Frankreich: Das Land der „Faulenzer“ empört sich


https://www.flickr.com/photos/europeancouncil_meetings/34744398744/sizes/z/

flickr.com/ Euopean Council/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Macrons unbeholfener Job als Präsident

Manche mögen ihm wohlgesonnen sein, Emmanuel Macron, dem jungen Präsidenten, der es tatsächlich schaffte, Marine Le Pen in die Wüste zu schicken, mit eindeutiger Mehrheit in den Élysée-Palast einzog. Daß dessen absolute Mehrheit vor schwierigen Herausforderungen stehen würde, war absehbar, zumal ein wirtschaftlich neoliberaler Kurs genau das auch von ihm verlangt.

Schon mehren sich die Stimmen, die ihre Befürchtungen zum Kurs der En Marche als bestätigt sehen, obendrein ein Satz von Macron zurecht besonders sauer aufstößt, in dem er bekundet hatte, er werde von Faulenzern, Zynikern und Extremisten nicht zurückweichen und sein Reformprojekt nicht zurückziehen. Nun „sind die Faulenzer raus“, protestieren gegen die bevorstehende Arbeitsrechtsreform.

Parallelen zur Agenda 2010

Was François Hollande nicht gelingen sollte, vermag der Newcomer Macron mir nichts dir nichts durchboxen, eine Arbeitsrechtsreform, die fatal an die Weichen zur Hartz-IV-Gesetzgebung erinnern. Jenem Wirtschaftskurs, importiert aus den USA, der Ami hat’s mal wieder vorgemacht, initiiert mittels Agenda 2010 ausgerechnet von einer SPD unter Herrn Schröder, das Tor zum Niedrig- und Dumpinglohnsektor weit aufstoßend? Heilsbringer für die oberen Zehntausend, Knebelverträge und staatliche Gängelei fürs malochende Volk, Hauptsache die Pfründe jener arroganten Klientel sind gesichert?

Auch ein Emmunel Macron funktioniert lediglich wie ein aufgezogenes Uhrwerk, dem er schnurstracks folgt, während hierzulande gleichwohl die „Suche nach sozialer Gerechtigkeit“ selbst im Bundestagswahlkampf sich erneut als Trugschluß bestätigt. Sie dient einer Augenauswischerei, in Wirklichkeit bestimmt das Wirtschaftsdikat der Großkonzerne soziale Belange und Abhängigkeiten.

Der Kapitalismus stößt nicht nur an seine Grenzen

Er bricht längst zusammen, nur daß ganz besonders neoliberale Politik eisern an ihm festhält, Das dürfen wir in den USA genauso beobachten wie im deutschen Wahlkampf, eine FDP darf bereits wieder über Koalitionen sinieren, bis hin nach Frankreich selbst. Wer als zweitgrößte europäische Wirtschaftsnation mitreden will, hat sich dem weltweiten Wirtschaftsdiktat unterzuordnen. Das gilt somit auch für Macron, der seine Rolle unbedingt brillant umsetzen wird: rücksichtslos und ohne jedwede Gewissensbisse. Wer keine Armut kennt, stets hofiert wurde, für den gibt es schlichtweg keine sozialen Belastungen.

Erneut zeigt sich der wahre Kern des Problems: Raubtierkapitalismus ist per se zerstörerisch, setzt nicht nur seine Ellenbogen zu Lasten aller Benachteiligten ein, sondern schützt Gewinner, Verlierer müssen auf der Strecke bleiben. Pretty Woman war gestern, heute herrscht der Ausverkauf letzter Bestände, morgen schon mögen radikale Systeme ihn per Gewalt erst recht festigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s