Mir kommt echt der Mock hoch


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Ein Laut in sämtlichen europäischen Sprachen

Nicht überall bekannt diese Redensart, oder? Die Aussage läßt unschwer erkennen, sie ist nicht unbedingt appetitlich, denn sie bedeutet in etwa, mir kommt die Galle hoch, jemand ist sehr angewidert, wütend. Es ist eine derbe Ausdrucksweise und eher in der Umgangssprache zu finden.

Wenn man allerdings „Mock“ als Nachname führt, liegt die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, diese Redensart schon früh in den Ohren klingeln zu hören. Denn gibt es nichts Schöneres, als jemanden zu ärgern und dann noch mit so eine Steilvorlage wie ein Name?

Warum und wieso „Mock“ als etwas Unappetitliches gilt, liegt zwar im Nebel der Vergangenheit verborgen, trotzdem kann man eine direkte Verbindung mit der Hauptstadt Moskau der Russischen Föderation ersehen. In Москва́ verbirgt sich der Name eines Flußes, nämlich des Moskwa (Москва́), Nebenfluß des Oka. Phonetisch klingt dies aber nach „mɐˈskva“, werden Sie jetzt einwenden. Stehende Flüsse, mit Schilf bewachsen, dünsten ab und an unangenehme Gerüche aus, genauso moorige Seen. Fast alle menschlichen Ansiedlungen sind an Seen oder Flüssen entstanden. Die Moskwa wird je nach Wetterlage ihren Geruch weiterverbreitet haben, der als Gestank wahrgenommen wird.

Jedenfalls wird „Mock“ gleichgesetzt mit, hier stinkt´s. Hier mockt es voll, heißt in etwa, hier ist nichts los, stinklangweilig, oder ein Gerät funktioniert nicht wie erwartet, das kann mit den Worten erklärt werden, das ist mit den Sachen immer das gleiche Mock.

Kennen sie eine Mocke? Das ist die Bezeichnung für eine Sau, ein Schwein. Möglicherweise stammt der Name aus dem keltischen. Wissen Sie was ein Mocken ist? Ein großer Brocken, ein Klumpen, ein dickes Stück. Haben Sie Lust, einen zu mocken? Sprich, einen Joint zu rauchen. „Suure Mocke“ ein Kochrezept und möglicherweise weltberühmt, kennen Sie natürlich! Im Schwedischen finden sich Wildleder, Mokka, ausmisten, Stunk machen unter dem Wort „mocka“.

Haben Sie sich schon mal über etwas mokiert? Mokieren, sich über jemanden lustig machen, spotten, abfällig äußern. Laut Sprachwissenschaft dem französischen Wort moquer, spotten, entnommen. Apropos spotten, ins Englische übersetzt, to mock.

Haben sie schon einmal eine mockturtlesoup gegessen? Dies ist eine unechte Schildkrötensuppe aus Kalbskopf. Kennen Sie mocking-bird? Die Spottdrossel? Im englischen finden sich eine ganze Reihe von Begriffen die „mock“ als Wort vorangestellt haben. Meistens in Verbindung mit „spotten“ oder „so tun als ob“.

Wegen „so tun als ob“ gibt es Mockakademien. Genauer gesagt Institutionen, die mögliche Geschehnisse, Aktionen, Verhandlungen simulieren. Zum Beispiel im Bereich der Jurisprudenz, der Dolmetscherschulen. Die mock-ups sind Attrappen oder Nachbildungen zur Präsentation. Mock-Objekte sind sogenannte Hilfsmittel, die als Platzhalter dienen von Modultests bei der Softwareentwicklung.

Wer kann schon von sich sagen, daß sein Nachname so eine Menge an Bedeutungsmöglichkeiten hat? Ich! Und nicht nur ich, sondern auch:

„Jerrie“ Geraldine Mock, amerikanische Pilotin (Mock war die erste Frau, die die vollständige Weltumrundung im Flugzeug absolvierte. Wikipedia)

Alois Mock, österreichischer Politiker

Freida Lee Mock, amerikanische Drehbuchautorin

Rudolf Mock, slowakischer Geologe

Hanns Mock, deutscher Turner

Joachim Mock, deutscher Schauspieler

und, und , und.

Dies ist keine vollständige Bedeutungsaufzählung, noch eine konkrete Herkunftsbeschreibung des Wortes, Begriffes „Mock“. Da das Wort, der Laut in sämtlichen europäischen Ländern benützt wird, liegt die Wahrscheinlichkeit, daß es sich um ein keltisches Wort handelt, sehr hoch. Der Geruch, der zuweilen an Seen und Flüßen zu riechen ist, modrig, verfault, ist ein Erinnerungsüberbleibsel an die Ursuppe, aus der wir alle stammen. Versuche, Mooren, sogenanntem Brackwasser, Sümpfen durch Anlagen den unangenehmen Geruch zu nehmen, sind vielerorts gescheitert, die Resultate waren in vielen Fällen weitaus übelriechender.

Im spanischen bedeutet moque, Harz. Harz, das flüssige Gold, nicht wasserlösliche Flüssigkeit bei Pflanzen, nach Verletzungen, um die „Wunde“ zu heilen, begehrtes Bernstein, als Beigabe für Wein (Retsina), köstlich nicht nur zum Ansehen, sondern auch beim Genießen. Mokieren Sie sich ruhig über den Gestank oder was Ihnen ansonsten aufstößt, möglicherweise sind Sie ein kleines bißchen in Ihren Gefühlen verwundet worden und müssen sich Luft machen, vielleicht besteht aber auch die Möglichkeit, daß Sie moque ausscheiden, damit Ihre Wunde geheilt wird. Mock, moque wird’s dann schon richten, egal ob es Ihnen stinkt, Sie spöttisch kommentieren, falls Sie dadurch geheilt werden und sich durch die Ursuppe zu neuem Leben gekämpft haben, was denken Sie, gibt es einen schöneren Namen dafür als Mock?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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