Erwerbsarbeit verdammt zu aussichtslosem Zwang


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Jäger und Sammler ein Dasein vergangener Zeiten

In der Tier- und Pflanzenwelt gibt es sehr viele Strategien des Überlebens. Sie haben allesamt eines gemeinsam: Sie werden einfach ausgeführt ohne Bedenken, wobei die Schöpfung selbst ihrem Plan folgt, biologische Kreisläufe daher funktionieren. Mittendrin entwickelte sich eine Spezies, die als große Ausnahme einen völlig anderen Weg beschritt: der Homo sapiens.

Zunächst als Jäger und Sammler verhielt sich der Mensch ganz ähnlich wie seine Mitbewohner auf Erden, den Pflanzen und Tieren. Er nahm sich das, was er benötigte. Gleichzeitig unterschied er sich aber von Beginn an von allen anderen Wesen. Ausgestattet mit einem rasch anwachsenden Bewußtsein, einer schier grenzenlosen Neugier und entsprechendem Forscher- und Expansionsdrang vermehrte und machte er sich die Welt untertan. Damit verließ Mensch auch das unbedarfte Leben des Sammelns und Jagens, Formen der Erwerbsarbeit entstanden, um das weitere Überleben zu sichern. Die Arbeit somit ein Prozeß zwischen Erwerb sowie Zwang und Aussichtslosigkeit, wer sich verweigert?

Wie zurechtfinden in jener fragwürdigen Arbeitswelt?

Bei der Geburt werden wir gleichzeitig in ein bestehendes, soziales Umfeld entlassen, in welchem wir aufwachsen, wobei zunächst die Familie uns schützend davor bewahrt, uns selbst finden zu können, um uns vorzubereiten, außerhalb des sicheren Hafens zu überleben. Von Beginn an funktionieren wir daher in den uns zugedachten Rollen, nach Kinder- und Schulzeit tritt die Berufswahl, das Erwerbsleben in den Fokus der Entscheidung.

Ziel des Menschen, sich selbst in der Arbeitswelt zurechtzufinden, um zunächst zu überleben, aber gleichzeitig an den gestellten Aufgaben zu reifen und im günstigsten Fall voller Glücksgefühle eine Familie zu gründen. So lange die vorgezeichneten Wege beschritten werden, das Zusammenleben geordnet verläuft, funktioniert das Modell einer harmonischen Gesellschaft. Aber das Ideal entspricht keineswegs der Wirklichkeit, weil es ständig infrage gestellt wird, unterbrochen von revolutionären „schwarzen Schafen“, die sich selbst und alles kritisch betrachten, die Grenzen der vorgedachten Rahmen überschreiten, um neues zu versuchen bishin zur Arbeitsverweigerung.

Der Mensch mit all seinem Verstand hat dennoch eine Gefühls- und Seelenwelt, die hinterfragt, die ihre Umwelt anzweifelt, sie nicht hinnimmt, wie seine nächste Umgebung ihm vorschreibt, ihm aufzwingt, sondern sich selbst finden muß, welche Rolle tatsächlich „schmeckt“. Das Ausbrechen bestehender Normen aus einer bürgerlich geordneten Welt, einer alles hinterfragenden Revolte, die ihren letzten Höhepunkt und Ursprung mit der 68iger Bewegung hatte, nunmehr an einem neuen Scheidepunkt steht, der da lautet und somit eindringlich fordert: Muß Arbeit völlig neu definiert und daher auch hinterfragt werden?

Aussteigen aus der Konsumgesellschaft

Im Zeitalter der globalen Arbeitslosigkeit, des Hartz-IV-Rassismus mitten in Europa, einer profitorientierten Doktrin der Wirtschaft, die Mensch sich untertan macht, einer unübersehbaren, ekelerregenden Armut und einem Höhepunkt kriegerischer Konflikte, muß man sich die Frage stellen, worin denn der Sinn sei, weiterhin morgens sich aus dem Bett zu wälzen, um in soweit „zu funktionieren“, damit das eigene Überleben gesichert.

Milliarden von Menschen tun das tagtäglich, von der Politik bis hin zur Klofrau in einer Autobahnraststätte. Dazwischen gibt es eine wachsende Anzahl derer, die ums nackte Überleben zu kämpfen haben, ohne Arbeit, ohne Essen, ohne die Chance einer Perspektive, aber auch Überlebenskünstler und das Heer der Lohnsklaven. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, hatte ausgerechnet der SPD-Politiker Franz Müntefering den Hartz-IV-Empfängern entgegengeschmettert, was auch einer Drohung entsprach, gefälligst jede (zwangs)angebotene Arbeit gehorsamst anzunehmen.

