Ernährung: Zwischen Ratschlägen und Verunsicherung


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Unterschiedliche Ernährungspyramiden tummeln sich

Welcher Ernährungspyramide mag man wohl Glauben schenken? Es scheiden sich die Geister, wer was zu essen hat zwischen Fleischessern, Vegetariern, Veganern, den Makrobioten, der Trennkost, Vollwerternährung, nach den 5 Elementen (aus der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin), nach Ayurveda oder Mazdaznan etc.

Letzlich gilt für den Menschen generell: Er ist, was er ißt. Ernährungsgewohnheiten bestimmen die Gesundheitsprophylaxe, obwohl dabei gerade Expertenmeinungen den Bürger verunsichern. Uneinigkeit trifft auf Dogmen, eigene an sich beobachtete Erkenntnisse stehen dennoch im ewigen Disput, ob man denn alles richtig mache.

Ich weiß, daß ich nichts weiß

Verkündete schon Platon in seiner Apologie. Davon ausgehend könnten wir einfach unser Leben unbedarft fortführen, auch was das Essen anbelangt. Spätestens bei den ersten Wehwehchen, ernährungsbedingten Krankheiten geraten viele ins Grübeln, lassen sich vom Arzt bis hin im Freundes- und Bekanntenkreis vielfältigst beraten. Und alle haben sie unterschiedliche Ernährungsweisheiten auf Lager, ob mit oder ohne Chemie, der Alternativen gibt es viele. Dabei wird oftmals vergessen, wie sie entstanden und vor allem in welchen Gebieten oder Umfeld bestimmte Nahrungsmittel sich durchsetzten, tausenden von Generationen der dortigen Bevölkerung dienten.

Demnach können wir heute längst in einer globalisiert zusammengerückten Welt uns japanisches Essen gönnen, während in Tokio ungeniert der fragwürdige Big Mac à la McDonald’s seinen Weg in jugendliche Mägen findet. Zeichen einer befreiten Welt, kulturelle Essensgewohnheiten überall jedem anbieten zu können? Im Prinzip spricht nichts dagegen, da eine Vielfalt in der Ernährung ohnehin eigentlich gutzuheißen ist. Doch wer bestimmt das, zumal wir Menschen mit Platons Unwissenheit bestückt sowieso im Dunkeln tappen?

Zwischen Ernährungspyramiden und zunehmender Armut

Uneinigkeit herrscht, was eine gesunde Ernährungsweise anbelangt, nicht nur zwischen den beiden großen Lagern, den Fleischessern und den Vegetariern, sondern ganz allgemein bereits bei der sogenannten Ernährungspyramide. Gleich vorneweg hat sich längst die erste Ernährungspyramide des USDA (United States Department of Agriculture) aus dem Jahre 1992 erübrigt, weil deren miese Zusammensetzung des Zuckers und Weißmehls ohnehin keiner gewissenhaften Ernährungserkenntnis standhält: Beide Bestandteile sind alles andere als gesundheitsförderlich! Aber selbst andere Ernährungspyramiden haben sich stets selbst als problematisch entlarvt, da Folgestudien zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangten, erst recht für Verwirrung sorgten.

Mal von dieser Form der Empfehlung abgesehen, steht Ernährungsberatung sowieso im extremen Gegensatz zur Realität. Wie schön, daß sich Gutbetuchte exklusiv beraten lassen, was denn an Gaumenfreuden verträglich der Gesundheit nicht schaden möge, während zunehmende Armut selbst hierzulande Menschen zwingt, am Existenzminimum herumkrebsend sich zu ernähren. Da billigste Lebensmittel nur noch in Frage kommen, ohnehin ein latenter Mangel vorherrscht, darf der kritische Leser sich schon wundern, wenn ausgerechnet eine Bertelsmann-Stiftung mit einer angeblich repräsentativen Umfrage um die Ecke kam, um festzustellen, Kita-Kinder essen nicht ausgewogen.

Das kann man sogar unter Umständen gar nicht abstreiten, doch zynisch wird es, wenn man die berechtigte Geldsumme in Höhe von 4 Euro betrachtet, die von der Bertelsmann-Stiftung in der Studie gefordert wird. Diese steht in keinem Verhältnis zum Hartz-IV-Regelsatz. Demnach wären jene Betroffenen von vornherein ausgeschlossen.

