Vom Glauben abkommen eine Chance der Selbstfindung?


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Religionen im Widerspruch zur Realität

„Sorglos heile Welt, die sich tagtäglich hier präsentiert, geheiligt seien deine Mittel und Wege, verzeih all die Ungereimtheiten, die den Menschen Leid zugefügt haben, im Namen des Herrn vergib uns all unsere Sünden, Amen.“ Keine Sorge, Sie befinden sich weder in der Bibelstunde noch bei einem Gebet, sondern so ähnlich spielen sich millionenfach gebetsartige Glaubensbekenntnisse ab, die sicherlich auch ganz andere Ausdrucksformen der Um- und Beschreibung anwenden, aber allesamt einem Ziel folgen: der Doktrin des jeweiligen Glaubens.

Es ist noch nicht allzu lange her, daß hierzulande im wesentlichen die Katholische und die Evangelische Kirche unsere Gesellschaft bestimmend gestalteten, andere Religionen bildeten eher die Ausnahme gemessen an den Zahlen ihrer Mitglieder. Hat vor allem die westlich orientierte, industrielle Welt sich trotz vieler Modeströmungen und intensiver Hinterfragungen gänzlich vom Korsett der großen christlichen Glaubensbekenntnisse insoweit befreien können, wesentlich toleranter Andersgläubigen sich gegenüber zu verhalten?

Toleranz scheitert oftmals an der Doktrin mancher Religion

Man sollte sich jede Gesellschaft als ein riesengroßes Gebilde zigfacher Gruppen vorstellen, wobei die Schnittmengen durchaus vielfach vorhanden sind, wer noch weiß, wie sich das in der Mathematik mit der Mengenlehre graphisch dargestellt verhält. Kompliziert wird es, wenn z.B. Vater Moslem und Mutter Christin sind, Tochter zum jüdischen Glauben fand und nunmehr sich in einen überzeugten Punk verliebt, der sich als Atheist fühlt mit einer gewissen Sympathie zum Buddhismus.

Insofern Schnittmengen und Vorurteile, die bewältigt werden wollen, durchaus funktionieren könnten, wenn denn deren Familien-, Freundes- und Bekanntenkreise mitspielen würden. Der Konjunktiv verrät, daß die Ausnahme in der Wirklichkeit äußerst selten toleriert wird.

Was schon sämtliche Philosophen ebenso beschäftigte, die Theologen muß man außen vor lassen, weil sie viel zu engstirnig sich nur innerhalb ihrer religiösen Zugehörigkeit bewegen, bis hin zu Literaten und anderen Künstlern, die Befreiung unserer Glaubensfesseln im Gleichschritt mit dem jeweiligen Zeitgeist zu meistern, vermag bis heute auf den ersten Blick als überwunden gelten, bei genauerer Betrachtung verhält sich dies wesentlich differenzierter bis hin zu gefährlich fanatischen Formen. Nein, die Rede ist nicht gleich vom Islamismus, der ganz besonders seit 09/11 in den Fokus scharfer Beobachtung rückt, sondern mitten unter uns vermehren sich die Reibungsflächen ziemlich unterschiedlicher Religionsgemeinschaften, um den gesellschaftlichen Frieden empfindlich zu stören.

Immer noch Glaubenskriege in den Köpfen der Menschen?

Na klar doch, Kreuzzüge sind Geschichte, so auch die engmaschig verzweigten Machtkämpfe zwischen den alten Königshäusern und den Kirchen, aber übriggeblieben sind die nicht überwundenen gegenseitigen Dogmen und Abgrenzungen der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften. Solange ein friedliches Miteinander auch tatsächlich praktiziert wird, und dafür gibt es etliche positive Beispiele, die im Großen und Ganzen solche Gesellschaften auszeichnen, herrscht im Alltag eine gewisse Toleranz.

Gleichwohl schwelt dabei einiges, bricht manchmal punktuell aus bis hin zu offenem Schlagabtausch im wahrsten Sinn des Wortes. Mal ganz abgesehen von zunehmender Islamophobie oder treffender bezeichnet als antimuslimischer Rassismus, dürfen wir nicht all die anderen Glaubensgemeinschaften unterschätzen, die für Unmut und Differenzen in unserer Gesellschaft sorgen. Waren es früher die als penetrant empfundenen Zeugen Jehovas, weil sie von Haus zu Haus zogen, um den „ewigen Weltuntergang“ zu prophezeien, muß man jetzt manche Ortsteile als gewöhnlicher Christ oder Nichtgläubiger am besten meiden.

Und was im Kleinen hierzulande die Gemüter bewegt, müssen wir erst recht weltweit beobachten. Die Konfliktherde steigern sich bis hin zu Kriegen, bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen oder Terror. Eines der empfindlichsten und zugleich auch sich stetig zuspitzenden Regionen ist weiterhin der Nahe Osten. Gerade dort treffen viele Weltreligionen aufeinander, wobei im besonderen die Rüstungsindustrien davon profitieren und entsprechend hoch die Nachfrage nach Waffen sich gestaltet.

Die verbale Auseinandersetzung, das Analysieren, Verarbeiten und neugierige Erforschen und Entdecken der unterschiedlichen Glaubensrichtungen bis hin zu Sekten, um auch mal dieses inzwischen verpönte Wort zu benutzen, denken wir nur an die äußerst fragwürdigen Scientologen, zeigt vordergründig zumindest die geistige Reife zur Auseinandersetzung, zumal immer mehr Menschen sich gänzlich vom Glauben abwenden, aber parallel dazu eine Instrumentalisierung stattfindet. Von Aufeinanderzugehen kann folglich nicht die Rede sein. Glaubenskriege haben nach wie vor einen schrecklich hohen Stellenwert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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