Polnischer Rechtsruck alles andere als harmlos


https://pixabay.com/de/warschau-nacht-polen-stadt-europa-1017468/

pixabay.com

Nationalismus sucht fortwährend neue Spielwiesen

Überzeugt weltoffen politische Gestimmte raufen sich die Haare ob solch europäischer Entwicklung. Wenigstens die beiden größten Volkswirtschaften verhinderten noch ein Desaster in jene Richtung, die zutiefst menschenverachtend sich zu etablieren versucht. Macron wies Le Pen in ihre Schranken, hierzulande gibt es keine Partei, die mit der rechtsradikalen AfD regieren will.

Östlich und südöstlich aus der Sicht Deutschlands schaut es düster aus mit Blick gen Ungarn, Österreich und seit längerem auch zu unserem östlichen Nachbarn. Der polnische Rechtsruck tobte sich im Herzen Warschaus zum Unabhängig-keitstag aus, gestern vor 99 Jahren wurde nach 123 Jahren Unterjochung unter Preußen, Österreich-Ungarn und Russland die Zweite polnische Republik verkündet.

Von der Geschichtsverdrängung- und Klitterung zugunsten tröger Haßparolen

Welch simple Mittel werden dabei erneut bedient, was früher schon in Nazi-Herrschaftszeiten gelang, stößt trotz Aufklärung stets auf fruchtbaren Boden. Dabei verwunderlich, wer sich die Orte jener rechtsradikalen Gesellen betrachtet, ob in der Ukraine, in den USA oder wie jetzt in Polen, angebliche Patrioten haben keinerlei Berührungsängste mit Neonazis, schließlich gilt es, trögen Haßparolen zu folgen. Rassismus kennt keine Toleranz, es zählt der einmal eingeschlagene fanatische Weg!

Dabei spielen Social-Media sowieso eine nicht zu unterschätzende Rolle, die ebenso im US-amerikanischen Wahlkampf zum Tragen kam hinsichtlich russischer Einflüsse, die nicht zu übersehen waren, wer sich z.B. auf Facebook tummelte. Da mögen Geheimdienste Recht haben oder nicht, ein Herr Putin von all dem nichts gewußt haben oder etwa doch, ein Donald Trump ohnehin seine wankelmütigen Äußerungen in Mikros oder per Twitter zum Besten geben, im Endeffekt greifen die Gesetze gezielter Manipulationen, erst recht im Internet.

Insofern treibt Geschichtsverdrängung- und Klitterung ihr perfides, bösartiges Spiel, um rechtsextreme Standpunkte mit Nachdruck an Verunsicherte heranzutragen, nonchalant werden Medien diffamiert, um eigene Fakenews zu verbreiten, oftmals per zurechtgebastelten Medienseiten, die alles andere als seriös sind. Hauptsache sich simpel austroben, der unkritische Bürger wird, da ohnehin politikverdrossen, in den Bann einfacher Parolen gezogen.

Solidarność war gestern, heute regiert die PiS mit absoluter Mehrheit

Ein fatales Signal, eine Stärkung rechtsradikaler Kräfte, selbst wenn die Prawo i Sprawiedliwość, zu deutsch „Recht und Gerechtigkeit“, sich selbst als konservative Partei bezeichnet, so vereint sie nach deutschen Maßstäben eine Mischung aus Unionspolitik und rechtsradikalen Standpunkten, ein Tummelbecken für all jene, die an Nationalismus, Rassismus und menschenverachtende Intoleranz allem Fremden gegenüber festhalten.

Kein Wunder, daß eine derartige Stimmung in der Republik Polen aufkommt, einem Lech Wałęsa dürfte eine solche Entwicklung nicht spurlos vorbeiziehen, er lehnt schlichtweg die Politik der PiS ab, wenn auch dessen homophobische „Entgleisungen“ im März 2013 für berechtigtes Unverständnis sorgten.

Darf man davon ausgehen, daß solche Reaktionen ebenso mit jener verkorkst fragwürdigen Einstellung zum Klerus zusammenhängt? Immerhin ist bis heute Polen stockkatholisch, somit gehen die Einflüsse der Katholischen Kirche nicht spurlos vorbei.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s