Frankfurter Fliegerbombe erzwingt größte Evakuierung Deutschlands


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flickr.com/ Keijo K. Knutas/ (CC BY-NC 2.0)

Zehntausende Blindgänger nach wie vor weit verstreut

Heute mittag soll planmäßig die Entschärfung einer 1,8 tonnenschweren Luftmine, ein grausames Übrigbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Bauarbeiten in der Nähe des Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität entdeckt wurde, beginnen. Dadurch wurde die größte Evakuierung Deutschlands erzwungen, die bereits heute morgen um 6 Uhr begann, bis zu 70.000 Menschen müssen die Sperrzone verlassen.

Dennoch stellt dies lediglich die Spitze des Eisbergs dar, die Kampfmittelbeseitigung hat noch einen ziemlich langen Job vor sich, wenn bis zu rund 100.000 vermutete Blindgänger gefunden und entschärft werden müssen, was einige Jahrzehnte dauern wird. Immerhin warfen die Alliierten während des gesamten Zweiten Weltkriegs an die 2,67 Millionen Tonnen Bomben ab, kein Wunder daß noch etliche Blindgänger, oftmals wie der heutige in Frankfurt, ebenso unter Häusern verborgen liegen.

Zivile Kampfmittelbeseitigung – ein lebensgefährlicher Job

Das wissen die Spezialisten, meist ausgebildete Munitionsfachleute oder Feuerwerker aus der NVA oder der Bundeswehr, die obendrein oftmals Sprengberechtigte sind. Zwischen 2000 und 2010 kamen acht Kampfmittelräumer beim Einsatz ums Leben, am 01. Juni 2010 starben auf dem Göttinger Schützenplatzgelände drei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes bei den Vorbereitungen zur Entschärfung einer Bombe mit chemisch-mechanischen Langzeitzünder.

Aber auch Baggerfahrer können Pech haben wie zuletzt am 03. Januar 2014. Beim Umschichten von Bauschutt in der Nähe von Bonn detonierte eine 1,8 tonnenschwere Luftmine, der Baggerfahrer kam ums Leben, 13 Menschen wurden dabei verletzt. Die zweitgrößte Evakuierung Deutschlands fand am 16. Dezember des letztes Jahres in Augsburg statt, 54.000 Menschen mußten wegen der Entschärfung einer Luftmine sich außerhalb der Sperrzone begeben.

Kein Ende in Sicht nach dem Zweiten Weltkrieg

Manche formulieren es ziemlich direkt: Der dritte Weltkrieg habe längst begonnen. Mit Blick zu den etlichen Stellvertreterkriegen, die parallel zum Kalten Krieg stattfanden, bis heute anhalten, siehe Syrienkrieg, darf man sich zurecht wundern, wie kaltherzig und brutal Mensch sich doch verhält hinsichtlich dem Bewußtsein über dessen Auswirkungen selbst Jahre später. Zehntausende Blindgänger allein hierzulande sollten eigentlich nachdenklich stimmen. Davon keine Spur.

Wenn eine Frau Merkel selbst Herrn Trump Folge leistet und den Bundeswehretat kräftig erhöhen läßt, so auch mehr Soldaten die Bundeswehrtruppe unterstützen sollen, zeigt dies doch gleichzeitig, wie simpel die Welt weiterhin tickt. Statt Frieden schaffen mit immer weniger Waffen, geschieht exakt das Gegenteil. Die Konsequenz daraus: eine Zunahme kriegerischer Auseinandersetzungen, auch in Europa ohne weiteres wieder im Bereich des möglichen.

Krieg bedeutet immer Zerstörung, eine Kapitulation des Humanismus. Solange Menschen nicht begreifen, daß sie selbst entscheidend mitbeteiligt sind an Entwicklungen, die zu Kriegen führen, ändern sich derartige Szenarien nicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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