Weitreichendes Erbe


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Die Sabine
erbte eine Suppenterrine.
Eigentlich war sie nicht die Erbin,
es war Ulla, ihre neue Nachbarin.

Ulla hat sich getrennt von ihrem Mann,
zog in eine Wohnung bei Sabine, nebenan.
Die Trennung ging nicht ohne Krach,
Fetzen flogen, nun war alles unter Dach und Fach.

Als Ulla das mit der Geliebten rausfand,
zertrümmerte sie fast den ganzen Hausstand.
Darunter war auch ein teures Geschirrset,
ihr versprochen von der Patentante am Sterbebett.

Ehe, Wohnung lagen in Scherben, die Terrine unversehrt,
Ulla hätte fast die Suppenschüssel mit weggekehrt.
Ein Überbleibsel aus guten Zeiten, ein Zeichen?
„Nein, Scherben bringen Glück, altes muß weichen.“

Kurz nach dem Umzug verschenkte sie die Terrine.
„Ich vererbe sie dir, bei mir ist sie fehl in der Vitrine.“
Natürlich stellt man sowas nicht in den Schrank,
dachte Sabine, die Nachbarin scheint ein wenig krank.

Sabine und Ulla trafen sich öfters im Hausflur,
irgendwann verabredeten sie sich zum Kaffee um vier Uhr.
In Sabines Wohnung war keine Suppenterrine zu sehen,
Ulla wagte zu fragen, was mit der Terrine geschehen.

„Eine Suppenterrine war dein Geschenk, wußt’ ich nicht, ach so,
die steht bei mir als Deko, dachte es ist ein Nachttopf, im Klo.“
„Eine Terrine hat einen Deckel, für den Schöpflöffel ein Loch.“
„Das hat mich verwundert, das Loch, denn so ein Abzug stinkt doch.“

Nafia

Kategorie: Gedichte

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