Die Lust am Spiel eine lebenslange Beschäftigung


https://pixabay.com/de/stra%C3%9Fe-kinder-spielen-bunt-m%C3%A4dchen-2672029/

pixabay.com

Begreifen mittels spielerischer Art und Weise

Selbstverständlich finden auch Tiere viel Freude am Spielen, allerdings soll sich hier näher mit uns Menschen darüber auseinandergesetzt werden. Bereits im Babyalter beginnt bei der Verarbeitung der aller ersten weltlichen Eindrücke diese kreative Kombination zwischen Begreifen und dem Prozeß, dies auf spielerische Art und Weise zu verarbeiten.

Obwohl es sogar bestimmt in der pränatalen Phase bereits stattfindet, denken wir nur an die äußeren Einflüsse wie Musik oder menschliche Stimmen, auf die das Menschenwesen im Bauch der Mutter reagiert. Und allein schon der Gebrauch der Finger bedeutet eine spielerische Variante. Die Lust am Spiel insofern eine lebenslange Beschäftigung?

Eine Welt ohne Spielen wäre kontraproduktiv

Ohne die Möglichkeit spielen zu dürfen, würden wir Menschen es um ein Vielfaches schwerer haben, überhaupt die Welt nicht nur zu begreifen, sondern darüber hinaus auch in ihr sich zurecht zu finden. In diesem Kontext muß ganz besonders der Austausch untereinander hervorgehoben werden. Für den Homo sapiens als soziales Wesen bedeutet das Spielen gleichwohl Überleben, weil sämtliche Situationen theoretisch erlernt, durchgespielt werden.

Der deutsche Philosoph Hans-Georg Gadamer schrieb in seinem Werk „Wahrheit und Methode“ so zutreffend: „Im spielenden Verhalten sind alle Zweckbezüge, die das tätige und sorgende Dasein bestimmen, nicht einfach verschwunden, sondern werden auf eigentümliche Weise gestaltet. Das Spielen geschieht nicht nur ‚um der Erholung willen‘, sondern dient auch der Heilung von unguten Regungen und Gemütszuständen.“ Und genau das verdeutlicht somit den sehr starken Einfluß im Heranwachsen, um da draußen sich zu bewähren.

Hinzu kommt eines der wichtigsten Vorrausetzungen: die Kreativität. Phantasie darf letztlich keine Grenzen gesetzt werden, solange sie niemanden Schaden zufügt. Im Spielen selbst, insbesondere beim Rollenspiel, bewältigen wir unser eigenes Seelenheil, die Struktur der Psyche, aber auch mit aggressiven Impulsen umzugehen sowie im späteren Verlauf erotische Gefühle zu verarbeiten. Dabei wird uns gerade die Phantasie zur Hilfe eilen, dient als Weg, unsere noch zu findende Realität zu gestalten, auch wenn beim spielerischen Prozeß dies viel eher im Unbewußten stattfindet. Um so wichtiger, den Kindern möglichst viele Freiräume zu gewähren, damit sie das Spielen ausleben können und dürfen!

Bewahren wir uns das Spielen, um es bis ins hohe Alter auszuleben

Nach wie vor wird der Kreativität im Alltag viel zu sehr mißachtet, eben nicht wirklich nachvollzogen. Jedoch würde gerade ohne die Kreativität Stillstand herrschen bei sämtlicher Entwicklung. Was hat das jetzt mit dem Spielen dabei auf sich, werden Sie sich vielleicht fragen? Eine ganze Menge. Schließlich hat im Arbeitsleben selbst das Spielerische einen nicht zu unterschätzenden Einfluß, unabhängig von den vielen Berufen, wo Kreativität ein Muß darstellt.

Der US-amerikanische Erziehungswissenschaftler und Psychologe, Howard Gardner schrieb in seinem Buch „Intelligenzen – Die Vielfalt des Geistes“ folgenden, interessanten Gedankengang: „Menschen sind schöpferisch, wenn sie bei der Lösung von Problemen, bei der Herstellung von Produkten oder bei Aufgaben innerhalb einer Disziplin auf eine Art vorgehen, die zwar grundlegend neu ist, schließlich jedoch in einer oder mehreren Kulturen akzeptiert wird. Dementsprechend ist eine Arbeit schöpferisch, wenn sie anfangs als neuartig auffällt, mit der Zeit aber in einer Domäne Zustimmung findet.“

Nur was nutzen all diese Erkenntnisse und das Betonen über die Notwendigkeit, das Spielen selbst als wichtigen Bestandteil in unserer Gesellschaft zu dulden und zu fördern sind, wenn sogar darüber hinaus ganz gezielt es verhindert wird? Nein, diese Frage dürfen Sie nicht als Pessimismus werten, sondern leider hat sie ihre Rechtfertigung. In einer Welt des Materialismus, dem Fokus eines oberflächlich zwischenmenschlichen Zusammenlebens, wird dem Spielen immer weniger Raum gelassen, weil Menschen sich den Gesetzen der Wirtschaft selbst unterzuordnen haben. Alles dreht sich nach der Gier des Wunschdenkens eines ewigen Wachstums, den es nur auf Kosten anderer geben wird. Auf der Strecke bleiben folglich ebenso die Kreativität und das Spielen selbst.

Bewahren wir uns das Spielen, um es bis ins hohe Alter auszuleben. Denn auf diese Weise wird unsere Welt ein wenig erträglicher, und ganz nebenbei können wir auch noch spielerisch gute Ideen entwickeln, die wiederum allen zu Gute kommen.

„Die größte Kunst ist, den Kleinen alles, was sie tun oder lernen sollen, zum Spiel und Zeitvertreib zu machen.“ (John Locke)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s