Ernährung eine philosophische Streitfrage?

Wenn Sie so wollen, kann man die Frage nur bejahen. Mal Hand aufs Herz: Jeder Mensch sollte am besten in sich hineinhorchen, sich selbst beobachten, wie der eigene Körper reagiert im Leben, was das Essen einen Teil vom Lebenswandel ausmacht. Das kürzlich erschienene Interview mit Hannes Jaenicke zeigt auf, daß selbst der sogenannte Sonntagsbraten letztlich ein gutes Konzept war, obwohl er selbst Vegetarier ist.

Hektik, Streß, Sorgen, die gesamte psychische Verfassung schwingt genauso mit als auch die Ernährung. Wenn es früher hieß, esse von allem etwas in Maßen, gut durchkaut, so haben die „Alten“ keineswegs Unrecht, weil uralte Erfahrungswerte sich nicht zufällig weiterverbreiteten, auch wenn Nutztiere ein Widerspruch in sich sind.

Trotzdem sind wir alle Individuen, kein Organismus dem anderen gleicht, was für den einen bekömmlich, kann der andere vielleicht gar nicht vertragen. Insofern muß man die teils feindseligen Diskussionen unter den verschiedenen Ernährungsmodellen nicht gleich teilen, man kann auch einfach sich gegenseitig respektieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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7 Antworten zu Ernährung: Zwischen Ratschlägen und Verunsicherung

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Nirgends wird so viel Unsinn erzählt wie bei der Ernährung, und das liegt alleine daran, dass Lebensmittel und deren Verarbeitung ein Milliardengeschäft sind und jede neue Sau, die durch Dorf getrieben wird, spült wieder Geld in die Kassen. Von wem auch immer!

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    • geno schreibt:

      die lebensmittelkonzerne gibt es nicht um uns zu ernähren, es gibt sie, weil wir sie füttern!
      früher haben sie die hungrigen satt gemacht, heute machen sie die satten hungrig!

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  2. Morgentau schreibt:

    Wer von fast 8 Milliarden Menschen, kann sich solch eine Diskussion schon leisten ? Für viele geht es ums nackte Überlebenden! Und um was für ein Siegeszug der ausgewogenen Ernährung handelt es sich, wenn krankmachendes Fastfood a la McDonald im letzten Winkel der Welt zu bekommen ist? Solange der „zivilisierte“ Mensch fast 40% seiner Nahrung wegschmeisst, natürliche Nahrung teurer ist als Chemiedreck und immer noch weltweit Kinder verhungern, ist obiger Artikel nur ein Jammern auf sehr hohem Niveau.

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    • hraban57 schreibt:

      Sie machen es sich aber sehr leicht, oder? Querdenkende zieht es eben vor, nicht zu jammern, sondern Mißstände anzuprangern. Ignoranz kann man auch als stillschweigendes Dulden deuten! Von einem „Siegeszug ausgewogener Ernährung“ kann keine Rede sein, aber bestimmt auch mal innezuhalten, um darüber nachzudenken, was Mensch so alles in sich hineinstopft.

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    • Arno von Rosen schreibt:

      Natürlich könnte man darüber mehrere Bücher füllen und wahrscheinlich gibt es diese schon, aber wer liest so etwas denn? Immer nur dieselben. Besser ein kleiner Denkanstoss als gar nix 😉

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  3. cource schreibt:

    es gibt sehr wohl eine optimale ernährungsvariante, das problem ist nur, dass sich jeder in einer anderen phase der anpassung/gewöhnung befindet und der körper entweder total abgestumpft oder hoch sensibel auf die nahrung reagiert und wenn man nicht weiß in welcher phase man sich gerade befindet, kann man die signale auch nicht eindeutig zuordnen, d.h. der körper wehrt sich nur für eine gewisse zeit gegenüber den nahrungsgiften, stumpft mit der zeit ab und der fressüchtige glaubt er kann alles essen/vertragen, deshalb werden die meisten an ihren fressgewohnheiten zugrunde gehen

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