Fabians Ratschlag


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Ob ich jetzt sage, ich fühlte mich putzmunter, als ich bei der Fete von Jeanette war, oder ich war echt am Arsch, das ist gehupft wie gesprungen. Das Leben ist eine Plattform auf hoher See, ständig unruhig hin und her schaukelnd. Bühne geht auch, da stehst du im warmen Rampenlicht, und hinten weisen dir ein paar flackernde Funzeln den Weg in eine kleine kalte Verkleidungskammer Von mir aus auch Hinterzimmer, Kellerloch. Straße, Straße ist excellent, das Leben ist eine Straße, eine endlose Straße.

Alles liegt auf der Straße, manchmal auch daneben, drunter. Ich passierte gerade die Bachstraße, Ampelschaltung, kein Signalknopf für Blinde, damit ich nach ein paar Metern in die Straußstraße einbiegen kann. Bach, das ist ein verkappter Wasserfall, der ständig den Drang hat, sein Wässerchen unbedingt einen Abhang runterfließen lassen zu müssen. Am Bach blühen Blümchen, Blumenstrauß, Vogel Strauß pickt sie raus. Straussstraße. Jeanette wohnt am Ende der Straussstraße. Hausnummer 83. Straussstraße ist falsch. Aber ist leichter zu merken als Johann-Strauss-Straße oder Johann-Sebastian-Bach-Straße, mein Gehirn ist auf Vereinfachung gepolt. Sag ja, putzmunter.

„Ohje, die Sandra, die hat mir gerade noch gefehlt!“

„Hey, Fabian, was guckst du denn so interessiert die Frisuren an? Hast doch eh keine Haare mehr auf dem Kopf, willste dir ne Perücke machen lassen?“

„Sandra, lange nicht gesehen, was treibt dich denn in diese Gegend?“

„Bin auf dem Sprung zu Jeanettes Feier! Du bist doch sicher auch eingeladen?“

„Ah ja, Jeanettes Feier. Sowas, hätt ich glatt vergessen! Na klar komm ich vorbei. Muß vorher nur noch was erledigen.“

„Beim Friseur?“

„Erklär ich dir später Mal, ja dann!“

Und schwupp stand ich in undefinierbarem Gasgemisch und war erstaunt, die Frage beantworten zu können: „Kann ich Ihnen helfen?“

Können Sie natürlich nicht, Sie lebende Duftwolke, schoß es mir durch den Kopf, wie eine nicht mehr steuerbare Rakete, die entweder gleich ihren Zünder verliert oder explodiert. Übersprudelnd freundlich, putzmunter, Sandra, meiner Ex entkommen zu sein, flötete ich, muß wohl doch etwas hängengeblieben sein vom Ablesen der Straßennamen: „Ähm, nicht mir persönlich. Nicht ich, also was kostet die Frisur, die im Schaufenster rechts, Schwarz-weiß-Photographie, da spielt es doch keine Rolle, ob man blonde oder schwarze Haare hat. Also für Schwarzhaarige, nicht richtig schwarz, eher braun, dunkelbraun. Und soviel, wie da auf dem Photo soll auch nicht gekürzt werden, die Hälfte etwa und kein Parfüm, also nicht so ein Lack auf dem Haar, das wirkt wie ein Christbaum, den man vor lauter Lametta nicht mehr sieht.“

Wirklich nett und zuvorkommend, lächelnd wie Buddha-Figuren, die verdammt sind, bis sie zu Bruch gehen mit einem süffisanten Ewigkeitsgrinsen Freude zu verbreiten, sicher dachte sie, der ist am Arsch oder geht mir daran vorbei, drapierte sie mich mit den Worten, man könne dies nicht pauschal benennen, den Preis, jetzige Haarlänge, Struktur, vielleicht wäre sogar gänzlich abzuraten, da nicht typgerecht, gerne führen wir ein Stylinggespräch mit der Kundin, grob könnte der Preis, wie gesagt, je nach dem, aufwendige Tönung, vielleicht wär eine Färbung sogar erforderlich, so an die 120 € aufwärts betragen.

Ich nickte zufrieden: „Okay, das liegt im Rahmen, also dann werd ich mit meinem Freund Bernd nächste Woche vorbeikommen.“

Und draußen war ich aus dem Friseursalon, auf der Straße, wußte genau, hast dich zum Affen gemacht, aber meine Lebensgeister waren so was von putzmunter.

Jeanette wohnt Straussstraße. Johann-Sebastian-Strauss-Straße 83. War prima Stimmung, haben sich alle fürchterlich amüsiert, genug gegessen, getrunken, genug gequatscht, zugehört, einige waren bis zum Schluß putzmunter, der Rest von Einigen war nach der Fete völlig am Arsch. War wohl der Einzige, der putzmunter und am Arsch war.

Habt ihr schon mal auf so einem Blatt, wo nur A´s draufstehen, ein Ä gesucht, weil irgendeiner meint, an der Schnelligkeit des Herausfindens könnte auf irgendetwas geschlossen werden, das deine Persönlichkeit betrifft? Diese Dinger gibt’s auch mit lauter Buchstaben zum Wörter raussuchen, die besagen, was als Nächstes in deinem Leben passiert.

Ach scheiß drauf, ich fand, Freunde, Haus, Vergnügen. Putzmunter ging’s mir, bis ich Sandra traf, am Arsch war ich, als ich vor der Beethoven-, Vivaldi-, Rachmaninow-, Chopinstraße auf Bernd traf, der mir mit verträumten Augen zuzwinkerte, seine neue Flamme, die beim Friseursalon in der Bachstraße arbeite, käme später auch.

Macht diese Dinger bloß nicht, wenn ihr auf dem Weg zu einer Fete seid!

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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