Lang- oder Kurzweil – beides rasten


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Müßiggänger in Villen lebend?

Jeder kennt es, das Gefühl der Langeweile, gähnende Langeweile. Das Gefühl der Kurzweil, wenn die Zeit fliegt. Besonders in Urlaubszeiten kann die Langeweile zu einem fürchterlichen Gemütszustand führen oder die Kurzweile zu angenehmen Stunden.

Warte noch ein Weilchen, ein bißchen Geduld, eine kleine Zeitspanne gönnen, vorbei gehen lassen. Besonders nervig, wenn die Weile in die Länge gezogen wird, und man nichts anders tun kann als warten. Dieselbe Party kann für den einen langweilig sein, für den anderen kurzweilig. Daraus zu ersehen, nicht die Party löst das Empfinden aus, sondern die Person selber. Nicht der Ort ist langweilig, kurzweilig, bei diesem Beispiel, sondern die Möglichkeit oder die Fähigkeit sich zu beschäftigen oder eben nicht. Anderseits kann ein Nichtstun genauso kurzweilig sein, weil wie gesagt Einstellungssache.

Die Weile, mittelhochdeutsch wīl(e), althochdeutsch (h)wīla, eigentlich, Ruhe, Rast, Pause. Synonyme sind, kürzere Zeitspanne, Augenblick, Moment.

Die Erklärung ist jetzt sicher langweilig, denn das haben Sie sich doch schon gedacht und immer gewußt.

Können Sie sich vorstellen, welchen Eindruck es auf Menschen, die in dem von uns jetzt bewohnten Gebiet der Bundesrepublik lebten, gemacht haben kann, wenn sie, durch welche Situation auch immer, das erste Mal eine römische Villa gesehen haben? Nicht jetzt im Urlaub, sondern sagen wir vor etwa 2.000 Jahren, vielleicht auch früher oder auch später, das ist unerheblich. Jedenfalls dürfte der Eindruck einer Villa alles, was dieser Mensch bis dahin als Gebäude kannte, immens gewesen sein, oder? Sie sind nicht mehr so oft anzutreffen, die Orte, die man als Weiler bezeichnet, dennoch spielt ihre Namensgebung eine Rolle in Bezug auf die Weile.

Der Weiler, mittelhochdeutsch wīler, althochdeutsch wīlāri, mittellateinisch villare, Gehöft, zu lateinisch villa, Villa. Andere Bezeichnungen sind, Siedlung, Dorf, Flecken, Ansiedlung, aus einigen Gehöften bestehend, keine eigene Gemeinde bildend.

Die Villa, lateinisch villa, Landhaus, Landgut. Auch herrschaftliches Landhaus mit Park, Garten.

Eigentlich erstaunlich wie aus einer Villa ein Weiler werden kann. Oder ist ein Weiler, eine Villa? Ein Plätzchen, auf dem es sich vorzüglich leben läßt? Jedenfalls scheint es sprachlich hier eine Art von Symbiose zwischen Villa und Ruhe zu geben. Ist es nicht so, daß man gedanklich die Bewohner einer Villa auch als Müßiggänger bezeichnet, die sich ein schönes Leben gestalten können, ohne finanzielle Sorgen, Verpflichtung einer Arbeit nachzugehen? Langeweile, Kurzweile.

Ein bißchen weit in der möglichen sprachlichen Verbindung herausgewagt, weil gewisse sprachliche Entwicklungen nicht unbedingt auf direkte Verbindungen zurückzuführen sind, gibt es zwei weitere Wörter, die hier möglicherweise eine Zusatzerklärung bilden. Schließlich gibt es innerhalb der Sprache wie auch unter Menschen die verschiedensten verwandtschaftlichen Verhältnisse und nun ja, nicht vergessen werden sollte, daß aus der sogenannten Umgangssprache, Studentensprache oder aus dem Vulgärlateinischen manchmal, zwar nicht unbedingt immer, treffliche Ausdrücke in die „offizielle“ Sprache übernommen wurden.

Villum bedeutet Weinchen, Räuschlein. Villus, zottiges Haar bei Tieren. Villa, Sie erinnern sich, herrschaftliches Landhaus mit Park, Garten. Ja, ja, diese Lateiner waren schon ein hintersinniges Völkchen, oder etwa nur die Texterin?

Wo man verweilt, ob in einer Villa, einem Weiler oder welche Vorstellung einem gerade einfällt, das Leben, das man empfindet, ob langweilig oder kurzweilig, hängt mit der Nutzung Ihrer zu Verfügung stehenden Zeit zusammen, weil jeder Zeitbegriff relativ ist. „weil, spätmittelhochdeutsch wīle, während, eigentlich Akkusativ Singular von Weile, aus mittelhochdeutsch die wīle, althochdeutsch dia wīla (so), in der Zeitspanne (als). Duden“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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