Antibiotika: Resistenz keineswegs zufällig


https://pixabay.com/de/medizin-medizinisch-rezept-pille-1901819/

pixabay.com

Wer trägt eigentlich die Verantwortung?

Hektisches Treiben und lange Wartezeiten empfangen die kranken Patienten, wobei die eigentliche Sprechstunde in wenigen Minuten ihr Ende findet. Überfüllte Arztpraxen und das ganz besonders in den erkältungsstarken Monaten. Das bürokratische Prozedere beim Empfang kann zusammen mit überraschenden Unterbrechungen manchmal sogar die ärztliche Untersuchung zeitlich toppen, die Sprechstundenhilfe entpuppt sich als Multitasking-Talent, in dem sie den PC bedient, telephoniert und  etwas in eine Patientenkarteikarte handschriftlich vermerkt.

Mal ganz abgesehen von einigen Fehldiagnosen und somit einhergehend falscher Indikation, bis hin zur Verabreichung verkehrter Medikamente, wird mit hektischem Treiben auch mal schnell ein Antibiotikum verschrieben, wo genau das eben nicht angebracht wäre!

Vom Segen des Penicillins zum Allheilmittel bei geringsten Anlässen

Noch vor Alexander Fleming, dem „offiziellen“ Entdecker des Penicillins, war es der Arzt Paul Ehrlich, der 1910 Arsphenamin einführte, welches entscheidend dazu verhalf, die weit verbreitete Syphilis einzudämmen. Es sollten noch ein paar Jahrzehnte vergehen, bis es im Jahr 1942 endlich gelang, den ersten Patienten mit Penicillin zu behandeln, weil es problematisch war, den Stoff in nennenswerten Mengen zu isolieren. Inzwischen gelang es der Pharmaindustrie die anfänglichen Schimmelpilze für das Herstellen von Antibiotika durch vollsynthetische Verfahren zu ersetzen. Und die Antibiotikapräparate wurden kontinuierlich erweitert, im Jahre 2005 sollen es laut BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) bereits 2.775 zugelassene gewesen sein.

Diese hohe Zahl vermittelt nicht unbedingt den Anschein einer guten Meldung, sondern vielmehr muß man sich die Frage stellen, ob da nicht etwas aus dem Ruder läuft? Kinder schlucken zu häufig Antibiotika, vermeldet der Stern, der sich auf einen Report der Bertelsmann-Stiftung beruft. Demnach werden Kindern und Jugendlichen zu voreilig selbst bei harmlosen Erkältungskrankheiten Antibiotika verschrieben. Jedoch muß man da schon ein wenig genauer hinschauen oder die geflügelte  Frage stellen: Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Übertragen auf die dramatische Entwicklung, lautet sie: Wer trägt die Verantwortung, die Ärzte, die Eltern oder die Pharmalobby? Ganz einfach: alle zusammen, jeder auf seine Weise.

Pharmalobby umgeht das direkte Werbeverbot verschreibungspflichtiger Arzneien

Der Gesetzgeber hat nicht zufällig dieses Werbeverbot ins Leben gerufen, um die Patienten vor gezielter Beeinflussung zu schützen. Und was unternimmt die Pharmaindustrie, um dies zu umgehen? Sie läßt in bekannten Zeitschriften über die Arzneien publizieren, wobei zunehmend das Internet in den Fokus rückt, die potentiellen Kunden zu umgarnen. So mischen sich Pharmaspezies in Foren oder Blogs unter, in dem sie sich als Betroffene anmelden, über ihre guten Erfahrungen mit den Medikamenten (Auftraggeber ist die Pharmaindustrie) zu berichten. Der hilfesuchende Patient in den Foren und Blogs kann natürlich nicht die Echtheit überprüfen und wird somit letztlich geködert.

Doch diese gezielte Werbung kommt inzwischen zu ihrem gewollten Ergebnis. So manche Patienten fordern beim Arztbesuch sogar das bestimmte, heilbringende Medikament. So darf man sich nicht wundern, wenn auch einige Eltern selbst der Antibiotika-Indikation für ihre Kinder zustimmen, hat die Werbetrommel doch ganze Arbeit geleistet. Dabei hat die Gemeinschaft der Krankenversicherten die steigende Tendenz der Arzneimittelkosten mit zu tragen, die immerhin etliche Milliarden Euro betragen.

Und mit den fragwürdigen Gesundheitsreformen erhielten die Ärzte obendrein die Möglichkeit, genau diesen Trend zu verschärfen, in dem sie sogar teure Präparate verordnen dürfen, was zuvor erheblich mehr hinterfragt wurde. Schauen wir mal kurz über den großen Teich: In den USA, wo das Werben für verschreibungspflichtige Medikamente gesetzlich erlaubt ist, läßt dies die Kassen der Pharmalobby klingeln. Hinterfragen wir hier mal lieber nicht, inwieweit dadurch die eigentliche Gesundung der Patienten in den Vereinigten Staaten betroffen sein wird.

Vielmehr sollten sich mündige Patienten und Eltern die Frage stellen, ob sie blindlings einer dermaßen hohen Arzneimittelflut immer noch vertrauen, insbesondere weiterhin bei kleinsten Anlässen durch Antibiotika sich verarzten lassen wollen? Sicherlich  hat ein solches Verhalten auch ganz viel mit der hektischen Arbeitswelt etwas zu tun. Funktioniert der Mensch nicht, wird er einfach entlassen, es gibt genug, die einen Job brauchen. Aber darf dann der Preis die Gefährdung der eigenen Gesundheit sein, und ganz besonders die unserer Kinder? Und was, wenn sich eine erhebliche Antibiotikaresistenz eingestellt hat? Was hilft dann noch?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Antibiotika: Resistenz keineswegs zufällig

  1. Verdummung pur schreibt:

    Das ist doch gewollt; auf diese Weise kann man:
    Menschen schneller in Abhängigkeit bringen
    das große schnelle Geld verdienen
    und natürlich unter dem Deckmantel der Humanität und „alles für die Menschen zu tun“, die Bevölkerung reduzieren
    Funktioniert doch!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.