Jahrestag zum Fabrikbrand in Pakistan: Kik weiterhin am Pranger


Gutachten entscheidet die Fortsetzung des Prozeßes

Dramatische Ereignisse bleiben uns haften, 9/11 vor heute sechzehn Jahren, vor fünf Jahren der Brand der Textilfabrik Ali Enterprises im Stadtteil Baldia Town von Pakistans ehemaliger Hauptstadt Karatschi, bei dem 259 Menschen ums Leben kamen. Im März 2015 initiierten im Namen etlicher anderer vier betroffene Opfer eine Klage gegen den Textil-Discounter KiK vor dem Landgericht Dortmund, ein Gutachten entscheidet die Fortsetzung des Prozeßes.

Jahrelang hatte KiK ohnehin seine Mitarbeiter selbst hierzulande weit unter dem Mindestlohn arbeiten lassen, das Arbeitsgericht in Dortmund erwirkte schließlich nach langen Protesten, daß KiK nachgab, was das Unternehmen nicht davon abhielt, seine Mitarbeiter auszuspähen, auch gesundheitsgefährdende Stoffe im Sortiment ihnen und den Kunden zuzumuten. Was interessiert die Kritik, Hauptsache Profite werden erwirtschaftet.

Rechtliche Schlupflöcher dienen der Verhinderung gezielter Schuldzuweisung

Wie schon die Rechtsanwältin Carolijn Terwindt, die für die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional Human Rights in Berlin arbeitet und die Kläger im Prozeß gegen KiK juristisch begleitet, betonte, letztlich entscheidet ein Gutachter, inwiefern pakistanisches Recht als Grundlage für Haftungsansprüche gegen den Textil-Discounter ausreicht.

Obwohl das Unternehmen davor stets versichert hatte, seine Zulieferbetriebe regelmäßig zu kontrollieren, verließ sich KiK gleichwohl auf schlampig fragwürdige, also angeblich unabhängige Zertifikate. Jene Zertifizierer wiederum berufen sich auf ihre beschränkten Prüfaufträge. Somit dienen rechtliche Schlupflöcher der Verhinderung gezielter Schuldzuweisung, ein eklatanter Mißstand, den besonders politisch Verantwortlichen mit anzukreiden ist.

Billigpreise für hiesige Verbraucher und die Kehrseite der Medaille

Gehen Sie mal ganz bewußt in eine KiK-Filiale, schneuzen vorher Ihre Nase und riechen gezielt. Na, bemerken Sie was? Genau, unangenehme Gerüche, manch einem mit empfindlichen Magen kann gar schlecht werden. Wer seine Produkte im Ausland, speziell in Asien herstellen läßt, der weiß natürlich, daß dort Vorschriften und gesundheitsgefährdende Stoffe nicht allzu ernst genommen werden nebst Sicherheitsbedingungen.

Azo-Farbstoffe, erhöhte Bleigehalte, Biozid in Schuhen, Formaldehyd in Kinderspielzeugen, um nur mal ein paar gefährliche chemische Verbindungen aufzuzählen, belasten die Verkäufer und den Kunden selbst. Aber mal Hand aufs Herz: Mußte erst in Pakistan eine Fabrik abfackeln, Menschen sterben, bis der „bequeme Verbraucher“ bemerkt, wenn überhaupt, was solche Firmen wie KiK und ihre Handelspartner alles ignorieren, um sich selbst zu bereichern?

Die Kehrseite der Medaille bedeutet, daß Ausbeutung weiterhin stattfindet, ob rechtlich verbindliche Abkommen, wie das Accord on Fire and Building Safety, welches auch KiK schließlich unterzeichnete, tatsächlich Einsicht und entsprechende Handlungen bewirken, sollte zunmindest kritisch angezweifelt werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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