Deutliche Bedeutungen?


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Da wo der Hase im Pfeffer liegt

Eigentlich kann eine Bedeutung nicht Deutlichkeit einschließen. Wäre dem so, wäre eine Bedeutung gleichzusetzen mit Tatsache. Bedeutung besagt lediglich den Sinngehalt, die inhaltliche Aussage, die Wichtigkeit, den Belang, den Wert einer Handlung, eines Gegenstandes, einer Meinung. Deutlich hingegen stellt einhellig fest, ist offenkundig, unmißverständlich, unzweideutig, entschieden, offensichtlich, sonnenklar positioniert als unzweifelhaft.

Ob es der Deuter ist oder die Deuterin, sie sind lediglich Interpreten, Zeichengeber, und oftmals keinen Deut besser als manch Seher, als manch Tageshoroskope, die uns weismachen wollen, wo der Hase im Pfeffer liegt, es ist lediglich ein deuteln, daran gibt es nicht zu deuteln, ein Auslegungsversuch und keine eindeutige Prognose, noch deutliche Klarheit, Genauigkeit.

Fragt man sich angesichts so viel Unklarheit nicht, warum deutlich, genau, sichtbar, augenfällig bedeutet?

Deutlich, spätmittelhochdeutsch diutelich, mittelhochdeutsch diut(ec)līche(n) (Duden). Synonyme sind anschaulich, bestimmt, präzise, ersichtlich, handfest, unverblümt.

Deut, niederländisch duit, eine niederländische Scheidemünze, mittelniederländisch duyt, eigentlich abgehauenes Stück (Duden). Wird vornehmlich in Redensarten verwendet, „sich keinen Deut kümmern, kein Deut besser“.

Deuteln, kleinlich, auszulegen versuchen, „an einer Sache nicht deuteln“. (Duden)

Bedeutung, mittelhochdeutsch bediutunge, Auslegung (Duden) andere Begriffe sind Hintersinn, Stellenwert, Gewichtigkeit.

Irgendwie fehlt in dieser Reihe der Wörter etwas, zumindest eins, das nicht zu übersehen ist, deutlich zu erkennen der Begriff „deutsch“, ist doch deutlich genug, oder?

Deutsch, mittelhochdeutsch diut(i)sch, tiu(t)sch, althochdeutsch diutisc, über ein gleichbedeutendes westfränkisches Adjektiv zu einem germanischen Substantiv mit der Bedeutung »Volk«, vgl. althochdeutsch diot(a), Volk, also eigentlich, volksmäßig (Duden)

Es folgt noch ein irgendwie. Irgendwie wird hier entweder gedeutelt oder deutlich der Begriff „deutsch“ erklärt.

Deutlich (diutelich), deutsch (diut(i)sch), das eine bedeutet klar, erkennbar, verständlich, das andere, Volk oder volksmäßig, was nun?

Laut Gebrüder Grimm liest sich die Herkunft „deutsch“ so: adj. und adv. germanus, teutonicus, ahd. diutisc (Graff 5, 130), mhd. diutisch tiusch (Ben. 1, 325b), altsächs. thiudisc, niederd. düdesk, niederl. duitsch, schwed. tysk, dän. tydsk, die Engländer gebrauchen german, die Franzosen allemand. da es von diet, goth. þiuda, ahd. diot diota abstammt, wie Gramm. 13, 14 gezeigt ist, so bedeutet es ursprünglich gentilis, popularis, vulgaris; im gothischen heiszt þiudiskô heidnisch, ἐθνικῶς. unzweifelhaft ist es im anlaut mit d zu schreiben und nur die unorganische verwechslung der tenuis mit der media, die freilich, wie wir oben gesehen haben, öfter vorkommt, ist schuld dasz man im 16ten und 17ten jahrhundert sehr oft und auch nachher nicht selten teutsch geschrieben hat: schon bei Walther, Wolfram, in den Nibel. findet man tiusch, tiutsch

Der Bedeutung liegt demnach nicht nur „volksmäßig“ zugrunde, sondern auch „heidnisch“. Demzufolge ist folgendes zu deuten, „Deutsche“ sind ein heidnisches Volk.

Deutlicher formuliert durch den Begriff „Heide“, nachzulesen bei DTW Gebrüder Grimm: Das wort (in der ältern form heiden) ist ursprünglich ein adjectiv zu heide (in der bedeutung 1), nach der einführung des christenthums dem lat. paganus, bewohner des platten landes und gegenüber der christlichen lehre altgläubiger, nachgebildet, wie bereits Adelung ausgeführt hat; die nachbildung musz bei denjenigen deutschen stämmen erfolgt sein, die nähere berührung mit Rom, und kenntnis der römischen kirchenväter, welche das wort paganus in der zuletzt angeführten bedeutung seit dem 4. jahrh. brauchen, hatten. die Gothen richten sich beim ausdruck des begriffs heide, heidnisch nach dem griechischen sprachgebrauche und geben ἐθνικοί durch þai þiudô (Matth. 5, 46. 6, 7), das adv. ἐθνικῶς durch þiudiskô (Gal. 2, 14) wieder; und nur einmal begegnet das adj. haiþns in der schwachen femininform haiþnô: vasuþ-þan sô qinô haiþnô (ἦν δὲ ἡ γυνὴ Ἑλληνίς). Marc. 7, 26, wo aber gefragt werden darf, ob das wort hier schon von Ulfilas gebraucht ist oder nicht vielmehr erst aus der späteren aufenthaltszeit der Gothen in Italien stammt, wo es von einem abschreiber in den text gesetzt ward. allen deutschen stämmen auszer den Gothen ist das wort gemeinsam: ahd. heidan, mhd. heiden, alts. hêðin, ags. hæðen, fries. hêthin, hêthen, altn. heiðinn; und zwar zunächst immer in adjectivischer verbindung: ahd. eno ni tuont thaʒ heidanî man.

Nun, zum dritten Mal, irgendwie. Irgendwie verwirrend und doch deutlich, verständlich, wenn man weiß, daß die Handelswege über dem Meer den Händlern die ersten Eindrücke eines Landes vermittelten. „Deutsche“ sind demnach Bewohner des platten Landes und Altgläubige.

Irgendwie, zum vierten, auf irgendeine Art und Weise, wie auch immer, ist eine deutliche Bedeutung von „deutsch“ klar ersichtlich, da gibt es nichts zu deuteln, in dieser Hinsicht kann es keinen Deut besser werden.

Wer auf dem „platten Land“ lebt oder sich auf einem Landstrich aufgehalten hat, der vermag nun besser den Zusammenhang verstehen. Deutlich (diutelich), klar, erkennbar, verständlich, und deutsch (diut(i)sch), Volk oder volksmäßig. Jedenfalls liegt dort, wo man den Besuch schon eine Woche vorher sehen kann, der Hase im Pfeffer.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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2 Antworten zu Deutliche Bedeutungen?

  1. gkazakou schreibt:

    danke für diesen Exkurs. ἐθνικῶς kommt von Εθνος – Nation, bedeutet also national. So wurden die Anhänger der griechischen 12-Götter genannt (und von den Christen wüst verfolgt). Insofern ist „national“ und „altgläubig“ tatsächlich ein und dasselbe. Und ich vermute, dass so auch das Wort deutsch zu erklären ist. Ihr Verfolgungsschicksal und die Abwertung ihres Glaubens durch das Christentum ist in beiden enthalten.

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  2. mikesch1234 schreibt:

    Spannend 🙂
    Carlotta und ich lieben solche Recherchen.
    danke :))))

    Komm gut nach 2018 und LG,
    Hiltrud

    Gefällt 1 Person

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