Gebt den Rechtsradikalen keine Bühne


flickr.com/ wuestenigel/ (CC BY 2.0)

Warum Politik alternativlos sein sollte

Die Arme schmerzen beim Schreiben, mitten in der Einrichtungsphase nach ziemlich harten Umzug, immerhin raus aus einem großen Haus, rein in kleines bedeutet neben logistischen Herausforderungen, sich von manchen Dingen zu trennen, erst recht wenn gesundheitlich chronisch belastet eine physische Überwindung, um mal ein wenig persönliches eingangs zu erwähnen.

Nach dieser 19. Bundestagswahl, in der die Gehäßigkeit als Wahlsieger frohlocken darf, schon bald jene AfD im Plenarsaal des Bundestages Platz nimmt, wird nichts mehr so sein wie vorher in Deutschland. Erinnerungen an Weimar keimen bei manchen auf, obwohl ein historischer Vergleich eher fragwürdig, eine gern schnell mal dahergesagte Wiederholung der Geschichte sowieso weder der Realität gerecht wird noch den unsäglichen Opfern dieses Zweiten Weltkriegs und der Herrschaft der Nazis.

Apropos Nazis, bleiben wir doch alle mal sachlich, es gibt keine Nazis, die gehören der Vergangenheit an, die damals erwachsenen jetzt noch Lebenden sterben wortwörtlich aus, höchstens Neonazis trifft eher den Kern der Sache, gleichwohl die unter dem Sammelbegriff Neue Rechte mit einzuordnen sind. Und wenn diese AfD meint, sie würde tatsächlich real gestalten, dann sollten alle sehr genau hinschauen, was da aus der Opposition wohl verkündet wird, außer provokativen Statements darf dabei nichts anderes erwartet werden. Mit Protest hat das nichts zu tun. Politik sollte nämlich stets alternativlos sein, weil ansonsten sie sich in polemischen Grabenkämpfen verstrickt.

Zuvor eine nahezu einmütig schwache Große Koalition, jetzt ein sogenanntes Jamaika-Szenario? Dazu eine SPD, die bereits sich einen kämpferischen Pseudoanstrich verpaßt, einer Frau Nahles nimmt man diesen nicht unbedingt ab, wenn sie in einer Talkshow meint, sie müsse die Liberalen belehren, obwohl sie selbst als Arbeitsministerin in der Koalition mit der Union mehr oder weniger versagte, an der menschenverachtenden Hartz-IV-Praxis festhielt.

Was bedeutet jene neue Bühne der Rechtsradikalen, die nunmehr vier Jahre lang im Bundestag ans Rednerpult dürfen, demokratisch legitimiert, weil manch deutscher Wähler ihr auf den Leim gingen? Eine schier blauäugige Haltung in vielen Bereichen der Gesellschaft selbst bis hin zur Frankfurter Buchmesse, wobei man Buchmessen-Chef Jürgen Boss unterstellen muß, daß er sich nicht über die Tragweite der jüngsten Ereignisse im Klaren zu sein scheint. Sicher doch, gehört es zum Geschäft, sämtliche Publikationen bei Messen zu brücksichtigen, ohnehin ein schwieriger Spagat angesichts rechtsgesinnter Verlage und Autoren, aber die Zusammenarbeit mit der Polizei selbst ließ zu wünschen übrig genauso wie die mit gewissen Sicherheitskräften, die bekanntlich nicht zimperlich mit Kritikern umgehen.

Es schaut weiterhin dramatisch aus, was da auf uns zukommt. Und die Linken? Die haben es nach dieser Bundestagswahl jetzt besonders schwer, sich Gehör zu verschaffen, immerhin formiert sich just ein neoliberales Bollwerk, dem selbst die Grünen nichts entgegensetzen wollen.

Wir können zurückblicken, uns in Erinnerungen schwelgen, am Geschehenen uns erfreuen oder gar fluchend bereuen. Im Grunde mißt das Leben stets unsere Taten. Also, worauf noch warten? Carpe diem

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Quergedachtes abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Gebt den Rechtsradikalen keine Bühne

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Viel Glück und Freude im neuen Heim!

    Gefällt 1 Person

  2. hraban57 schreibt:

    Vielen lieben Dank, Arno. Bei ersterem hatten wir tatsächlich viel Glück im Unglück, ging nochmal halbwegs glimpflich aus. Die Freude bleibt ziemlich groß, zumal es obendrein landschaftlich hier traumhaft schön ist. 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s