Umfragen: Demoskopen entlocken schräge Schlagzeilen


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Willkommenes Instrument der Manipulation

Der Günther Jauch macht’s dank des Fernsehens, immerhin moderiert er regelmäßig fünf Sendungen, allesamt beim RTL. Wer dermaßen eingebunden bei einem privatrechtlichen Sender, dem schenkt der arglose Zuschauer sein Vertrauen, ihn zur Nummer eins als Deutschlands größtes Vorbild zu wählen, so will es die Forschungsgruppe Forsa im Auftrag der „Hör zu“ herausgefunden haben.

Blickt man auf Platz zwei, zuckt so mancher zusammen. Ausgerechnet ein Joachim Gauck, der die Agenda 2010 hochhielt, den Atomausstieg gar als „Gefühlslage der Nation“ abtat, Thilo Sarrazin Mut zusprach? Demoskopen scheinen nicht nur schräge Schlagzeilen zu entlocken, sondern Umfragen mögen ebenso ein willkommenes Instrument der Manipulation darstellen.

Günther Jauch in die Fußstapfen eines Helmut Schmidt?

Fünf Jahre zuvor stellte dasselbe Institut im Auftrag des Stern gleichwohl die Frage, wer denn das größte Vorbild der Deutschen sein möge, allerdings mit einer klaren Vorgabe von zwölf Personen. In anderen Worten hinkt hier der Vergleich bereits mit der jüngsten. Nicht die Überschriften, die suggerieren eine Verzerrung sondergleichen.

Insofern löst kein Günther Jauch Helmut Schmidt ab, letzterer wurde gezielt angeboten, was ein himmelweiter Unterschied bedeutet. Dennoch darf man sich über das Ergebnis der Hör-zu-Umfrage nicht wundern, wenn auch 14-Jährige mit einbezogen wurden, dann kann schon mal ein Hape Kerkeling Platz fünf ergattern. Aber daß Schlagerstar Helene Fischer und Sahra Wagenknecht den gemeinsamen Platz 37 erreichen, soll uns was sagen? Je länger man sich die beiden Umfragen betrachtet, desto fragwürdiger der Ansatz, oder?

In der Politik schaut’s etwas anders aus

Da Meinungsforschungsinstitute mit eigener Fehlerquote hadern müssen, liegen sie manchesmal somit nicht richtig. Aber das gehört wohl zum Geschäft, der Wankelmut der Wähler läßt sich nicht unbedingt verläßlich vorausahnen.

Rund ein Jahr vor der jetzigen Bundestagswahl lagen noch andere Zahlen vor, zeichnete sich ein Aufwärtstrend jener AfD ab. Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Allensbach bescheinigte ihr als drittgrößte Kraft im Plenum satte 12,5%. Laut Forsa und GMS von gestern sind es nur noch 8 bzw. 7%. Dafür legte die Union im Vergleich zu mit rund 7% mehr als 2016. Die Grünen mußten ebenso Federn lassen, verloren rund 3%. Das Duell zwischen der Linken und der FDP verbleibt konstant. Nun wird am 24. September gewählt, dann zeigt sich, wie falsch oder richtig die Demoskopen liegen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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