Wetter: Im Zweifel ewiglicher Sündenbock


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Von der Landwirtschaft bishin zur Partylaune

Kaum ein Thema beschäftigt die Menschen mehr als das Wetter. Warum sich dies so verhält, sollte eigentlich naheliegend sein, sind wir doch alle mehr oder weniger vom Wettergeschehen auf irgendeine Weise abhängig. Und natürlich war dies früher viel eher der Fall, weil sich das Leben meistens draußen abgespielt hat.

Dabei hatte insbesondere die Landwirtschaft den größten Anteil. Heutzutage dient ihr wiederum neben einem hochtechnisierten Fuhrpark die Chemiekeule, die gesundheitsschädigend für uns Menschen ist, aber hilfreich in der Schädlingsbekämpfung dem Landwirt langes Aufhalten im Freien verhindert. Niemand jätet gern Unkräuter auf dem Felde bei Platzregen und Gewitter.

Wetterbeobachtung – Idee des Hundertjährigen Kalenders

Als der Abt Mauritius Knauer in seinem Kloster in Oberfranken in einem Zeitraum von 1652 bis 1658 akribisch die Wetterentwicklung beobachtete und festhielt, entstand dabei die Idee des Hundertjährigen Kalenders. Zur damaligen Zeit waren die allermeisten Menschen davon überzeugt, daß die Planeten, die Sonne und der Mond das Klimageschehen und somit den Erfolg und Mißerfolg von Ernten deutlich beeinflußten.

Auch wurde daran festgehalten, daß sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholen würde. Mit dieser Sieben-Jahreszahl ging das Wissen um die gerade mal entdeckten Planeten einher, neben der Sonne und dem Mond, als dies da waren: der Merkur, die Venus, der Mars, der Jupiter und der Saturn. Es folgte Knauers Veröffentlichung mit dem Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum, der die klösterliche Landwirtschaft optimieren sollte.

Aber noch war der eigentliche Hundertjährige Kalender nicht wirklich der Welt präsentiert. Wie dies meist bei Erfindungen und Ideen sich verhält, steckt ein findiger Geschäftsmann dahinter, um die eigentlich unberechtigten Lorbeeren zu kassieren. So verhielt es sich auch hierbei. Dr. Christoph von Hellwig aus Thüringen hatte die zündende Geschäftsidee gewittert und den Hundertjährigen Kalender in Erfurt drucken lassen; dieser begann mit dem Jahre 1701 und endete 1800.

Hat der Hundertjährige Kalender bis heute noch seine Berechtigung?

Diese Frage muß man natürlich verneinen. Wie sollte er auch angesichts der Tatsache, daß das Wettergeschehen ohnehin zunehmend von menschlicher Einflußnahme sich gestaltet, die eben nicht unbedingt berechnet werden kann.

Dennoch kann sich die Meteorologie heute auf nahezu 15.000 Wetterstationen berufen, die alle Wetterdaten akribisch erfassen, um sie an zentrale Einrichtungen weiterzugeben. Ein paar der wichtigsten Stationen befinden sich in 36.000 Kilometer Höhe über unserem Planeten, wie z.B. der europäische Meteosat. Sogenannte Supercomputer dienen dabei der Berechnung, sodaß die Vorhersagen recht zuverlässig sind. Die kurzfristigen Wettervorhersagen haben immerhin eine Trefferquote von 85 Prozent, wobei bei den Temperaturen sogar etwa 90 Prozent der Vorhersage sich bestätigen.

Aus der Maury Initiative (1853) entstand die Internationale Meteorologische Organisation (IMO), die im September 1873 in Wien gegründet wurde. Am 23. März 1950 wurde dann die World Meteorological Organization (WMO) ins Leben gerufen. Ein Jahr später wurde sie die Fachorganisation der Vereinten Nationen für Meteorologie (Wetter und Klima), operationelle Hydrologie und damit einhergehende geophysikalische Wissenschaften. Im Jahre 1979 fand in Genf die erste Klimakonferenz der WMO statt.

Weiterhin beschäftigt die Menschen das Wettergeschehen, obwohl so mancher gerne sein eigenes gern hätte, was natürlich nicht erfüllt werden kann. Ohnehin befinden wir uns meist im trauten Heim oder am Arbeitsplatz, wohlbehütet vor Wetterkapriolen. Die Zeiten, wo sich das Leben noch vielfach im Freien abgespielt hat, sind längst gewichen, ganz besonders im Computerzeitalter. Machen Sie sich mal die Mühe und betrachten das Geschehen auf dem Lande, dort gestaltet es sich am Sichtbarsten. Waren früher die Dörfer noch mit Leben gefüllt, zeigen sie sich heutzutage wie leergefegt. Hinter Mauern und grauen Roll-Laden wird sich aufgehalten, während der Zweizentimeter-Rasen fast leblos den Vorgarten ziert.

Vergessen wir nicht, daß das Wettergeschehen ein wichtiger Bestandteil im Kreislauf der Natur darstellt. Wenn für uns lästiger Regen sich ergiebig übers Land verteilt, bedeutet sein Nutzen für die Natur Lebensenergie. Erfreuen wir uns der schönen Frühlingstage, die sich bald wieder zeigen und geben dem Wettergeschehen keinerlei Schuld, so auch nicht den Meteorologen, sie sind auch nur Menschen trotz hoher Technisierung, errare humanum est – irren ist menschlich.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Klima/Wetter

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