Schirm aus Glas


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Monika ist eher zierlich, wirkt verwachsen,
sie hat Glasknochen, bringt alle zum Lachen.
Die Diagnose erschütterte die Familie,
außer Opa, bloß kein Erdbeben, er witzelte.

Wo ist ihr Handicap, es ist alles an ihr dran?
Durch Glas man vieles besser sehen kann.
Dich kriegen wir groß und stark,
wer hat das schon, Knochen aus Glas?

Geschichten las er ihr vor, Märchen,
von Menschen, ihrem Leid, ihren Stärken.
Kombinierte ein Lied von Liz und Tim,
daß ihre Liebe nur durch Glas Feuer fing.

Als sie mal traurig war, sie nie vergaß,
schenkte er ihr einen Schirm aus Glas.
Ein kleiner winziger Schirm mit Mechanik,
mit Knopf zum Öffnen, Schließen, ohne Trick.

Schau, er ist wie du, klein, zerbrechlich,
aufgespannt, groß, fast übermächtig.
In Wirklichkeit sind wir alle winzig,
das aufgespannte Herz erst macht riesig.

Sieh mit diesem Herzen auf die Welt,
Größe, Stärke ist nicht, was zählt.
Seither sammelt Monika Schirme,
bunte, aus Papier, Seide, Folie.

Osteogenesis imperfecta habe ich,
vieles ist mühsam, oft ist es hinderlich.
Monika lacht, mit Behinderung mag man anecken,
meinen Glasherzschirm werd ich nie verstecken.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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