Piep Schnurzegal oder wieso einem alles schnuppe sein soll


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Von Sternschnuppen und schnurrenden Katzen auf Sofas

„Du bist mir schnuppe!“ Das ist ein freundlicher Ausdruck von, du gehst mir am Arsch vorbei, dir zeige ich die kalte Schulter, du oder das, was du tust, interessiert mich nicht im Mindesten. Mit diesem Satz hat man einen Korb bekommen, wird die Person mit Füßen getreten. Zwar hört sich „schnuppe sein“ harmlos an, dennoch zeigt es im Verständnis des Satzes eindeutig die Wertlosigkeit, das Desinteresse, die für jemanden empfunden wird.

Wer kann sich der Faszination der Sternschnuppen entziehen, wenn Zeiträume anstehen, bei denen die Wahrscheinlichkeit sehr groß oder zumindest groß besteht, eine Sternschnuppe zu Gesicht zu bekommen? Sternschnuppen sind uns demnach nicht schnuppe, oder? Also die Schnuppe ist nicht schnuppe? Doch, ist sie!

Schnuppe, heißt so viel wie jemand oder etwas ist mir egal, gleichgültig.

Die Schnuppe, mittelniederdeutsch snup(p)e, zu snuppen, den Kerzendocht säubern. Der verkohlte Kerzendocht wird entweder abgeschnitten oder ersetzt.

Die Sternschnuppe, früher hielt man die Sternschnuppen für „Abfälle“ von Sternen. Andere Wörter sind, Meteor, Feuerkugel, Schnuppe.

Sternschnuppen sind Meteoroide, quasi verglühende Mini-Meteore, Staubteilchen, Steinbröckchen.

Du bist mir schnuppe, könnte auch übersetzt werden, du bist Abfall, unnötiger Ballast, Müll.

Es ist nicht ganz ungewöhnlich, wenn Menschen schnuppern, wenn sie eine neue Umgebung betreten. Bei Tieren ist das Schnuppern sogar überlebensnotwendig. Trotzdem sollte man das Schnuppern der Menschen nicht vollkommen außer acht lassen, auch wenn wir es hier eher als riechen benennen. Wenn man jemand nicht riechen kann, ist es nicht deshalb, weil die Nase verschnupft ist, sondern drückt aus, den mag ich nicht. Ist also ein ähnlicher Ausdruck wie „schnuppe sein“.

In der Sprache findet sich allerdings doch der Zugang von schnuppern als Ersatz für riechen, nämlich, wenn jemand in fremden Sachen schnuppert, wenn auf den Reklametafeln mit Schnupperangeboten Kunden gelockt werden sollen, wenn Schnupperkurse angeboten werden, damit man eine leichtere Entscheidung erringen kann, diesen Kurs zu belegen, genauso bei Schnupperlehre, Schnupperstudium.

Schnuppern, Iterativbildung zu mitteldeutsch schnuppen, mitteldeutsch Form von schnupfen. (Duden) Andere Begriffe sind, wittern, schnüffeln, schnuffeln.

Schnupfen, mittelhochdeutsch snupfen, schnaufen, Intensivbildung zu schnauben. Andere Ausdrücke, fein pulverisierten Tabak durch stoßweises, kräftiges Einatmen in die Nasenlöcher einziehen, (einen fein pulverisierten Stoff) in der Art, wie es beim Schnupfen üblich ist, zu sich nehmen. (Duden)

Schnauben, mittelhochdeutsch snūben, mittelniederdeutsch snūven, Herkunft lautmalend. Andere Begriffe sind, fauchen, prusten, schnieben, fauchen, schäumen.

Das kann mir schnurz sein, das ist doch alles schnurzegal, das ist schnurzpiepe, schnurzpiepegal. Wobei wir wieder bei dem altbekannten, du bist mir schnuppe, ich kann dich nicht riechen, wären, du bist mir schnurzpiepegal.

Haben Sie schon einmal Sternschnuppen gesehen, so richtig live? Haben Sie dabei vermeintlich Geräusche vernommen? Etwa ein brummen, summen, surren?

Schnurz bedeutet in etwa egal, einerlei, unerheblich, wurscht, schnuppe, scheißegal. Herkunft nicht gänzlich geklärt, vielleicht schnuppe? Aber warum nicht schnurren?

Schnurren, mittelhochdeutsch snurren, rauschen, sausen, Herkunft lautmalend. Andere Wörter sind, brummen, summen, surren, funktionieren, flutschen, funken, klappen, fluppen.

Wenn der Docht seinen Geist aufgibt, die Flamme erlischt, kann man oftmals, meinetwegen auch immer, ein Brummen, Summen, Surren hören. Der Docht schnurrt. Demzufolge könnte schnurz ein Wort sein, das aus zwei Begriffen entstanden ist, nämlich aus schnuppern und schnurren. Wie dem auch sei, dies alles kann schnuppe sein, schnurzegal, Hauptsache heute ist der Himmel einigermaßen, ohne Wolkendecke zu beobachten, denn der Sternschnuppenschwarm der Perseiden hat heute seinen Höhepunkt mit der Wahrscheinlichkeit von bis zu hundertzehn (110) Sternschnuppen pro Stunde.

Und wenn wir keine einzige Sternschnuppe zu Gesicht bekommen, weil der Nachthimmel komplett wolkenverhangen ist, auch schnuppe, dann verkriechen wir uns mit der Katze aufs Sofa und lassen uns durch ihr Schnurren den Abend nicht vermiesen. Schließlich bewirkt das Schnurren eine Laissez-faire-Haltung, die es uns ermöglicht, daß alles rings um uns herum schnuppe, schnurzegal ist, auch wenn kein Docht mehr brennt oder eine Sternschnuppe verglüht.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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