Die anrüchig verlogenen Abenteuer des HdI


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Eine Satireserie über den „Herrn der Insel“ – Geburt der Hochstapelei

Am Anfang war keineswegs das Wort, sondern die Initialzündung einer genialen Idee, sein Leben in Zukunft ohne jedwede wirkliche Mühe selbst in die Hand zu nehmen, ganz nach den Vorstellungen, der Mann sei für seine Taten verantwortlich, nur mit dem klitzekleinen Unterschied, daß die Realität simpelst ausgeschaltet wurde, um sich in eine Welt voller Trugschlüsse zu stürzen, frei nach dem Motto: Ich bin mein eigener Herr, alles hat sich mir unterzuordnen.

Die Geburt der Hochstapelei begann sein weiteres Vorgehen zu bestimmen, „der Herr der Insel“, kurz: der HdI, ward geläutert. Sie lesen richtig, die Initialien sollen ausreichen, erklären sich im Laufe der Serie von selbst, außerdem will doch niemand etwas von dem bedauerlichen Buben aus dem Sauerland. Tatsächlich?

In der Schule, die auch er besuchen mußte, weil eine gesetzliche Schulpflicht bestand, trafen Mitschüler aufeinander, in Gruppenräumen, auch Klassenzimmer genannt, galt es miteinander auszukommen. Der ganz normale Alltag im Bildungswesen, Lehrer vermitteln ihren Schülern Lerninhalte, während Klassenkameraden selbst sich arrangieren, meist friedlich, außer gewisse Charaktere versuchen, anzuecken. Die gibt es überall, wo Menschen aufeinandertreffen, man bezeichnet dies auch als Gruppendynamik.

Der HdI interpretierte dies ein wenig anders in seiner Vorstellungswelt, die geprägt war von dessen authistischer Einbildung, mit ein moderates Mittel, sich auszuklinken, wegzuducken in scheinbar brenzligen Situationen. Jene Behinderung war zu Beginn der 1990er Jahre kein Novum mehr, sodaß seine zuständige Schule keinerlei Veranlaßung sah, ihn entsprechend zu behandeln, was bedeutet hätte, ihn in eine andere „spezialisierte“ Einrichtung zu verweisen. Insofern mußte der HdI sich zähneknirschend damit abfinden, mit den anderen Mitschülern auszukommen und katapultierte sich schnell zum Außenseiter, der als extrem introvertiert und unnahbar galt.

Beste Voraussetzung, wohl der Schlüssel für ihn, sich seine eigene Scheinwelt zu errichten, in der nur er selbst das Sagen hatte. Es gesellten sich nahtlos die visionellen Möglichkeiten der Filmwelt dazu, mittels Schlüpfen in die jeweiligen Rollen seiner Filmhelden fühlte er sich schon bald gewappnet, den neugierigen Fragen seiner Mitschüler oder in der Freizeit entsprechend gestärkt zu begegnen. Konnte natürlich nicht gutgehen, weil die meisten seine Schwächen durchschauten, ihn ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholten.

Was braucht der Mensch, wenn er angeblich in die Ecke getrieben? Richtig, Feindbilder. Die fanden sich zu Beginn der neunziger Jahre schnell, weil etliche Asylsuchende ebenso ins Sauerland kamen, Kinder und Jugendliche in Schulen verteilt wurden. Etwas besseres als den Anschluß zur Neonaziszene fiel dem verstörten Außenseiter nicht ein, der HdI gesellte sich somit zu ihnen. Kameradschaft am Lagerfeuer, Gitarrenspiel und Zustimmung in Parolenbrüllerei stärkten sein Selbstbewußtsein, welches im Schulalltag eher mickrig sich offenbarte.

Zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater entdeckte er durch dessen ohnehin eindeutige Gesinnung die neuentflammte politische Spielwiese der Republikaner, die im patriotischen Gewand ihren Nationalismus zum Besten gaben. Profilierungssüchte entflammten, der Keim zur aktiven Politik erhielt erste Versuche bei Ständen in Wahlkampfzeiten, das ganz gewöhnliche Prozedere der Parteipolitik. Der HdI nannte es von fortan seine Läuterung in der Jugend, auf die er sich gern berief, wann immer sein Ego angekratzt oder angefeindet wurde.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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