Greenpeace vermutet Atomunfall in kerntechnischer Anlage Majak


Verharmlosung alles andere als vertrauens-erweckend

Zu keinem Zeitpunkt gab es hierzulande und europaweit eine Gefahr für die Bevölkerung angesichts höherer Ruthenium-106-Werte, wie man vollmundig den Medien entnehmen durfte, nachdem bereits erhöhte Werte Anfang Oktober gemessen wurden, zunächst das französische Institut für nukleare Sicherheit IRSN ein Medizin-Labor in Russlands Süden oder bei Kasachstan vermutet hatte. Das vorschnelle Ausschließen eines Atomunfalls erweist sich aber jetzt als äußerst trügerisch.

Daß jene Verharmlosung alles andere als vertrauenserweckend sich erweist, bestätigt inzwischen Greenpeace. Der Kernphysiker und Atomexperte Heinz Smital vermutet viel eher einen Atomunfall in der kerntechnischen Anlage Majak, welches sich obendrein mit dem russischen Wetterdienst deckt. In der letzten September- und ersten Oktoberwoche wurde im südlichen Ural, in der Region Tscheljabinsk bei der Meßstation Argajasch, der 986-fach erlaubte Wert von Ruthenium-106 gemessen, just 30 Kilometer von Majak entfernt.

Wie oft wollen Verantwortliche die Bevölkerung noch für dumm verkaufen?

Da muß sich sofortigst die zweite Frage vorwurfsvoll anschließen: Und warum spielen betroffene Menschen gar mit, ohne auch nur ansatzweise endlich mal entsprechend Besserung zu fordern? Haben Tschernobyl sowie Fukushima noch nicht ausgereicht, wiegt man sich in Sicherheit angesichts eines verkündeten Atomausstiegs? Ginge es nach der rechtsradikalen AfD, wäre die Kernkraft längst wieder vermehrt am Netz.

Auch das Schippern von Castor-Transporten auf dem Neckar zeugt von einer hochgradig fahrlässigen Haltung seitens verantwortlicher Politik, und das ausgerechnet im Ländle, wo doch Schwarz-Grün das Sagen hat. Herr Kretschmann verkauft seine „grüne Seele“ der Atomlobby, Herr Oettinger hat’s vorgemacht, menschliche Ignoranz hält locker durch, geht es doch um profitable Wirtschaftsinteressen.

Nichts dazugelernt – die strahlende Last wird weiterhin unterschätzt

Spätestens nach Tschernobyl und Fukushima hätte der Groschen fallen müssen. Jedoch wiegt man sich in eine scheinbare Sicherheit, aus der ein jähes Erwachen erfolgen könnte, sollten russische Behörden und Kontrollmechanismen versagen bei einem bevorstehenden Atomunfall. Statt direkt das Majak-Malheur beim Namen zu nennen, wurde Zurückhaltung geübt.

Dies wäre somit der elfte offizielle Unfall dieser Anlage, wobei der Kyschtym-Unfall vom 29. September 1957 als der drittgrößte Nuklear-Unfall der Geschichte gilt, laut der Helmholtz Gemeinschaft wurde er lange Zeit völlig unterschätzt.

Wird es Konsequenzen geben und Russland zugeben, was da geschah? Wenn überhaupt, dann zeitverzögert, schließlich steht viel auf dem Spiel, der Kreml und somit ebenso ein Herr Putin setzen auf Atomkraftwerke, während hierzulande zwar vom Atomausstieg die Rede ist, wenn auch sehr halbherzig, obendrein die Verharmlosung verantwortlicher Politik über Atommüll und Endlager stets neue Wege findet, die Bevölkerung zu beschwichtigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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