Bialowieza-Urwald weiterhin massiv gefährdet


Polens Politik völlig aus dem Ruder?

Der größte gemeinsame Nenner, den man unbedingt auch außerhalb der Mathematik als Metapher anwenden sollte, bedeutet bei unserem östlichen Nachbarn in der Republik Polen die fragwürdige Haltung der Justiz, die seit jüngstem insofern die Rechtsstaatlichkeit aushöhlt, im Verhältnis zur sich bestätigenden Willkür.

Ganz offensichtlich eine willkommene Gelegenheit für den polnischen Umweltminister Jan Szyszko die Gefährdung des Bialowieża-Urwaldes nonchalant fortzusetzen. Eine Klage Mitte Juli seitens der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof mit der einstweiligen Anordnung, die Abholzung zu stoppen, wird einfach mißachtet. Was interessiert Polen eine EU oder Naturschutz, selbst die Warnung der UNESCO zählt nicht, kurzfristige Profite verlocken die verantwortliche Regierung, deren Politik völlig aus dem Ruder zu laufen scheint.

Naturschutz geht uns alle etwas an – Medien werden angegriffen

Ausnahmslos, so daß wir selbst uns gefälligst einzumischen haben, falls einzelne Uneinsichtige den Naturschutz einfach mißachten wie in diesem Fall Polens Regierung. Insofern sind Proteste und Demos vor Ort wie im Bialowieża-Urwald absolut notwendig, das Protestcamp als auch die durchgeführten Sitzblockaden verdeutlichen den Ernst der Lage.

Daß es dabei nicht friedlich zugeht, durfte ein Fernsehjournalist am eigenen Leib erfahren, der am 29. Juli von Holzfällerarbeitern zusammengeschlagen wurde, als er einen Film über den verbotenen Holzeinschlag drehte. Kein Recht auf Berichterstattung in Polen? Völlige Ignoranz treibt Polens Umweltminister an, der zu Beginn des Augusts betonte, er wolle an der Rodung der Bäume in dem Biosphärenreservat festhalten.

Polens Justiz ein Tête-à-tête zur Willkür?

In diesem Kontext wirft das Verhalten des Umweltministers ein äußerst trübes Licht auf Machenschaften, die nicht nur die Rechtsstaatlichkeit innerhalb Polens in Frage stellt, obendrein zurecht die EU selbst auf den Plan ruft. Die jetzt in Kraft tretende umstrittene Justizreform erlaubt dem Justizminister Zbigniew Ziobro, willkürlich Gerichtsvorsitzende auszutauschen und durch neue ersetzen zu dürfen. Kein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Viel eher dienen solche Regierungsentscheidungen eben nationalkonservativen Kräften im Lande, ihre Macht rigoros auszubauen, selbst wenn internationale Abkommen und Verträge dabei untergraben werden. Eine merkwürdige Haltung, die obendrein eher zur Isolation führen mag. Nichtsdestotrotz leidet hier aktuell der Naturschutz, Erinnerungen an Doris Nefedovs Song, allen eher als Alexandra bekannt, „Mein Freund der Baum“, werden wach, wenn man das arglose Treiben im Bialowieża-Urwald verfolgt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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Eine Antwort zu Bialowieza-Urwald weiterhin massiv gefährdet

  1. Arno von Rosen schreibt:

    So läuft das übrigens auch in Rumänien, IKEA sei dank.

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