Rezension zum Buch „Der Seelenfänger von Capri“


© Doris Mock-Kamm

Klaus Witt – auf den Spuren von anema e core (Herz und Seele)

Bei dem Spiel: Was nimmst du mit auf eine (einsame) Insel?, geht es um materielle Dinge, Gegenstände, die hilfreich sein könnten, um auf der Insel das Überleben möglichst lange herauszuzögern, zu leben, als wäre man in einer Großstadt und das Ableben nur der unerbittlichen Tatsache des Altseins zuzuschreiben, so lange bestens versorgt zu sein mit den adäquaten Hilfsmitteln, bis Rettung naht.

Was wäre, wenn die Aufgabe in diesem Spiel lauten würde: Welche Tugenden, Charakteren, Lebenseinstellungen nimmst du mit auf eine (einsame) Insel?

Ein junger Mann, gerade erst die Approbation zum Tierarzt in der Tasche, möchte seiner Mutter die Insel zeigen, die ihn bereits in sehr jungen Jahren zur Inspiration neuer Gedankenwelten angeregt hat. Capri. Der Aufenthalt auf Capri, zum ersten Mal mit seiner Mutter gemeinsam, intensiviert nicht nur seine Zuneigung zur Insel. Diese Reise ist zugleich für ihn ein Sprung ins kalte Wasser, weil er unvermittelt aktiv als Tierarzt gefordert wird. Zu diesem Sprung, der für ihn als Anfänger in seinem Beruf eine Herausforderung darstellt, gibt es noch einen Sprung aus einer Höhe zu bewältigen, dem wir alle gerne ausweichen würden, weil die Gewißheit vorliegt, diese gemeinsamen Tage mit seiner Mutter sind für beide die letzte Gelegenheit, sich nahe zu sein. Die Diagnose Krebs ist unumkehrbar, die Tage auf Capri auch ein Eintauchen in bleibende Erinnerungen an die Mutter.

Jede Reise ist verbunden mit Vorbereitungen, Erwartungen, Plänen über die Gestaltung der freien Tage, des Müßiggangs, der Auswahl von Sehenswürdigkeiten und einer angenehmen Spannung, ob und wie alle Vorstellungen in der Realität sich finden lassen können. Mutter und Sohn werden bei ihrem Aufenthalt auf Capri ab der ersten Stunde eingebunden in menschliche, persönliche Geschehnisse, Schicksale, Hilfe für erkrankte Tiere und deren Pflege, so als ob es die selbstverständlichste Sache der Welt wäre und ihre Anwesenheit nicht wegzudenken. Ist dies nur dem Seelenfänger zuzuschreiben?

Sie treffen einen Menschen, der das Leben mit Laissez-faire dankend und fordernd meistert.

Es ist kein Buch zum Träumen. Es ist ein Buch, das Träume wahrnimmt, ihnen Gestalt gibt. Ohne Suche, ohne finden. Die Träume sind da. Diese Träume erlauben, die Schönheit der Insel zu erleben, die Schönheit der handelnden Personen zu erspüren, die Ängste und Sorgen einiger Inselbewohner zu verstehen, die Ängste und Sorgen von Mutter und Sohn zu verinnerlichen, ohne die Zweifel zu übersehen.

„Wir müssen mit unserer Fackel in der Hand durch das Dunkel unseres Lebens gehen und dürfen niemals aufhören zu leuchten und Wege zu suchen, trotz oder gerade weil wir nicht wissen woher und wohin.“

Dieser Satz beschreibt nicht nur eine gefühlte Wehmut, gleichzeitig formuliert er die Stärke, die in der Ungewißheit liegt.

Das beständige Herz, die flüchtige Seele verweilen auf Capri, verweilen beim Seelenfänger, verweilen bei Mutter und Sohn.

„So werde auch ich geduldig das annehmen, was kommt und bis dahin ebenfalls weiter meine Pflicht tun, das heißt nach meinen Überzeugungen leben.“

Klaus Witt hat auf seine Insel seinen Charakter, seine Leidenschaft, seine Tugenden mitgenommen. „anema e core“, Herz und Seele sind im Dialog unschlagbar, genauso wie das Verhältnis Mutter, Sohn, genauso wie das Verhältnis des Seelenfängers zum Leben.

Das Buch „Der Seelenfänger von Capri“ von Menschen und Tieren ist beim „Verlag Komplett-Media“ erschienen, ISBN 978-3-8312-0404-5, ebenso ist es online erhältlich wie in jedem Buchhandel.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Rezensionen

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