Diplomatisches Fingerspitzengefühl vs. lautem Getöse


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Zwischen Umgangsformen und leisen Klängen

Im Alltag beschäftigt uns die Stimmung, die sich aufs Empfinden überträgt, löst gewisse Gefühlsausbrüche aus, die keineswegs gleich lautstark für jedermann sichtbar erwidert werden mögen, da Menschen ohnehin sich ganz unterschiedlich äußern.

Manchmal mag für den einen just kaum ein passender Moment sich offenbaren, während der andere direkt den Überblick behält, entsprechend gezielt und erfolgreich reagiert. Daß hierbei diplomatisches Fingerspitzengefühl auf lautes Getöse trifft, sollte schon klar sein, trägt entscheidend zwischen Umgangsformen und leisen Klängen bei.

Vor lauter Glotze geht das Hören etwa verloren?

Seit Jahrzehnten schepperte, knarrte und piepste es unvollkommen, meist in lächerlich schrecklichen Tönen aus den Lautsprechern der so zentral „wichtig“ im Wohnbereich stehenden Fernseher, während der interessierte Zuschauer fast gänzlich mißachtete und beinahe vergaß, welch zentrale Rolle der Hörsinn im Leben spielt.

Während visuelle Eindrücke auf den Mattscheiben gebannt, geht das Hören vor lauter Glotze etwa verloren? Wird nebensächlich beiläufig registriert, während die volle Aufmerksamkeit dem Sichtbaren gilt, der bewegenden Abfolge geschnittener Filmsequenzen, die obendrein mit dem tatsächlichen Blickfeld eines Menschen letztlich dürftig sich offenbaren?

Dabei wissen all jene, die wesentlich mehr Augenmerk auf ihren Körper lenken, nur zu gut wie entscheidend wichtig das Tor zum Klang der Töne uns gegeben wurde, alles ohnehin per Schwingung existiert, was zwar Joachim-Ernst Berendt direkt vermittelte, aber durchaus einen hohen Stellenwert in der östlichen Welt hat. Müssen wir davon ausgehen, daß mittels visueller Reizüberflutung die Anteilnahme dem Nächsten gegenüber ein Stückweit in den Hintergrund verschwand, eine gewisse Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit entstehen konnte, die vor allem dem Zuhören mit Ablehnung begegnet?

Wer nicht hören will, muß fühlen

Zunächst hat Rockmusik den Anspruch, laut zu sein, sie durchdringt sämtliche Zellen, tanzend und abrockend wir uns gehen lassen im Rausch der Klangmuster. Doch auf Dauer entsteht ein Hörschaden, wer die viel zu hohe Dezibelwerte ignoriert. Unabhängig davon, daß Lärmbelästigung weiterhin unterschätzt wird, was dessen Auswirkung für uns bedeuten mag.

Außer Frage bekommt die alte Redewendung „Wer nicht hören will, muß fühlen“ gleich eine zusätzliche Bedeutung, wenn sie auch nicht direkt interpretiert wird. Versuchen Sie mal Ihr Gehör für eine zeitlang gänzlich abzuschalten, – manch Jogger oder Radfahrer mußte dies im Extremfall sogar mit dem Leben bezahlen im Straßenverkehr, nur um mal darauf hinzuweisen, wie wichtig die Welt der Töne uns vor Schaden bewahrt -, und Sie werden feststellen, wie still und einsam eine visuelle Welt Ihnen begegnet, wie schön das Hören doch unser Leben bereichert.

Dennoch verdrängt ein Klima der Oberflächlichkeit das Wesentliche, herrscht längst ein Defizit untereinander, was die Vielfalt des kommunikativen Austausches anbelangt. Sowohl das Zuhören verliert sich im Stakkato eines streßgeladenen Tagesablaufs genauso wie das daraus resultierende Weghören, das nicht mehr Wahrnehmen der vielen Töne im zwischenmenschlichen Miteinander. Kein Wunder, daß daraus Mißverständnisse vorprogrammiert gar Vorurteile erst recht schüren, um den einmal eingeschlagenen Kurs des Unfriedens zu unterstreichen.

Die Meßlatte gewisser Gewalteskalationen verliert dadurch zwangsläufig an Höhe, schnellere Gereiztheit sucht sich Ventile wie stets beim Schwächeren, um die eigene aufgestaute Aggression abzubauen. Dabei könnte sich vieles wesentlich harmonischer gestalten, wenn Mensch denn die Zusammenhänge verinnerlicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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