Wo bleibt die Zivilcourage Kunstschaffender?


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Hautnahe Gratwanderung zwischen Kunst und Kultur

Zu Beginn war die Natur, das Leben auf Erden ohne uns Menschen. Dieses Leben war insofern geprägt vom Geschehen der Ökosysteme, den Naturgewalten. Mit dem Homo sapiens erfolgte das Pflegen, den Acker bestellen, die Bearbeitung, was wir heute unter dem sinnigen Begriff als Kultur definieren.

Mit ihrer Hilfe entwickelten sich Technik und geistige Formen in Ethik, Moral, im Rechtswesen, in den Religionen, der Wirtschaft sowie der Wissenschaft, ganz besonders in den Künsten selbst.

Kunst ein Recht sich politisch einzumischen

Menschliche Kultur rechtfertigt diesen Kontext sogar, um ein Überleben zu sichern, es sei denn, wir wollten eine Diktatur, in der daher Kunst zensiert wird. Der Begriff „Politik“ entstammt aus dem griechischen Πολιτικά ( politiká, die politischen Dinge ). Alles was den Staat, das Gemeinwesen betrifft, unterliegt der Politik. Die Politikwissenschaftlerin Agnes Neumayr hat einmal zur Thematik „Kunst und Politik“ gesagt: „Am besten scheinen sich dafür die Künste zu eignen, weil in diesem Bereich kognitive und emotionale Fähigkeiten dynamisch zusammenwirken. Wenn man sich von Kunstwerken beeindrucken lässt, sprechen sie immer unseren Verstand und unsere Gefühle an.“

Exakt das vermögen eigentlich alle Kunstrichtungen wie die Literatur, die Musik, die bildende und die darstellende Kunst. Innerhalb der Literatur gibt es wunderbare Beispiele wie den Meister der Satire, Kurt Tucholsky, den sozialkritischen Bertolt Brecht, aber auch die Altmeister William Shakespeare, Friedrich Schiller, alle drei verfaßten Theaterstücke, die jeweils der Gesellschaft den Spiegel vorhielten. Sicherlich sind da noch etliche große Autoren zu benennen, um aufzuzeigen wie sensibel und kritisch die jeweiligen Künstler auf die politischen Verhältnisse reagierten.

Natürlich offenbart sich dies ebenso in der bildenden Kunst. Ganz besonders der Surrealismus, der aus der dadaistischen Bewegung entstand, Max Ernst und André Breton erfanden ihn gewissermaßen, waren geprägt von ihrer anarchischen, revolutionären Kunst- und Weltauffassung. Jean Miró und Salvador Dalí gingen aus dieser Bewegung hervor.

Was vermochte dabei und vermag Musik, um politische Anstöße, Impulse als Zeichen zu setzen? Sie paßt sich in der Gefühlswelt hervorragend an, weil sie nebenbei durch Texte Botschaften direkt vermittelt, wie Liedermacher uns verkünden. Ob ein Reinhard Mey, ein Franz Josef Degenhardt oder auch die Neue Deutsche Welle mit der Band „Ideal“- sie alle hinterfragten in ihren Texten das politische Geschehen.

Ganz besonders direkt und unverblümt erreicht dies das Kabarett. Mithilfe des Fernsehens werden auch wesentlich mehr Menschen erreicht, als dies Bühnenhäuser vermögen. Die Kabarettsendung „Scheibenwischer“, die Dieter Hildebrandt gegründet hatte, wirkte von 1980 bis 2009 in der ARD. Das aktuelle, politische Geschehen Deutschlands wurde dort stets äußerst satirisch und daher folgerichtig durchleuchtet.

Kein Aufschrei bei der Demontage des Sozialstaates

Wieso jene Schilderung in diesem kleinen Exkurs über Kunst und Kultur? Nun, das ist eigentlich sehr naheliegend und darf durchaus als Appell betrachtet werden an all jene, die noch nicht das gesellschaftliche Leben im Sinne eines „gesunden“, sozialen Staates aufgegeben haben.

Wo sind sie denn, die Intellektuellen, die Akademiker, die Kunstkenner- und freunde hierzulande, wenn Menschen- und Bürgerrechte immer auffälliger eingeschränkt und abgebaut werden? Kaum ein Aufschrei, wenn der Sozialstaat demontiert und die Ärmsten der Armen zur Kasse gebeten werden, während die wirklich Reichen ein Steuergeschenk nach dem anderen erhalten?

Es muß wieder menschliche Wärme Einzug erhalten, und zwar nicht nur in Lippenbekenntnissen oder gar halbherzigen „Tafelspenden“, sondern in Taten, die auch mal die derzeitige Politik nicht nur hinterfragt, sondern konsequent abwählt bis hin zu öffentlichen Statements wie sie hin und wieder beherzte Einzelgruppierungen wagen. Mehr Zivilcourage ist gefragt, sich einzumischen, wenn Ungerechtigkeit überdeutlich gen Himmel schreit.

Das sind die großen Chancen, die von Künstlern immer wieder gesendet werden. Es geht darum, daß auch ihre Bewunderer sie in die Tat umsetzen und somit handeln im Sinne gelebter Nächstenliebe. Denn wenn wir dies nicht tun, verroht die Gesellschaft weiterhin.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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2 Antworten zu Wo bleibt die Zivilcourage Kunstschaffender?

  1. Franz Maier schreibt:

    Die meisten Künstler heutzutage sind alles andere als Intellektuelle. Anstatt den intellektuellen Diskurs zu führen und in die Gesellschaft zu tragen mittels Kunst, prostituieren sich die heutigen Künstler für den Meistbietenden. Darauf kann denke ich jede und jeder ganz gut verzichten.

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  2. hraban57 schreibt:

    Wo habe ich denn im Text behauptet, daß Künstler Intellektuelle seien? In diesem Punkt kann ich unbedingt zustimmen, viele Künstler prostiituieren sich tatsächlich, entweder zu überleben oder gar sehr erfolgreich zu sein. Im Artikel selbst prangere ich eben jene Klientel an, die sich „intellektuell“ gibt, obwohl Kunst eben KEINEN Anspruch haben sollte, selbst so zu sein!!!

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