Clevere Überlebenskünstler, die noch nicht gänzlich ihr letztes Restselbstbewußtsein verloren haben, entwickeln Strategien, auch ohne Arbeitszwang oder sanktionierenden Jobcentern zurechtzukommen. Das sind neben den Schwarzarbeitern, die es schon immer gab, aber auch völlig legale Methoden. Das Zauberwort lautet: Verzicht. Aussteigen aus der Konsumgesellschaft, sich mit anderen Betroffenen zusammen zu schließen. Das erfordert gleichzeitig den notwendigen Respekt untereinander, friedliche Lösungen zu finden, sich gegenseitig zu helfen, aber nach außen hin geschlossen aufzutreten, weil Staat und Behörden hinter solchen Aktionen stets nicht nur Protest vermuten, sondern darüber hinaus sogar Straftaten.

Das Individuum kommt ganz bewußt zu kurz – bloß keine frei denkenden Menschen

Wer die Norm verläßt, an den Rand der Gesellschaft sich begibt, – dieser Rand wächst zunehmend in einer Welt sozialer Mißstände -, den gilt es skeptisch zu beäugen, da auch staatliche Kontrolle schwieriger sich gestaltet. In einer zunehmend reglementierten Gesellschaft haben sich ohnehin alle den Gesetzmäßigkeiten einer vorherbestimmten Arbeitswelt unterzuordnen, bei der das einzelne Individuum meist zu kurz kommt. Und nichts ist den eigentlich undemokratischen Staaten verhaßter als „frei denkende Menschen“, die obendrein sich keiner Kontrolle beugen und sogar kreative Ideen entwickeln! Auch deshalb wird eisern an der Politik der Billig- und Niedriglöhne festgehalten, einer zwanghaften Sozialpolitik, die alle Bürger in die Pflicht nehmen soll: Wer sich unterordnet, darf überleben.

Und was ist mit den Aussteigern? Der Unterschied zu den Überlebenskünstlern darf getrost gen Null betrachtet werden. Alle, die bestehende Systeme hinterfragen, sind letztlich beides. Gleichzeitig wird deutlich, daß die gesamte Arbeitswelt ins Wanken gerät, eben weil durch die Lohnungerechtigkeit das Erwerbsleben selbst stets in Frage gestellt werden muß, inwieweit es über die eigentlich ungerechte Bezahlung noch Sinn macht. Daß Menschen eine Aufgabe benötigen, um sich selbst zu verwirklichen, bleibt auch weiterhin lebensnotwendig für Körper, Geist und Seele. Doch die derzeitigen Systeme bröckeln, neue Ideen sollten zugelassen werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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2 Antworten zu Erwerbsarbeit verdammt zu aussichtslosem Zwang

  1. wolfgang fubel schreibt:

    Die, Die sich diesen System angepasst haben,Die es sogar erhalten wollen und daran
    Interressiert sind ,das es so bleibt weil Sie bestens davon profitieren, haben Sich
    schon längst selber aufgegeben ohne es zu merken. Sie finden Ihre Ketten mit
    denen Sie gefesselt sind auch noch schön. Es ist immer wieder erstaunlich mit
    welch Haarsträubenden „Argumenten“ Sie daher kommen um dieses Perverse System
    zu legitimieren. Die machen vor nichts halt, da werden von Ihnen inszenierte Kriege
    als Friedensmissionen verkauft und Menschen die nicht nach Ihren Willen funktionieren
    gedemütigt und verachtet. Es ändert sich desshalb nichts,weil Wir irgendwie in
    diesen System mit schwimmen und mitgetrieben werden ohne je das rettende Ufer, das
    eigendlich nah ist zu erreichen.
    Es ist kein Zeichen Geistiger Gesundheit Gut angepasst an eine Kranke Gesellschaft zu sein!
    Das Passt FAST auf Alle zu!

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  2. Grummel schreibt:

    „neue Ideen sollten zugelassen werden.“

    Müssen!

    Aus Neugier, um zu lernen, um zu überleben… survival of the fittest (da ist nicht Fittnes gemeint!)!
    Jeder der die Anpassung an neue Umstände bekämpft klammert sich an ein dysfunktionales System und wird untergehen.
    Wer neue Entwicklungen unterdrückt/bekämpft anstatt diese zu fördern und über die Lebensentwürfe hinweg zu verbinden, nimmt sich (und den Betroffenen erst recht) jede Möglichkeit eine lebenswerte Welt zu schaffen.
    Wenn es die Betroffenen schaffen sich abzukoppeln kann die alte Garde (zu recht) auf keine Gnade/ mehr hoffen, warum auch, um die Dysfunktionalität weiter zu tragen?

    Der Kampf um „Realitäten“ wird, aufgrund von Machtaspekten, gründlich missverstanden.

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