Empathie


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Jeder ist dankbar, wenn ihm in einer schwierigen Lebenssituation jemand begegnet, der die Fähigkeit zur Empathie hat. Doch scheint diese Fähigkeit immer mehr zu bröckeln oder sie wird missbraucht. Politiker, Intellektuelle und kommerzielle Massenmedien betreiben ein florierendes „Geschäft“ mit den Gefühlen der Menschen.

„Die Seele verhökert, weil Sinn entleert…“ sang Herbert Grönemeyer schon 1988 in seinem Titel „Keine Heimat“.

Und hier kommen wir zum Kern des Problems. Wir sind sehr wohl zur Empathie fähig, wenn wir damit Geld verdienen können. Die Zahlen müssen ja schließlich stimmen! Aber wie ist es, wenn uns Empathie etwas kostet: Geld, Zeit, Nerven?

Der Mensch neben uns, seine Qual, seine Wunden, die Ungerechtigkeit, die er erdulden musste und weiterhin erdulden muss? Aber auch die Liebe, die Dankbarkeit, den Segen, den er zu geben hat. Die immateriellen Werte, gibt es sie heute noch?

Jemand mag sich angesichts des immer mehr ansteigenden Weltschmerzes fragen, wo soll ich anfangen, um nicht im Tränenmeer der Menschheit selbst Schiffbruch zu erleiden? Uneigennützigkeit, kann man die sich in den heutigen Zeiten überhaupt noch leisten? Es ist schwierig geworden, sehr schwierig, das gebe ich zu. Also wo ansetzen? Welchen Lösungsansatz habe ich zu bieten, dass ich mir anmaße, dieses Thema hier ein wenig zu verbreiten?

„Der Sinn des Lebens ist der Dienst am einzelnen Menschen.“ Diesen klugen Satz las ich einmal als Jugendliche als Fazit des Liudi Magister Knecht im Roman „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse.

Dieser Gedanke war immer mein Boot geblieben, mit dem ich durch die tosenden Fluten der aufgewühlten Menschheitsseele schipperte. Er war für mich Maßstab, weil ich mir sagte: Ich kann nicht allen Menschen helfen, aber einigen.

Und ich muss ehrlich zugeben: Ich bin keine Freundin von Eintagsfliegen. Ich liebe Kontinuität, Treue, Verlässlichkeit. Deswegen werde ich wahrscheinlich auch nie in die Heldenreihe von besonders aufopferungsvollen Menschen eingehen. Aber doch fühle ich mich ein wenig wohlgeleitet, in meinem kleinen Schifflein namens Empathie.

Gesine Tettenborn

Kategorie: Essays

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