Die fünf Wirtschaftsweisen hinken der Wachstumsspirale hinterher


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Politik soll der Ausdehnung der Wochenarbeitszeit zustimmen

Genau in diese Bresche der Jamaika-Verhandlungen springen jene fünf Wirtschaftsweisen, zumal ausgerechnet die neoliberale FDP mit im Boot, die keinerlei Bedenken hat, Arbeitnehmer profitorientierend zu schröpfen. Kein Wunder, daß sie sich herantrauen, an die Politik zu appellieren, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen.

Gleichwohl verständlich, daß die Gewerkschaften sofort auf der Matte stehen, um dies berechtigterweise anzuprangern. Wenngleich etliche enttäuschte Arbeitnehmer eher skeptisch die Gewerkschaften beäugen, schließlich hatten jene sich simpelst hinter dem Rücken der SPD-Politik weggeduckt, als das rot-grüne Regierungsbündnis die Agenda 2010 ins Leben rief.

Weg von der 35-Stunden-Woche hin zur Arbeitsverpflichtung nach Gutdünken?

Um es sehr deutlich auf den Punkt zu bringen: Wachstum als das Allheilmittel ohne jedwede Bedenken, wann das Ende der Fahnenstange erreicht? Nach uns die Sintflut, Hauptsache der gebeutelte Arbeitnehmer folgt dem Weg nimmersatter Eliten? Wann beginnt endlich das große Aufwachen, was nicht nur hier im Lande völlig verkehrt läuft, sondern weltweit?

Work-Life-Balance, eine englische Wortkreation, die es auf den Punkt bringt, der Ausgleich zwischen Privat- und Arbeitsleben, in der Praxis versucht, genau das auch umzusetzen. Flexiblere Arbeitszeitmodelle mögen durchaus sinnvoll sich einfügen in der Bemühung, jene Balance zu verwirklichen. Aber niemals einseitig und mit Zwang, obendrein damit verbunden, letztendlich wesentlich mehr zu arbeiten, weg von einer mal angestrebten 35-Stunden-Woche hin zu 48 Stunden und gar mehr.

Der Arbeitszeitreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ermittelte, daß 17 Prozent der Beschäftigten sogar mehr als 48 Stunden in der Woche arbeiten. Keine gute Aussichten für all jene, die genau das zurecht anprangern. Während das Klischee vom Workaholic beim Chef, Rechtsanwalt oder Arzt bedient wird, äfft mancher „gewöhnliche“ Arbeitnehmer dieses nach? Mensch als Arbeitssklave ohne Privatleben?

Die Wirtschaftsweisen folgen den Spuren eigener Verfehlungen der Arbeitswelt

Zumal mit einem Blick auf die Liste, wer denn im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sitzt, wird schnell deutlich, warum man keine anderen Optionen erwarten sollte. Die fünf Wirtschaftsweisen sind somit unbedingt beeinflußt von der Idee ewigen Wachstums, statt gänzlich umzudenken.

Wann setzt endlich das Zeitalter von mehr Freizeit ein, hin zu Arbeitszeiten von täglich maximal 6 Arbeitsstunden, einem Grundeinkommen, ob bedingungslos oder nicht, einer völligen Neuorientierung, weil nicht nur der fortschreitende Globalismus wirkt, sondern Mensch endlich bemerken sollte, was wirkliche Lebensqualität bedeutet: sich wesentlich befreiter zu entfalten, ohne Zwänge, die Kreativität wirklich fördernd?

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)

Schwierig in einer Wissens- und Leistungsgesellschaft, die obendrein ein komplett verkehrtes Bildungssystem installiert, welches kaum noch den nötigen Raum für Phantasie zuläßt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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2 Antworten zu Die fünf Wirtschaftsweisen hinken der Wachstumsspirale hinterher

  1. Hans-Peter Fischer schreibt:

    Zurück in den Frühkapitalismus. Der Arbeiter wird es euch danken – von mir kommt ein donnerndes Sichel und Hammer, die Arbeitnehmer sollte man nicht so schlimm ausbeuten, ich kenne das aus fast 48 Jahren als Angestellter, wenn man selbständiger Unternehmer ist wie ich, ist klar, dass die Arbeitszeiten flexibel zu gestalten sind. (Heute Morgen am Sonntag – Herstellung von Flyern und Visitenkarten.) Das alles ist eine Gratwanderung. Die Gefahr ist sehr groß, weil auch die Rentner für ihre Lebensleistung viel zu wenig Geld bekommen, da ist einiges im Argen.

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  2. Arno von Rosen schreibt:

    Es ist wenig weise, dem Raubtierkapitalismus zu folgen, und noch weniger klug, ihn zusätzlich fördern zu wollen …

    Gefällt 2 Personen

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