Der Verfall unserer Gesellschaft von einem „Irren“ beschrieben


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Würde man Jesus einfach zurückweisen?

Ich habe mal wieder etwas quer durch die Zeiten gedacht zur Entwicklung einer solidarischen Gesellschaft, heute am Beispiel Klaus Kinski. Er beschreibt in seinem Vortrag „Jesus Christus Erlöser“ den Verfall einer solidarischen Gesellschaft, gibt aber gleichzeitig auch Lösungen, um eine solidarische in groben Zügen sozialistische Gesellschaft und das Aufbegehren gegen die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus wieder herzustellen.

Er kritisiert die Furunkel der Menschheit wie den Krieg des Westens in Vietnam, indem er diesen immer wieder erwähnt, was sich wunderbar auf das Heute, die unmenschlichen Kriege, übertragen lässt. Er stigmatisiert die Gesellschaft als zurückgeblieben und verlogen.

Als einleitenden Satz möchte ich direkt einen Sprung in die heutige Zeit wagen und auch unsere politische Entwicklung anführen. Es wird immer offensichtlicher, dass unsere Gesellschaft weder christliche Werte noch solidarische Werte erhalten bzw. ausweiten will. Es wird eine AfD, eine FDP gewählt und eine CDU, welche die Schere zwischen arm und reich ausgeweitet hat in den letzten 4 Jahren.

Dieses Phänomen wurde damals schon von Klaus Kinski erkannt und in seinem Vortrag „Jesus Christus Erlöser“ vorgetragen.  Dieser beginnt mit „Angeklagt ist Jesus Christus…“.  Wenn man sich nun anschaut, dass Klaus Kinski seine Rezitation in den 70ern verfasst und vorgetragen hat, dabei lärmend unterbrochen wurde und keine Rücksicht auf seine vermeintlich außergewöhnlich psychische Situation genommen wurde, ist das im höchsten Maße kritisch zu sehen. Zeigt es doch immerhin auf, dass die Gesellschaft sich ihren damaligen Problemen nicht stellen wollte.

Dieser Mann hatte etwas zu sagen, etwas das die Gesellschaft betrifft und ist abgeprallt. Derselben Ignoranz begegnet man heute auch, allerdings verschärfter.  Leute, die sich um Drogenabhängige, Bettler, Waisenkinder, Geflüchtete, Resozialisierung von Kriminellen kümmern oder alternativ Leben, erhalten keine oder zu wenig Anerkennung, werden gesellschaftlich abgedrängt.

„Der Gesuchte gehört nicht der Gesellschaft an“ erläutert Kinski zu diesem Sachverhalt und fährt sinngemäß fort mit: Er ist weder in Kirchen, noch Parteien und verhält sich weitgehend ruhig. Hier verdeutlicht er das selbstlose, uneigennützige Handeln dieser Personen. Wenn man Gutes tut, solle man nicht mit Trompeten vor sich her schmettern, sondern dies aus Überzeugung tun, erklärt er, sinngemäß wiedergegeben. Dieses Verhalten ist laut seiner und auch meiner Überzeugung Mangelware.

„Ihr sichert euch den ersten Platz in den Kirchen, damit ihr von den Menschen gesehen werdet.“ Im weiteren Vortrag führt er aus: „Aber ihr segnet Waffen ab, die schreiende Mütter in Vietnam töten.“

Damit beschreibt Kinski eine Doppelmoral und eine Gesellschaft, die ihre Augen vor jedem Problem verschließt und vor Egoismus strotzt. Eine Verrohung, die gefährliche Ausmaße angenommen hat, und eine Gesellschaft, die niemandem Schutz oder Hilfe bietet. Diejenigen, die wahre Solidariät leben, werden an die Seite gedrängt, dort, wo sie keiner wahrnimmt oder sogar ausgeschlossen, genauso wie die, die Hilfe brauchen.

Wenn man nun weiterhin zuhört, erläutert Kinski zum besseren Verständnis seiner Figuren, was er tatsächlich ausdrücken will, dass er nicht von dem Jesus spreche im religiösen Sinne, sondern einem Jesus, der unter uns sei. Seine Wortwahl war: „Ich spreche nicht von dem Jesus mit der gelben leberkranken Haut, den eine irrsinnige menschliche Gesellschaft zur größten Hure aller Zeiten macht. Dessen Kadaver sie pervers mit sich herum schleppt an infamen Kreuzen.“

Seine Rolle verkörpert einen Jesus, der kein „Superstar“ ist und „seine Rolle am Kreuz weiterspielt“. Er redet von einem Jesus, dem die Heiligenrituale egal sind und der sich von dem Glauben abwendet. Einem Jesus, der aus Selbstverständlichkeit handelt. Damit kritisiert er die Gesellschaft nochmals und auch die Kirche und ihre Doppelmoral bezüglich Humanität scharf. Hierzu dient ihm wieder das Leid im Vietnamkrieg als Grundlage, offenbar ein Thema, das ihn sehr bewegte. Er hatte eine starke Ambition, den Menschen Abrüstung und Wege zu einer nachhaltigen Friedensentwicklung näher zu bringen.

