Dem Verfolger auf der Spur


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Der Gedanke, dieser Gedanke verfolgte Axel Hausmann, er war der Grund, weshalb er jetzt öfters bei jedem Wetter, selbst an „heute schickt man keinen Hund vor die Türe, und ich geh freiwillig Tagen“ schlenderte er bisweilen arglos das schlechte Wetter genießend oder stapfend, was den Effekt hatte, daß er am nächsten Tag unter Hüftschmerzen litt, durch die Straßen seiner Wohngegend, bisweilen vernahmen die ihm begegnenden Menschen leise ausgesprochene Wortfetzen oder wunderten sich, wenn er einer seine Hände vor den Mund hielt, das alles hinderte ihn nicht daran alles zu unternehmen diesen Gedanken loszuwerden.

Den genauen Zeitpunkt, an dem ihm die Verfolgung auffiel, ist in seiner Erinnerung nicht mehr zu datieren, stundenweise grübelte er diesem Anfang nach, in der Vermutung, dadurch den Grund zu finden, warum er, mögen es Monate, sind es Jahre, dieser Observation unterliegt. Eins schien bei diesen Gedankengängen für ihn festzustehen, jemand, anders kann es nicht sein, hat ihm unbemerkt diesen Gedanken in den Kopf geschickt.

Verdächtige fielen ihm zuhauf ein, dabei gewissenhaft nicht auslassend, dieser Gedanke kann ebenfalls von Tieren und Pflanzen zu ihm gesendet worden sein, dies war nach reiflicher Überlegung der Anlaß, nicht ständig bei Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern sich aufzuhalten, in der Erwartung der Verfolger würde sich in einem unbedachten Moment zu erkennen geben, sich ebenfalls unter den Tieren umzusehen, selbst bei den kleinsten, die verstehen es bestens, unsichtbar in meine Nähe zu schleichen, in unlauterer Absicht deren Vertrauen zu gewinnen, wie Du-mir-so-ich-dir-Manier, die zwar seinem Wesen widersprach, doch in diesem Fall kann nur eine Maskerade dazu führen, den Gedankeneinflüsterer zu finden.

Natürlich ist ihm aufgefallen, seine Besuche waren mit der Zeit mehr geduldet, die freundlichen Hallos wurden zu „der schon wieder“, das war auch für ihn nicht zu übersehen und zu überhören, wobei er, als ihm dies auffiel, glaubte, am Ende seiner Suche angelangt zu sein, kein Verfolger hat es gern, wenn man ihm auf die Füße tritt, ihm am Fersen klebt, da aber auch bei Felicitas, Erika, Georg, Familie Schuster, bei den Kindlers, beim alten Schuhmann, die Thea vom Café Bertram, Frau Seemann, Herbert Emmerich dieselben etwas ablehnenden Verhaltensmuster an den Tag legten, ach, das ist gerade sehr ungünstig, muß gleich noch mal weg, warum hast du vorher nicht angerufen, wir haben Karten fürs Kino, hör mal, die Simone ist krank, Grippe, ja Fieber, sehr ungünstig heute, da wußte er, seine Freude über den Erfolg endlich den Übeltäter gestellt zu haben, nämlich Julian, der Julian, mit dem er seit er denken kann, befreundet ist, war völlig verfrüht.

Ihm blieb nicht anders übrig, als seine Taktik zu ändern, dachte er, anstatt stets den zuvorkommend freundlichen Axel zu markieren, der mit jedem Tier auf Augenhöhe sich verständigen kann, sogar Stechmücken verständnisvoll anspricht, er könne jetzt beim besten Willen nicht schon wieder Blut spenden, da er bereits den vorigen Abend beim nächtlichen Spaziergang, es war ja schon dunkel, ihre Kameraden, Kumpels nicht überzeugen konnte, von ihm abzulassen, selbst als er sie darauf hinwies, zu so später Stunde den Wams vollzufressen sei ungesund, verfolgte er eine Weile den Weg des Eingeschnappten, Mißverstandenen und zu guter Letzt den auf Krawallgebürsteten.

Selbstverständlich mit der gleichen Intensität wie zuvor seine Nettigkeitsphase, man darf nichts unversucht lassen, nur Akribie, Ausdauer und eine gewisse Portion Rücksichtlosigkeit führt zum Erfolg. So jedenfalls erlas er es aus einer Titelüberschrift eines Artikels über Erfolgsaussichten, um eine Karriereleiter hinaufzusteigen, wenn ihm dies auch anfangs widerstrebte. Je länger er diesen Weg befolgte wie seine auferlegten Spaziergänge, Besuche, das Liebkosen sämtlicher Tiere, die ihm über den Weg liefen, das Beriechen von Pflanzen, das Notieren, nichts auslassen, jedes kleinste Detail könnte den Verfolger überführen, etliche farbige Bücher mit seinen Aufzeichnungen bewahrte er unter seinem Bett in verschiedenen Truhen auf, desto eindeutiger, klarer, unzweifelhafter begriff er, der Gedanke kann nur über die Schriftzeichen, Symbole in ihn übertragen worden sein.

Wie Schuppen fiel dieser Gedanke von seinen Augen, er hatte den Verfolger gefunden, jedenfalls den Platz, an dem er sich versteckt hält. Die Absicht, die der Gedanke verfolgte, ob möglicherweise Auftraggeber im Hintergrund agierten, sein Aussehen, möglicherweise ist er getarnt, besitzt ein Pseudonym, ist nicht alleine tätig, sondern hinter dem Gedanken steckt in Wirklichkeit ein Team, eine ganze Kompanie, das würde zumindest erklären, warum der Gedanke bis jetzt nicht gefunden werden konnte. Axel war nur kurz, sehr kurz glücklich über seinen Erfolg, denn die eigentliche Arbeit, schoß es ihm durch den Kopf, beginnt erst jetzt. Auf keinen Fall darf der Gedanke erfahren, daß er, Axel, ihn entdeckt hat und deshalb war oberste Vorsicht geboten. Der Gedanke soll sich weiterhin in Sicherheit wiegen, bis er von Axel zur Rede gestellt werden kann, wenn nötig unter Zuhilfenahme von Spezialisten der Kriminalpolizei, aber wie Beweise sammeln, ohne sein Wissen zu verraten?

Axel wäre nicht Axel Hausmann, wenn ihm hierfür nicht spontan die Lösung eingefallen wäre, er muß wie der Gedanke eine zweite, möglicherweise eine dritte Identität annehmen, ohne dabei den Eindruck zu vermitteln, er wäre irr, nicht bei Sinnen, könnten einige meinen, andere würden ihn ansonsten als eigenartig, verschroben titulieren, deshalb ist das Naheliegenste, das Unauffälligste, einfach Axel Hausmann zu sein, diesen Gedanken, einfach den Spieß umdrehen, folgte er, indem er nach außen hin weiterhin sein Freunde, Bekannten, Familienmitglieder beobachtete, Tiere, auch die kleinsten, von ihm gestreichelt, geschützt wurden, du kannst doch keine Mücke töten, du Sadist, ich überlege mir, ob ich dich noch mal besuchen komme, seine Wohnung mit Pflanzen vollstellte, immer darauf bedacht, Schriftzeichen, Symbole feinsäuberlich, in seine bunten Bücher zu zeichnen, zu malen, zu schreiben, er war jetzt ganz sicher, den Gedanken, diesen Gedanken in absehbarer Zeit auf dem weißen Papier zu erkennen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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