Braut und Bräutigam einer irritierten Gesellschaft ausgesetzt


https://pixabay.com/de/malediven-sonnenuntergang-hochzeit-698501/

pixabay.com

Warum erklären, was nahe liegt, wenn nebulös offen gelassen?

Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Keine Sorgen, kein Streß, weder persönliche noch von außen einwirkende Unbill stört ab nun die kommenden Jahre, bis das der Tod euch scheide, bis der Tod diesem Schlaraffenlandleben ein Ende setzt.

Natürlich hat diese Vorstellung von einem Schutz unter einem unablässigen begleitenden Glückstern so seinen Reiz und seine Berechtigung in Hinsicht auf freie Entscheidung von Vorstellungsmöglichkeiten, aber warum nur in Verbindung mit dem Heimführen der Braut durch den Bräutigam, mit dem Beginn einer Ehe?

Heutzutage sollte davon ausgegangen werden, daß eine Heirat nicht ein auf die Ewigkeit geschlossener gemeinschaftlicher Lebensweg bedeutet, auch wenn dies als verlockende Aussicht auf immerwährendes friedliches Miteinander unter den Brautleuten stets noch propagiert wird. Die Entscheidung einen gemeinsamen Lebensweg mit seinem Freund, Partner (nicht berücksichtigt sind die arrangierten oder Zwangsehen) einzugehen, ist unabhängig der Gründe für eine Ehe, ein einschneidendes Ereignis. Ob natürlich alle Hochzeiter, die nicht nur den Hochzeitstag mit Familie und Freuden feiern, sondern bereits im Vorfeld sogenannte Junggesellen/Junggesellinnenabschiede, letztendlich wissen, daß der Honeymoon, die Flitterwochen nicht gleichzeitig bedeuten, in eine andere bessere „Haut“ zu schlüpfen oder den zeitweiligen Wunsch erfüllen, die Sorgen, Probleme wären gelöst, ähnlich dem Wunsch „auf einer einsamen Insel“ alles „auf Neustart“ zu beginnen.

Mit einigen wenigen Ausnahmen wird weltweit die Braut von ihrem Vater dem Bräutigam „übergeben“, damit dieser die Braut „heimführen“ kann. Feste, Feiern, Trinkgelage umrunden den Bund der Eheschließung, ebenso weltweit. Demnach sollte es doch möglich sein, zu erfahren, was Braut oder Bräutigam bedeutet, schließlich handelt es sich hier um einen Begriff, der über Jahrhunderte in seiner Aussagekraft ständig in etwa gleichbleibender Bedeutung angewandt wird.

Laut Duden ist die Wortherkunft unbekannt, selbst das Wörterbuch der Gebrüder Grimm (Uni Trier) gibt keine eindeutige Erklärung. Dort wird sogar explizit davor gewarnt, die Wörter Braut und Bräutigam, mit den Wörtern brauten und bräuten in Verbindung zu setzen. (Wie ist nun braut zu verstehn? höchst verkehrt wäre, diesem reinen, edlen wort, wie man gesucht hat (s. hernach brauten, bräuten) unzüchtige bedeutung unterzulegen.) DWB Trier

Dann wollen wir mal diese Wörter brauten und bräuten genauer ansehen, oder? Brauten, bräuten, hochzeit, beilager halten, mhd. briuten (DWB Trier) Nicht fehlen darf das Adjektiv bräutig. Bräutig, die brûtegen lit, die geschlechtstheile. (DWB Trier)

Braut, mittelhochdeutsch, althochdeutsch brūt, Herkunft ungeklärt (Duden) Synonyme sind Ehekandidatin, Auserkorene, Zukünftige, Verlobte.

Bräutigam, mittelhochdeutsch briutegome, althochdeutsch brūtigomo, aus brūt= Braut und gomo, Mann (verwandt mit lateinisch homo = Mann; Mensch) (Duden) Andere Begriffe sind Hochzeiter, Verlobter, Zukünftiger, Mann an seinem Hochzeitstag.

Irgendwie oder sehen Sie das anders, gibt es einen sprachlichen Zusammenhang zwischen Geschlechtsteile und Braut, Bräutigam. Braut sich hier eine absichtliche Front auf, um nicht etwa Unzüchtiges wie Geschlechtsteil, hier ist vielleicht eher der Ausdruck Geschlechtsreife richtig, auszusprechen?

Brauen, mittelhochdeutsch briuwen, brūwen, althochdeutsch briuwan, brūwan, ursprünglich = (auf)wallen, sieden (Duden)

Oh, oh, Mädels und Jungs, nicht daß euer Herz oder gar eure Geschlechtsteile in Wallung kommen, wenn ihr beim Anblick eures Liebsten merkt, daß ihr bereits in der Geschlechtsreife seid!

Siedend heiß kann der Verstand versuchen, sich mit der allgemeingültigen Erklärung zufrieden zu geben, daß Braut und Bräutigam nicht mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife, die unweigerlich zum Erwachsenwerden gehört und einer eventuellen sexuellen Begierde, zu tun haben könnte, aber versuchen Sie mal, einen Brauprozeß zu unterbinden, abzubrechen, entweder explodiert ihr Gebräu oder es wird schal und ohne Genuß.

Natürlich gäbe es noch die Möglichkeit, die Braut, als die zu einem neuen Heim zu Führende und den Bräutigam, als den Führer zu einem neuen Heim zu titulieren, so wie es in den vielen Zeremonien weltweit praktiziert wird, aber wäre es mit dieser Begriffsaussage nicht eindeutig nachweisbar, woher der Wortbegriff stammt?

Vielleicht wagt sich ein Sprachwissenschaftler an dieses Thema und widerlegt entweder die Kolumnistin oder das bis dato geltende „Herkunft ungeklärt“ für Braut und Bräutigam. Das Wort die Brut ist absichtlich nicht aufgeführt, damit der Leser selbst den Begriff „ausbrüten“ kann.

Da es anscheinend wieder in Mode zu kommen scheint, sexuelle Aspekte im Blickwinkel jeglicher Beziehungen als Tabuthema zu verfestigen, und Ehen nur zum Zwecke der „Versorgung“, der „Befreiung vom Elternhaus“ deklariert werden, weil Kinder zeugen und Kinder austragen auch ohne wallende, siedende Körperreaktionen geschehen können, dem sei aus „Die Braut von Korinth“ (Johann Wolfgang von Goethe) folgendes ins Gedächtnis gebracht:

Klag- und Wonnelaut
Bräutigams und Braut
Und des Liebestammelns Raserei.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumnen

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s