bei denen rund 100 Assad-Kämpfer ihr Leben ließen.

Nur steht auch die berechtigte Frage im Raum, warum die USA so gar nicht die von den Türken bedrohte YPG-Miliz im Norden Syriens schützen. In etwa weil Nato-Verbündete untereinander sich besser nicht in die Quere kommen? Selbst wenn dies allzu paradox sich widerspricht? Es schaut sehr danach aus. Man läßt Erdoğan einfach gewähren, obwohl dies ohne weiteres sich hinterher als Fehlentscheidung entpuppt. Die leidtragende Zivilbevölkerung nimmt man in Kauf. Wo greift dabei das Völkerrecht?

Reagiert jetzt Europa mit einem regierungsfähigen Deutschland?

Bis dahin hat Europa sich eher zurückgehalten, läßt die beiden Supermächte weitestgehend in Ruhe, mischt sich obendrein nicht belehrend ein, was auch zur Folge hat, daß Trumps USA unverblümt Assad drohen. Mit Macron in Frankreich und einer nunmehr handlungsfähigen Bundeskanzlerin könnte sich dies allerdings schon bald ändern, falls Europa meint, sich vehementer zu äußern.

Während die beiden größten Wirtschaftsnationen der EU Donald Trump mißtrauen, werden Gesprächsebenen mit Wladimir Putin gesucht, der sich als Friedensstifter in Syrien lieber sieht, auch im Hinblick zu seiner bevorstehenden Wiederwahl als Präsident. Politisches Taktieren ohne nennenswerte Änderung, was den Verlauf und neue Bedrohungsszenarien in Syrien anbelangt. Dabei geraten mal wieder die Menschen vor Ort ins Hintertreffen, sind die Leidtragenden. Ein Dilemma ohne Aussicht auf ein friedliches Ende.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Syrien-Krieg: Keine Friedensaussichten – das Gegenteil trifft zu

  1. gkazakou schreibt:

    ich finde nicht, dass man Russlands Anwesenheit in Syrien in einen Topf werfen kann mit der der US und der Türkei. Immerhin sind sie von der legalen Regierung eingeladen und kämpfen für den Erhalt des syrischen Staates. Das Gegenteil tun die US und die Türkei. Ihre dortige Anwesenheit ist völkerrechtswidrig und verlängert den Krieg zu Lasten der Bevölkerung.

    Gefällt mir

  2. hraban57 schreibt:

    Natürlich sollte man ziemlich genau differenzieren, was da im Einzelnen in Syrien geschieht. Ich denke, daß ich mitnichten Russland in einen Topf mit den USA sowie die Türkei geworfen habe. Sonst hätte ich dessen Friedenskonferenz eben nicht zitiert. Allerdings sollten wir in diesem Krieg nicht vergessen, daß sich die beiden Kontrahenten sehr wohl gegenüberstehen. Unbestreitbar wesentlich aggressiver die USA – aber Russland kommt nicht umhin, sich mit hineinziehen zu lassen, kann sich deshalb eben nicht „vornehm zurückhalten“, erst recht nicht mit den jüngsten Ereignissen Israels, schließlich spielt auch der Iran keine unschuldige Rolle – schnell können andere Szenarien aus dem Syrienkrieg heraufbeschworen werden. Selbstverständlich gilt es, den Erhalt Syriens zu fördern, aber dafür mischen immer mehr „Parteien“ mit, die diesen Krieg erst fördern – das ist das Dilemma.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.