Wie man in den Wald hineinschreit


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„Schalldämmung“ ist Bestandteil des Christentums

Also ganz ehrlich, mir hat ein Wald noch nie geantwortet, wenn ich in ihn hineingeschrien habe. Auch innerhalb des Waldes bekam ich keine Antwort von ihm. Als ich hingegen auf einem Berg, ein richtiger Berg war das und kein Hügel, in die Gegend brüllte, brüllte ein Berg mein Geschreie zurück. Aus dem Schulunterricht wußte ich, das Brüllen des Berges nennt man Echo. Dieses Echo gibt nur das Gerufene wieder, deshalb können wir es auch mit dem Begriff Widerhall benennen.

Falls der Wald irgendwann etwas zu meinem Geschrei zu sagen hätte, so wäre dies nur mein eigenes Geschrei, das ich etwas leiser zu hören bekommen würde. Oder jemand würde sich einen Spaß erlauben und anstelle des Waldes reagieren, das wäre zwar dann kein Echo und kein Widerhall, sondern könnte als Widerrede tituliert werden. Wobei über die Lautstärke des Widerspruchs mehrere Varianten möglich wären.

Wer sich noch an seine Schulzeit in den ersten vier Jahrgangsstufen erinnern kann, womöglich unter Zuhilfenahme in der Nähe einer Grundschule zu leben oder eventuell in Hörweite davon sich ab und an aufzuhalten, wird diese Erinnerung leichter hervorkramen können und im Gegensatz zum jetzigen Empfinden der Lautstärke, die vom Schulhof erschallt, sicher sein, so laut waren wir nie. Immer wieder gibt es aufgrund des Lärmpegels von Kindern Rechtsstreitigkeiten, die aber in den letzten Jahren zunehmend zugunsten der Kinder ausfallen. Sprich, Kinder dürfen lärmen, obwohl bei Messungen zwischen 70 und 85 Dezibel gemessen werden, sogar zeitweise den Wert von 110 Dezibel erreichen können, immerhin die Lautstärke einer Kreissäge, Diskomusik oder einer Autohupe. Das Lärm krankmachende Folgen nach sich ziehen kann, sollte jedem inzwischen bewußt sein.

Eine erfolgreiche Methode den Lärm an Schulen und in Kindergärten zu verringern, ist und wäre ein Schallschutz. Kinder schreien, falls kein Schallschutz vorhanden ist, nämlich nicht in den Wald, sondern von einem Berg. Somit wird das Schreien durch Wände „zurückgeschrien“, was zur Folge hat, die Kinder werden lauter. Sie reagieren auf ihr Echo, und wenn eine größere Anzahl Kinder auf ihr Echo antworten, steigt automatisch der Lärmpegel. Sie sind in dem Moment zwischen Widerhall (Echo) und Widerrede (Widerspruch) „gefangen“ und dies nicht freiwillig.

Ähnlich sieht es aus, wenn jemand angeschrien wird, falls keine Gefahr vorliegt, vor der durch das Rufen gewarnt werden soll, wird der Angerufene entweder in derselben Lautstärke oder lauter zurückschreien. Er befindet sich in der gleichen Situation wie die Kinder auf dem Schulhof, nämlich zwischen Widerhall und Widerrede. Er gibt durch seine Lautstärke nur zurück, was er als Ton empfangen hat und reagiert dementsprechend gleich laut oder lauter darauf.

Wer des Öfteren hohen Dezibelzahlen ausgesetzt ist, wird diese Frequenz der empfangenen Töne weitergeben, weil er das zu erwartende Echo übertönen möchte, um gehört zu werden. Und er wird laut der Gesetzmäßigkeit des Echos nicht nur den Ton, sondern auch das Wort weitergeben. Widerhall und Widerspruch ergänzen sich genauso wie Echo und Widerrede.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, bezieht sich also nicht nur auf die Lautstärke sondern auch auf den Inhalt des Geäußerten. Oder wie du mir, so ich dir. Wie du mich behandelst, so behandle ich dich. Unhöflichkeit wird mit Unhöflichkeit beantwortet. Die Redewendung ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt und schriftlich durch den Dichter Freidank überliefert: „Swie man ze walde rüefet, dazselbe er wider güefet.“ (redensarten.de)

Sicher ist „Aug um Aug, Zahn um Zahn“ (Gleiches mit Gleichem vergelten) heute nicht mehr empfehlenswert und gehört eher der Vergangenheit an, weil inzwischen die Möglichkeiten der „Schalldämmung“ nicht nur auf bautechnischem Gebiet, sondern auch in der Kommunikationslehre Einzug gefunden haben.

Und an die „Retter des Abendlandes“, die „Heimatverliebten“ und „christliche Werte Verteidiger“, genau diese „Schalldämmung“ ist Bestandteil des Christentums. Bibelzitat aus dem Neuen Testament: „Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ (Mt 5,38 f.)

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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