Kinski wechselt die Rolle und spricht weiter als „Jesus“ und erzählt aus realen Begebenheiten, in denen „Pfarrer Hostien an Soldaten verteilen, die in Vietnam Frauen mit Kinder auf dem Arm abknallen“, das Sicherheit und Frieden mit Gummiknüppeln wiederhergestellt wird. Er sei der „Ungehorsame“, der sich gegen die Ordnung stellt, er ist der Obdachlose, der Gammler. Er zählt  noch weitere Negativbeispiele auf, Leute, die in der Gesellschaft aufgrund von Äußerlichkeiten eine Randgruppe bilden und will damit zeigen, dass gerade in solchen Menschen ein „Jesus“ stecken kann.

Er möchte Liebe in die Herzen werfen, die Gefangenen befreien, die Blinden sehend machen, womit er auf die Kaltherzigkeit anspielt, die in einigen Zeitgenossen lebt. Er kritisiert die „Reichen“ und ihre Blindheit, ihren Hang, sich mit perfiden Kriegsgeschäften zu bereichern, aber gleichzeitig Friedensreden und gesellschaftliche Nächstenliebe zu heucheln und Gutes tun, um mehr Prestige zu erhalten.

Es ist schwer, als ein einfacher Mensch andere Menschen Nächstenliebe und Solidarität zukommen zu lassen, wenn man bewusst ausgestoßen wird, was Kinski uns mit seinem Vortrag aufzeigen wollte. Alle, die dem „Jesus“, dem Erlöser nachfolgen und helfen, werden unvorstellbare Strapazen ertragen müssen, aus Nichtakzeptanz. „Ihr werdet von vielen gehasst werden um meinen Willen, sie werden euch auslachen und verhöhnen, anspucken und schlagen, verfolgen, misshandeln und einsperren und töten.“

Er zeichnet den unaufhaltsamen Verfall der Gesellschaft auf, der sich auch heute noch fortsetzt. Gleichzeitig versucht er damit, den Prozess der Neuerfindung einer verlorengegangenen Menschlichkeit in die Wege zu leiten, in der sich Menschenfreunde wie Märtyrer opfern für mehr Solidarität, Humanität, Gleichheit, was eine Art sozialistische Vorstufe bilden kann.

Damals wurde Kinski als Idiot dargestellt, heute würde ihm das gleiche widerfahren. Hiermit eröffnen sich Fragen:

Würde ein Jesus wie ihn Kinski beschrieben hat, ein Helfer, überhaupt noch einen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben, würde er überhaupt noch wahrgenommen werden? Oder würde man ihn blind links liegen lassen, im Regen stehen lassen? Sind wir innerlich tatsächlich so erblindet, dass wir Menschen eine Wertigkeit nach Äußerlichkeiten einräumen und nicht an Taten messen, würde ein Mann in Lumpen, eben ein Jesus, der Gutes tut, der die Bedürfnisse anderer vor seine stellt, einfach so in der Gosse versinken?

Es ist doch sehr besorgniserregend, dass unsere Gesellschaft lieber die „Ellenbogen-gesellschaft“ vorzieht, keiner sich um den Nächsten kümmert und eine solidarische Gesellschaft immer weiter in den Hintergrund rückt. Von Solidarität wollte schon damals keiner etwas hören ebenso wie anscheinend heute. Der Verfall der solidarischen Gesellschaft, in der jeder jedem hilft, unabhängig von der Vergangenheit eines Menschen, ist mehr als deutlich zu sehen. Diese wird als utopische Idee angeprangert und abgemahnt. Es tut weh, auf Kinskis direkte ehrliche Weise den Spiegel der Gesellschaft vorgehalten zu bekommen, durch eine Rezitation aus den 70ern. Es liegt an uns, uns zu verbessern.

Nils Rudolph

Kategorie: Quergedachtes

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Eine Antwort zu Der Verfall unserer Gesellschaft von einem „Irren“ beschrieben

  1. wolfgang fubel schreibt:

    Wir leben in einer bis zur Unkenntlichkeit pervertierten Gesellschaft
    in einer selbstgerecht geheuchelten und ausgeblendeten realitätsfremden
    Welt, in der der Einzelne realitätbezogene Mensch auf den Scheiterhaufen
    der medialen Verbrennung landet!
    So gut wie alle rennen mit dem unbeugsamen Willen, der Erste zu sein mit
    immer schnelleren Schritten unaufhaltsam auf den Abgrund zu!
    Dieses irre Verhalten ist in den letzten Hunderttausenden Jahren schon
    des öfteren passiert. Selbst das blenden wir aus, trotz der sichtbaren Zeichen!
    Könnte es nicht sein, dass der Kinski einer der wenigen Normalen war und
    sich deshalb der Unverständlichkeit des Unnormalen ausgesetzt hat?!

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