Maulende Schnorrer


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Unzufriedenheit zum eigenen Bedarf

Mal ganz ehrlich, ständig zufrieden zu sein, ist auf Dauer nicht zufriedenstellend. Genauso verhält es sich mit dem permanent alles positiv sehen wollen. Kein Streß, bloß keine Hektik, ständig auf Wolke 7 schweben, immer und überall eitel Sonnenschein und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende, das haben sie sicher schon als Kind nicht geglaubt, irre ich mich diesbezüglich?

Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß, daß bei aller Liebe zum Bruder, zur Schwester nicht jeder Tag ohne kleinere oder größere Reibereien vergeht. Die Zufriedenheitsskala schwankt sogar als Einzelkind, sollte sie sogar, denn eine dauernde Unterdrückung von Unwegsamkeit, von das paßt mir nicht, das will ich nicht essen, führt nicht nur zu verwöhnten Persönlichkeiten, sondern mindert auch das Selbstwertgefühl.

Wenn man davon ausgeht, Unzufriedenheit gehört zum Menschsein wie Angst und Schmerz, sollte man sich die Frage stellen, warum? An der Vermeidung von Trägheit allein kann es wohl nicht liegen, denn beim Blick auf die Tierwelt erkennen wir, daß Fläzen unbedingt zum Leben gehört. Sind Tiere unzufrieden? Bei Hunden und Katzen, die als Mitglieder in Familienstrukturen der Menschen leben, vermeint man, gewisse Tendenzen einer Unzufriedenheit zu erkennen. Vor allen Dingen in Bezug auf pünktliches Fressen, Liebkosungen einfordern, entweder aus Eifersucht oder weil ihnen gerade danach ist. Unzufriedenheiten, die sie ohne weiteres zu erkennen geben und teils aufsässig darauf bestehen, sind also ebenso in der Tierwelt vorhanden. Tierkundige können dies sicher durch ihre Beobachtungen auch unter Wildtieren bestätigen.

Gibt es demnach Vorteile durch Unzufriedenheit? Mehr und schnellere Beachtung durch ein großes Maß an Nörgelei ist auf alle Fälle die Regel, wenn auch mit Ausnahmen. Aber Unzufriedenheit kann auch mehr bewirken, nämlich den einen oder anderen Anstoß geben für Veränderung, für Ideen zu Lösung von Problemen. Wer hat schon die Möglichkeit, von der Muse geküßt zu werden, ohne einen direkten Ansporn? Vielleicht einige wenige. Bei den meisten Erfindungen lag zuerst eine Art der Unzufriedenheit vor, oder etwa nicht? Fast ist man gewillt; diese Tatsache eine positive Unzufriedenheit zu nennen.

Und wenn es eine positive Unzufriedenheit gibt, gibt es dann auch eine negative Unzufriedenheit? Ohne Bedenken, ein Ja. Diese negative Unzufriedenheit äußert sich durch Überlagerungen von Unzufriedenheiten oder anders ausgedrückt, selbst der Himmel auf Erden wäre nicht zufriedenstellend. Menschen, die ihre Unzufriedenheit ständig mitteilen; kann man Schnorrer nennen. Sie haben ständig an allem und jedem etwas zu maulen, zu schnorren. Sie sind mürrisch, mäkelig und finden stets etwas zum Nörgeln. Schätzungsweise liegt es daran, daß sie minderbemittelt sind in Bezug auf Phantasie und Ideenreichtum.

Schnorren, maulen und „eine große Gosch haben“ gehen oft Hand in Hand. Irgendwie muß die Unzufriedenheit befriedigt werden. Anprangern, meckern und alles besser wissen, besser können, scheint eine Essenz zur Zufriedenheit zu sein. Wobei das Schnorren ohne weiteres auch für eine egoistische, nur für sich selbst einzufordernde Zufriedenheit oder was auch immer angesagt ist, gesehen werden kann.

Unzufriedenheit zu zeigen, sie zu äußern, ist de facto eine Chance zur Veränderung einer unangenehmen Situation. Sie ist sozusagen ein Bestandteil für „werden und gedeihen“. (Nur so am Rande, meine Palme ist unzufrieden mit ihrem neuen Platz. Woran erkenne ich dies? Sie hat angefangen, ihren Stamm nach dem für sie auf diesem Platz besten Sonnenstand zu richten. Meine Palme hat aus ihrer Unzufriedenheit keinen Hehl gemacht, sie besitzt nun einen leicht gekrümmten Stamm, und ich denke mal, sie ist inzwischen zufrieden.)

Wer in letzter Zeit demonstrierende Menschen beobachtet, wird möglicherweise festgestellt haben, daß die Unzufriedenheit, die sie an der Teilnahme zur Demonstration veranlaßt hat, nicht dazu beiträgt, Zufriedenheit zu erlangen. Vielmehr erhält man den Eindruck, hier geht es gar nicht darum, Zufriedenheit zu erlangen, sondern es geht um Bambule, Krawall machen um jeden Preis. Es geht um egoistisches Festhalten an Altbeständen, an einer Vorstellung einer heilen Welt, in der vermeintlich alles zur Zufriedenheit war und jeder in harmonischer Eintracht leben konnte. In seiner egoistischen Welt.

Aufgeheizt durch Einpeitscher, die inzwischen unumwunden in Lautsprecher brüllen, daß sie einen Umsturz der Regierung anstreben, sind diese Protestler der Ansicht, diese „Goschaufreißer“ würden zu ihrer Zufriedenheit agieren. Sie übersehen dabei, sie selbst sind angehalten in ihrem Umfeld, bei sich selbst Harmonie und Ausgeglichenheit anzustreben. Außer sie sind gewillt, in Abhängigkeit zu leben.

Abhängigkeit bedeutet immer, auf andere angewiesen zu sein, keine eigenen Entscheidungen mehr zu treffen, das zu tun, was andere fordern. Fordern zu ihrer Zufriedenheit, nicht zur Zufriedenheit des Einzelnen. Unzufriedenheit mit Unzufriedenheit befriedigen. Das bedeutet maulenden Schnorrern, phantasielosen, ideenarmen Großmäulern werden Verantwortungen übertragen, die Zufriedenheit nur mittels ständiger Unzufriedenheiten aufrechterhalten können und dies nur zum Zweck ihrer eigenen Befriedigung.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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